Clown oder Zirkusdirektor?
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Von news.de-Redakteur Florian Blaschke
Mit seinem Blog hat Bild-Chefredakteur Kai Diekmann viel Aufmerksamkeit erregt, zumindest in der Branche. Nun ist Schluss. Zeit, Bilanz zu ziehen. Und eines steht bereits fest: Es dürfte einer der teuersten deutschen Blogs der vergangenen Jahre gewesen sein.
Intellekt wie ein Clown, aber 'n Geldbeutel wie ein Direktor!
Der Zähler kennt keine Gnade. Knapp 34.000 Euro zeigt die rote Anzeige an, die Kai Diekmann unter der Rubrik «Meine Perlen» laufen lässt. «Rechtskosten nach 100 Tagen» steht darüber, billig ist das nicht, und alle zwei bis drei Sekunden kommt ein Cent dazu.
So viel Geld also hat der Bild-Chefredakteur für seinen Blog www.kaidiekmann.de bereits ausgeben müssen. Wobei: Nicht er selbst wird zur Kasse gebeten, sondern der Axel-Springer-Verlag, der die Domain betreibt und für den Diekmann als angestellter Blogger tätig ist. Und auch das mit dem Müssen ist in diesem Fall so eine Sache, war das Projekt doch vom ersten Tag an auf Krawall ausgelegt, auf Provokation.
Nach einer Woche schon befragte sich Diekmann in der Kategorie «3 Fragen an mich» selbst und forderte ein erstes Fazit ein. Die Antwort: «Dass selbst die kühnsten Hoffnungen übertroffen werden können. Seit Montag bin ich von Jony Eisenberg verklagt worden, Alice Schwarzer hat mich als Sexisten beschimpft, die taz konnte dank mir ihre Klickzahlen verbessern und ich habe ganz, ganz viele neue Freunde gewonnen.» Was genau Diekmann unter Freunden versteht, verriet er damals nicht.
Auch, ob die 34.000 Euro, die schlussendlich wohl zusammenkommen werden, der Wahrheit entsprechen, bleibt unklar. Jener Jony Eisenberg nämlich, seines Zeichens Hausjurist der taz, rechnete in besagtem Rechtsstreit vor, das Blog habe Diekmann bereits mehr als 50.000 Euro gekostet. Zahlenspielereien.
100 Tage hatte sich Kai Diekmann als Limit für seinen Ausflug in die Blogosphäre gesetzt, und bei diesen 100 Tagen wird es auch bleiben. Danach, so sagte er dem Branchendienst Meedia, werde nur noch ein einziges Bild auf der Domain stehen bleiben, an dem mit Hochdruck gearbeitet werde. Irgendwann sei eben auch mal gut, er sei ja kein hauptberuflicher Blogger, sondern leite die größte Tageszeitung in Deutschland.
Zeit also, um Bilanz zu ziehen, vor allem, was Diekmanns Hauptanliegen angeht: der Branche den Spiegel vorzuhalten. Zumindest in der sogenannten Pimmelaffäre ist ihm das nach eigener Aussage gelungen. Die Geschichte ist zwar etwas verworren, geht aber in etwa so: 2002 war unter dem Titel «Sex-Schock! Penis kaputt?» eine Satire über eine missglückte Penisverlängerung Diekmanns in der taz erschienen, gegen die der Bild-Chefredakteur eine Unterlassungserklärung erwirkt hatte. Diese aber unterlief Diekmann vergangenes Jahr, indem er die Geschichte selbst in seinem Blog veröffentlichte.
Die Folge: Am Berliner taz-Gebäude wurde das Relief eines Diekmann ähnlich sehenden Mannes angebracht, dessen 16 Meter großer Penis sich an der Spitze in eine Kobra verwandelt und das vom Springer-Hochhaus gut zu sehen ist. Laut taz-Blog sollte Diekmann dadurch daran erinnert werden, dass er nicht das «Urheberrecht für seine Penisvergrößerung» besitze und die Geschichte demnach auch nicht hätte veröffentlichen dürfen. Diekmanns Reaktion: Er behauptete, das Relief stelle nicht ihn dar, sondern taz-Anwalt Jony Eisenberg und konterte mit einer von ihm anonym lancierten Fake-taz und der Schlagzeile «Wir sind Schwanz».
Was auf den ersten Blick nach Kindergeburtstag klingt, wurde nicht nur zu einem ernsthaften Rechtsstreit, sondern auch zu einem Kantersieg für Diekmann: «Die taz hat uns den Gefallen getan, eine wunderbare Auffahrtsrampe abzugeben», sagte er Meedia. «Erst dadurch konnte das Blog so richtig fliegen.»
Ein Blog, das keineswegs nur Diekmanns Blog war, wie ein Eintrag vom 31. Januar zeigt. Darin stellt Diekmann seine Familie vor, seine Spaß-Guerilla, wie er sie nennt: Bild-Mitarbeiter, ohne deren «kreativen und technischen Input» er das Projekt nicht so toll habe hinbekommen können. Darunter: Diekmanns Stellvertreter Michael Paustian, sein Büroleiter Ulrich Machold, Nicolaus Fest, Mitglied der Bild-Chefredaktion, Internet-Experte Rowan Barnett und Daniel Durst, Chef der Bild-Web-TV-Abteilung.
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