Lindholm und die verlorene Zeit
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Von news.de-Mitarbeiter Tobias Köberlein
Artikel vom 31.01.2010
Kommissarin Charlotte Lindholm setzt ihren Wagen in den Graben, wird fast von einem Wildschwein überrannt und um Haaresbreite über den Haufen geschossen. Dabei sucht sie doch nur ihre Vergessene Erinnerung.
Und wieder ein Tatort, der forsch die Grenzen des Genres Krimi überschreitet. Vor zwei Wochen hatten wir das ja schon einmal. Die Konstanzer Ermittlerin Klara Blum gab das Cowgirl, schoss wild mit der Dienstwaffe um sich und schnappte zum Schluss den Polizistinnenmörder. Wildwest am Bodensee – einen Versuch war es wert, auch, wenn dieser Tatort gründlich in die Hose ging.
Diesmal wird es gruselig. Wenigstens zu Beginn. Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) ist mit dem Wagen unterwegs, biegt falsch ab und verirrt sich mitten in der Nacht im Nirgendwo des Emslandes. Eine Gestalt mit rotem Mäntelchen taucht plötzlich auf der Straße auf. Und dann noch eine im Trenchcoat. Die Kommissarin will ausweichen und braust mit Karacho in den Graben. Ende einer Dienstfahrt. Die Kamera zoomt auf ein Gedenkkreuz am Straßenrand. Hier starb einst ein Ehepaar in seinem Wagen. Und die Frau auf dem Bild ist Charlotte wie aus dem Gesicht geschnitten.
So fängt es an. In schönster Mystery-Manier. Nebel wabert über den Bäumen, die Straße liegt einsam und verlassen – ein Hauch von Jeepers Creepers weht durch das Emsland. Die ersten zehn Minuten dieses Tatort gehören visuell zum Besten, was die Reihe in den vergangenen Jahren zu bieten hatte. Die Bild- und Schnittfrequenz ist für einen Sonntagabendkrimi beinahe schon revolutionär. Wunderbar surreale Aufnahmen illustrieren den Dämmerzustand, in den Charlotte nach dem Crash gefallen ist.
Was wissen denn schon Ärzte?
Leider war’s das schon mit dem Abstecher in die Dunkelzonen des Daseins. Das Drehbuch von Dirk Salomon und Thomas Wesskamp verlässt die Mystery-Route und biegt recht flott auf die Krimi-Autobahn ab. Vergessene Erinnerung (Regie: Christiane Balthasar) wird nach etwa 20 Minuten zu einem typischen Lindholm-Fall, was natürlich auch ein Qualitätsmerkmal ist.
Im Krankenhaus kommt Charlotte wieder zu Bewusstsein und fällt sofort in die Polizistinnenrolle. Warum sie an beiden Armen Einstichstellen und Verbände habe, will sie vom behandelnden Arzt wissen. «Vielleicht sind Sie ja Privatpatientin», kontert der mit trockenem Mediziner-Humor. Charlotte entlässt sich schließlich selbst, tappt mit ihrer Halskrause ins Freie und kann sich nicht erklären, warum in ihrer Erinnerung mehrere Stunden einfach fortgewischt sind. Retrograde Amnesie, sagt der Doktor. Aber was wissen denn schon Ärzte.
Die Kommissarin quartiert sich im nahe gelegenen Gasthof des Örtchens Volsum ein, um der Sache selbst auf den Grund zu gehen. Von den beiden Gestalten, die sie nachts auf der Straße gesehen haben will, findet sich erst einmal keine Spur. Lindholm irrlichtert mit ihrer Halskrause durch das Dorf und jagt Kindern mit roten Mäntelchen hinterher wie einst Donald Sutherland in Wenn die Gondeln Trauer tragen.
Ein dörfliches Verwirrungsspiel
Die Dorfgemeinschaft gibt sich gegenüber der Kommissarin verschlossen. Es sind schrullige, aber nicht unbedingt interessant gezeichnete Charaktere, mit denen es Lindholm zu tun bekommt. Der Dorfpolizist (Max Hopp) spricht kein Wort zu viel, Ex-Knecht Randers (Thomas Thieme) nimmt sich erstaunlich schnell des Unfallautos der Kommissarin an und die Tierärztin (Ute Willing) weiß geschickt mit Blasrohr und Betäubungsmitteln umzugehen. Dazu gibt es im Ort die üblichen Kabale, die sich ganz dörflich um «Land und Frauen» drehen.
Just als die viele Landluft den Zuschauer schon ein wenig müde gemacht hat, gibt es doch noch einen Toten. Und es bleibt nicht bei einem. Auch Lindholms ominöser Trenchcoat-Mann taucht wieder auf – als Moorleiche. Das dörfliche Verwirrspiel um Erbstreitigkeiten und Flurstücke erweist sich als falsche Fährte. Der Fall erhält auf einmal einen völlig neuen Dreh. Der kommt allerdings wie aus heiterem Himmel und mit der geballten Kraft des Zufalls. Auf einmal gerät sogar Lindholm selbst in die Schusslinie und muss um ihr Leben und das ihres kleinen Sohnes David flehen.
Die Kommissarin, die gerade noch mit wehendem Blondhaar durch die Weizenfelder gesprintet ist und dabei von der Kamera (Hannes Hubach) förmlich liebkost wurde, verliert kurzzeitig ihre Coolness. Doch ein gezielter Schuss aus dem Hinterhalt bewahrt sie vor dem Schlimmsten. Am Ende wird Charlotte Lindholm auch diesen Fall souverän lösen. Nur einmal zeigt sie eine kleine Schwäche. Am Telefon muss sie Englisch sprechen. «Do you speak German?», stammelt Lindholm entnervt. Der cleveren Polizistin fehlen die Worte. Ach Charlotte: Take it easy. Nobody’s perfect!
Tatort: Vergessene Erinnerung, Sonntag, 31. Januar, 20.15 Uhr, Das Erste
cvd/news.de
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Zum gestrigen Tatort,ich hatte gehofft daß im Moor wenigsten noch ein U-boot auftaucht um dieses Märchen zu komplettieren.Wir aus den neuen Bundesländern lernen ja täglich noch von euch,aber ein Kind mit zwei gesunden Beinen darf bei uns noch laufen und zwar alleine.
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