Von news.de-Redakteur Christian Vock
Er war angetreten, den deutschen Vorentscheid zum Song Contest zu entstauben. Und Stefan Raab tat das, was man zurzeit eben im Fernsehen so macht: eine Castingshow. Am Ende stand ganz viel 08/15 und ein echter Lichtblick.
Was hatten wir in den vergangenen Jahren nicht alles versucht. Sogar die Burlesque-Tänzerin Dita von Teese haben wir eingekauft, aber gebracht hat das alles nichts. Ein bißchen Frieden ist und bleibt der einzige Siegertitel, den Deutschland in all den Grand-Prix-Jahren vorweisen kann. Nun griffen die Veranstalter des deutschen Vorentscheids zum allerletzten Mittel und holten ausgerechnet den Mann ins Boot, der mit seinem Bundesvision Song Contest mit großem Erfolg im öffentlich-rechtlichen Revier wilderte: Stefan Raab. Der Metzgerssohn aus Köln sollte das schaffen, was seit Jahren nicht mehr gelang, nämlich dem Volk einen amüsanten Vorentscheid zu bieten, bei dem auch noch der Sieger tatsächliche Chancen auf ein gutes Abschneiden beim europäischen Sangeswettstreit hat.
Nationale Aufgabe?
Und Raab wäre nicht Raab, wenn er nicht schon im Vorfeld für ein wenig Wirbel gesorgt hätte und «seinen» Vorentscheid zur «nationalen Aufgabe von historischer Tragweite» stilisierte. Alleine der Titel Unser Star für Oslo suggeriert schon Raabs proklamierte gesamtgesellschaftliche Mission. Dass er damit auch das Heer der Unbeteiligten einschließt, dem sein Treiben schlicht egal ist, scheint für Raab keine Rolle zu spielen. Denn, auch das wurde im Vorfeld klar: Für ihn ist der Song Contest keine beliebige Jux-Veranstaltung, ihm scheint es wirklich um die Musik zu gehen. Anders als bei Deutschland sucht den Superstar geht es eben nicht darum, «wer die krankeren Verwandten hat, die ärmeren Eltern, die traurigste Geschichte», wie Raab der Fernsehzeitschrift TV-Spielfilm sagte. Dementsprechend hatte Unser Star für Oslo auch stets eher die Atmosphäre eines echten Vorsingens denn einer Unterhaltungsshow.
Und genau für dieses Ziel, einen echten Künstler mit Können und Ausstrahlung zu finden, war die Sendung auch konzipiert. Aus 4500 Bewerbern wurden 20 Musiker ausgewählt. In insgesamt acht Shows (sechs auf Prosieben, das Viertelfinale und Finale im Ersten) treten die Kandidaten gegeneinander an. Nach jeder Show entscheidet das Publikum, wer gehen muss, eine Jury aus Musikstars wie Yvonne Catterfeld, Peter Maffay oder Xavier Naidoo hat lediglich meinungsäußernde Funktion.
German Gründlichkeit
Mit deutscher Gründlichkeit und Sachverstand will Raab also dem Phänomen Vorentscheid zu Leibe rücken. Dementsprechend hört man dann die Jury aus Raab, Catterfeld und Westernhagen bei ihren Einschätzungen regelmäßig von Intonation, Timbre und Falsettstimme raunen. Hier wird so lange ausgesiebt, bis das, was dann am Ende im Tellerchen liegen bleibt, wohl ein Goldklumpen sein muss. Wer im Vorfeld so gründlich arbeitet und dann in Oslo doch wieder versagt, dem kann jedenfalls kein Vorwurf gemacht werden. Weiß der Geier, warum wir dann wieder nicht gewonnen haben.
Bei so viel Sicherheitsdenken war es dann auch nicht erstaunlich, dass die Sänger und Sängerinnen allesamt auf das Ziepublikum zurechtgeschrumpft waren, das Raab mit seinen anderen Shows auch zu erreichen versucht: relativ jung, zumindest nicht schlecht aussehend und in das gewandelt, was man auch bei H&M finden würde, präsentierten die Kandidaten Popsongs, mit denen man zwar nicht jeden hinterm Ofen hervorlockt, ihn dort aber zumindest auch nicht stört. Die Strategie, mit Mainstream jeden zu erreichen zu versuchen, könnte aber vielleicht ein Schuss ins Knie werden. Wenn man zwanghaft versucht, jeden zu erreichen, erreicht man am Ende nämlich niemanden.
Der letzte Versuch
Auch die Jury zeigte sich, vielleicht angesichts ihrer vorgesehenen Bedeutungslosigkeit, bei ihren Einschätzungen stets harmonisch. Aber wer widerspricht schon gerne einem Star wie Marius Müller-Westernhagen, der in punkto Musik niemandem mehr etwas beweisen muss? Und wenn überhaupt an den Kandidaten gemäkelt wurde, dann «auf ganz hohem Niveau», wie Raab den ganzen Abend über nicht müde wurde zu betonen.
Was dann künstlerisch geboten wurde, war auch mit Sicherheit nicht schlecht, in einigen Fällen richtig gut und in einem sogar begeisternd. Als nämlich als letzte Kandidatin die 18-jährige Schülerin Lena Meyer-Landrut in ihrer ganzen Unerfahrenheit mit dem Song My Same von Adele ihre Kandidatenkollegen in punkto Präsenz und Verve in den Schatten stellte. Hier sah man nämlich das einzige Mal die Attribute, die Raab neben Musikalität von seinen Schützlingen forderte: Charisma und Haltung.
Fazit: Unser Star für Oslo ist das, was Raab vorher versprochen hat. Nicht weniger, aber sicher auch nicht mehr. Ob am Ende ein Kandidat nach Oslo fährt, der dann dort vielleicht sogar gewinnt, bleibt genauso fraglich wie in den Jahren zuvor. Aber dann können wir wenigstens sagen: Jetzt haben wir wirklich alles versucht.
Unser Star für Oslo; noch vier Shows (immer dienstags) und das Halbfinale (9. März) auf ProSieben; Viertelfinale (5. März.) und Finale (12. März) im Ersten. Alle Sendungen jeweils ab 20.15 Uhr.
mat/ivb/news.de
schickt rammstein nach oslo. die haben power, gute lyrik, charisma, und spielen nicht das gleiche pop-schnulzen geseier der deutschen 3. wahl möchtegern stars, wie bislang in den letzten jahren.
jetzt antwortenKommentar meldensehr schöner reim. vielleicht kann der ja für den song verwendet werden
jetzt antwortenKommentar meldenhier sehe ich wieder nur den Kommerz, und das ist wahrhaftig kein Scherz. Mein Bankkonto wächst weiter an, und ob es wirklich auch passieren kann, das einer von denen,welche hier singen, auch bei den anderen richtig erklingen, das kann doch keiner mit gewißheit sagen, also muss man es einfach wagen. Aber egal was auch geschehen mag, für mein Bankkonto war es ein erfolgreicher Tag. Würden einige mehr an das Land als an sich denken, könnte man es in die richtigen Bahnen lenken. Denn hat man erfolg mit dem Interpreten und Gesang, wird es dem Geldbeutel auch nicht bang. Warum so frage ich mich nun, kann man dieses nicht ehrenamtlich tun.
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