Die Fürstin der Finsternis
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Von news.de-Redakteur Christian Vock
Artikel vom 03.02.2010
In der Bestsellerverfilmung Verblendung half sie noch dem Journalisten Blomkvist bei seiner Recherche. Der zweite Teil Verdammnis, der morgen in die Kinos kommt, erzählt nun die Geschichte der Lisbeth Salander. Und die ist genauso düster wie sie selbst.
Es geht um sie. Verdammnis ist ihre Geschichte: Lisbeth Salander. Alles andere spielt nur am Rande eine Rolle. Verdammnis ist die Leinwand, auf der ihre Geschichte gezeichnet wird. Rechtsextremismus, Frauenhandel, Behördenwillkür, Mord. Wer mit diesen dunklen Farben malt, muss sich nicht wundern, wenn das, was einem von der Leinwand entgegenblickt, kein zartes Frauengesicht ist. Lisbeth Salander könnte einem japanischen Science-Fiction-Comic entsprungen sein. Dunkle Kleidung, dunkles Make-up, ein kantiges Gesicht, geschmückt mit zahlreichen Piercings und ein riesengroßes Tattoo auf dem Rücken. Sie ist der Prototyp vermurkster Sozialisation: Sie wurde misshandelt, weggesperrt, für unmündig erklärt und vergewaltigt. In dieser Welt der Gewalt konnte sie nur überleben, wenn sie nach ihren eigenen Regeln lebt. Die Gesellschaft, wie wir sie kennen, funktioniert für jemanden wie Salander nicht.
Rolle rückwärts
Noomi Rapace spielt nicht Lisbeth Salander, sie ist sie. So abgedroschen das auch klingen mag. In jeder Sekunde zieht sie die Zerrissenheit durch, in der Salander schwankt zwischen ihrer äußeren Härte und inneren Verletzbarkeit. Sie ist die Superheldin, die allen zu trotzen vermag, eben weil sie schon so oft durch die Hölle gegangen ist und nicht an der Gesellschaft zerbrochen ist. Eine Gesellschaft, die sie nicht haben will und die Salander nicht will.
Aus dieser Gesellschaft, einem Schweden aus Gewalt, Verbrechen und Korruption, war sie schon entflohen. Am Ende von Verblendung, dem ersten Teil von Stieg Larssons Millennium-Trilogie, hat sie sich ein stattliches Sümmchen von einem Verbrecher «besorgt» und sich ein schönes Leben gemacht. Das könnte so weitergehen, doch es zieht sie zurück nach Schweden. Kaum dort angekommen wird sie des Mordes an einem Journalisten und dessen Frau beschuldigt und muss untertauchen. Ihr zur Seite steht wieder Journalist Mikael Blomkvist (Michael Nyqvist), mit dem sie schon bei Verblendung zusammengearbeitet und ein kurzes Verhältnis gehabt hat. Er war Kollege des ermordeten Journalisten, der an einer Story über Frauenhandel gearbeitet hat. Die Geschichte beginnt zu rollen und zunächst rollt sie rückwärts.
Nichts zu lachen
Sie führt Salander in die Vergangenheit, erklärt, warum sie so geworden ist. Gleichzeitig gilt es einen Mord aufzuklären und die Verwicklungen schwedischer Würdenträger in illegalen Mädchenhandel zu entwirren. Die beiden Spuren vermischen sich, Salander ist sowohl Gejagte als auch Jägerin. Trotz der Brisanz der Themen ist Verdammnis keine Gesellschaftskritik, wie wir sie etwa von Larssons Krimikollegen Henning Mankell kennen. Verdammnis ist die Geschichte von Lisbeth Salander, die einfach erzählt werden musste. Und Regisseur Daniel Alfredson erzählt sie mit den Mitteln eines Krimis, lässt die Fäden der verschiedenen Handlungen erst langsam zusammenlaufen.
Doch anders als im Vorgänger Verblendung, bei dem noch Niels Arden Oplev im Regiestuhl saß, kann Verdammnis mit einer nahezu durchgängigen Spannung aufwarten. Da stört es auch nur mäßig, dass es an manchen Stellen ein wenig vorhersehbar wird. Schon eher stößt der Klischee beladene Handlanger des Bösewichts auf. Ein blonder Hüne, natürlich aus Deutschland, der keinen Schmerz verspüren kann. In jedem James-Bond-Abenteuer wäre er besser aufgehoben, hier wirkt er eher deplatziert.
Ansonsten hüllt uns Alfredson ein in einen guten Krimi in Gestalt der düsteren Geschichte von Lisbeth Salander. Und wie Salander ist auch dem Zuschauer bei Verdammnis nie zum Lachen zumute.
Titel: Verdammnis
Regie: Daniel Alfredson
Darsteller: Noomi Rapace, Michael Nyqvist
Filmlänge: 129 Minuten
FSK: ab 16 Jahren
Kinostart: 4. Februar 2010
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Habe alle 3 Teile gelesen, einfach genial und extrem spannend. Bin sehr gespannt auf den Film.
jetzt antwortenKommentar meldenBin gespannt auf den Film.
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