Apple geht mit seinem iPad eigene Wege beim E-Book. Wer also schon elektronische Bücher besitzt, der muss sich auf lästige Formatprobleme einstellen. Amazon reagiert derweil auf die drohende Kindle-Konkurrenz und gibt im Preisstreit mit dem Verlag Macmillan nach.
Das iPad ist ein geschlossenes System. Mit dem E-Book-Format von Kindle kann es zunächst nichts anfangen. Aber auch die digitalen Bücher in dem von Apple genutzten EPUB-Format bleiben erst mal außen vor, weil der iPad-Hersteller einen anderen Kopierschutz verwenden will.
Bislang wird für EPUB-Bücher meist eine DRM-Technik (Digital Rights Management) von Adobe verwendet: Die Software «Adobe Digital Editions» verhindert bei E-Book-Readern wie denen von Sony das massenhafte Weiterverbreiten des elektronischen Buchs. Apple hat noch keine näheren Angaben zu seinem Kopierschutz gemacht - aber bei Adobe heißt es, beim iPad komme das Adobe-System nicht zum Einsatz. Im Musik- und Video-Shop iTunes Store verwendet Apple bereits eine eigene Kopierschutztechnik, die ohne großen Aufwand auf den iBook Store übertragen werden könnte.
Wer also jetzt schon eine Sammlung von E-Books besitzt und diese gern auf dem iPad lesen will, befindet sich in einer schwierigen Situation. Dies ist so, als wenn man bei der Anschaffung einer neuen Stereo-Anlage alle Musik-CDs neu kaufen müsste.
Verzicht auf Kopierschutz kaum zu erwarten
«Es wird da einige potenziell schmerzliche Lektionen geben», sagt der für digitale Publikationen zuständige Adobe-Manager Nick Bogaty. Der dritte Weg von Apple beim Kopierschutz digitaler Bücher könnte die Verbraucher dazu bringen, erst einmal zurückhaltend beim Kauf von E-Books zu sein - solange wie sich die Hersteller nicht auf einen gemeinsamen Standard verständigt haben.
«Ich sehe nicht, dass Apple das Bedürfnis verspürt, als ‹Kollaborateur› aufzutreten», sagt der Branchenexperte James McQuivey von Forrester Research. «Das ist nicht ihr Stil.» Zwar wird es wohl Software für das iPad geben, mit der sich die E-Books fürs Kindle oder mit Adobe-Schutz lesen lassen. Der Anwender muss dann nur darauf achten, welches E-Book mit welchem Programm zu öffnen ist. Umgekehrt aber wird es wohl erst einmal nicht funktionieren, ein im iBook Store von Apple gekauftes E-Book auf einem anderen Reader anzuzeigen. Allenfalls auf einem Computer mit der iTunes-Software sollten sich die Apple-E-Books öffnen lassen.
Forrester-Experte McQuivey erwartet, dass die Spaltung in verschiedene E-Book-Lager noch auf einige Jahre hinaus bestehen bleibt. Letztlich könnten dann zwei Lager übrig bleiben, von denen eines das Kindle-System von Amazon sein wird. McQuivey denkt aber nicht, dass der Kopierschutz wie beim digitalen Musikvertrieb mit MP3 ganz aufgegeben wird. Denn im Unterschied zur Musik-CD sind gedruckte Bücher - auch wenn diese keinen Kopierschutz haben - mit den verfügbaren häuslichen Mitteln nicht so einfach ins digitale Format zu bringen.
Preisstreit bei Amazon
Gebrochen scheint mit dem iPad auch die Vormachtstellung von Online-Händler Amazon bei der Preisgestaltung für elektronische Bücher zu sein. Die Holtzbrinck-Tochterfirma Macmillan setzte durch, dass die E-Book-Versionen seiner Bestseller beim weltgrößten Buchverkäufer im Internet künftig 13 bis 15 Dollar kosten. Bislang hatte Amazon als dominanter Anbieter allen Verlagen einen Preis von zehn Dollar vorgegeben. Der Konzern betonte in einer Mitteilung vom Sonntag, dass er nicht einverstanden sei, aber nicht auf die Bücher des Verlages verzichten wolle.
Macmillan hatte in der vergangenen Woche gefordert, vom bisherigen Preismodell abzurücken. Daraufhin nahm Amazon zunächst sowohl die E-Books für sein Lesegerät Kindle als auch gedruckte Bücher des Verlags aus dem Programm, beugte sich aber dann dem Druck. Der Macmillan-Verlag habe ein Monopol über seine eigenen Titel, erklärte der Online-Buchhändler in einer Mitteilung. «Wir werden die Bücher auch zu Preisen anbieten, die wir für E-Books für unnötig hoch halten.»
Amazon reagiert mit dem Schritt auch auf die wachsende Konkurrenz durch Apple. Der Technologie-Konzern lässt den Verlagen laut Medienberichten jedoch freie Hand bei der Preisgestaltung. Damit können diese mehr verlangen als derzeit bei Amazon üblich. Auf den deutschen Markt wirkt sich die Entscheidung wegen der Buchpreisbindung allerdings nicht aus.
tfa/bla/nbr/news.de/ap/ dpa