Von den news.de-Redakteuren Oliver Roscher und Florian Blaschke
Die Nationalmannschaft hat endlich eine eigene Webseite. Selbst im internationalen Vergleich keine Selbstverständlichkeit. Und die Seite überzeugt, zumindest im Großen und Ganzen.
Der Blick ins Ausland enttäuscht: England, Italien, Spanien: Überall nur dröge Verbandsseiten. Lediglich der Niederländische Fußballverband hat seiner A-Elf mit Ons Oranje eine eigene Website eingerichtet. So wie der DFB für sein Team vor einigen Tagen.
Auf team.dfb.de erfährt der Fan so ziemlich alles, was rund um die DFB-Elf herum passiert. «Emotion und Identifikation, bewegte und bewegende Bilder» lautet die Botschaft der Webseite. Die Fans sollen sich noch stärker mit den Jungs identifizieren und wenn möglich auch noch ein paar Trikots kaufen. Die kann man verbraucherfreundlich direkt über die Seite ordern. Der kommerzielle Aspekt steht der gewünschten Emotion etwas kontraproduktiv gegenüber, nimmt aber glücklicherweise keinen großen Platz ein.
Auch die etwas übertrieben smart auftretenden Protagonisten vermitteln zu wenig Gefühlspotenzial - traditionelle Koordinaten des Fußballs wie Schweiß, Blut und Dreck werden nicht unbedingt vermittelt. Eher hat das Ganze den Charme einer drögen House-Party in Berlin-Mitte, aber sei's drum, ansonsten besticht die Seite durch klares Design, klare Strukturen und tatsächlich relevante Informationen. Über die Verlinkung zur DFB-Seite erhält man beispielsweise einen Überblick aller deutschen Nationalspieler. Gelungen sind auch die Videobeiträge zu den WM-Triumphen 1954 und 1990 - da kommen wirklich Emotionen auf.
An der Technik muss noch gefeilt werden
Ganz anders sieht das leider bei den technischen Aspekten aus. Nicht nur, dass die Seite offensichtlich nicht ganz sauber programmiert ist - 28 Fehler und 11 Warnungen spuckt der HTML-ValidatorDieses Tool prüft, in wieweit eine Internetseite mit gültigem HTML programmiert wurde. aus - sie ist für eine moderne Seite auch deutlich überladen. Gleich bei drei verschiedenen Ladezeiten-Checks schneidet die Team-Seite nicht gut ab, einmal gibt es die Note ungenügend, nicht wenige Dateien sind deutlich zu groß.
Auch eine Prüfung der Barrierefreiheit bringt Mängel ans Licht. Zwar besteht die Team-Homepage diesen Test bei sechs von acht Punkten, die Navigation per Tastatur und variable Schriftgrößen jedoch sucht man vergebens.
Inhaltlich dagegen überzeugt die Seite. Bildergalerien und Textbiografien bringen dem User nicht nur die Spieler und Trainer näher, sondern informieren auch über das «Team hinter dem Team». Von den «Physios» über den Sportpsychologen bis hin zum Koch - auch den nichtprominenten Betreuern wird hier eine Bühne gegeben. Kurze Textbiografien und Interviews mit den Spielern runden das Informationsbild ab. Wer sich der Nationalmanschaft noch näher fühlen möchte, kann nach Anleitung der Fitnesstrainer trainieren oder sich durch das Buch des Mannschaftskochs futtern.
Wir sind schon im Finale
An dieser und auch an manchen anderen Punkten aber lässt die Klarheit der Navigation zu wünschen übrig. Vielleicht liegt es an den vielen Flash-Seiten, die sich im Netz tummeln, dass der Nutzer, sieht er das Kochbuch auf dem Tisch liegen, glaubt, sich nun einfach durchklicken zu können. Dass er dazu jedoch erst drei Aufklappmenüs bedienen muss, irritiert ein wenig.
Unter dem Menüpunkt «WM 2010» gibt es dafür Wissenswertes zum Turnier in Südafrika. Eine grafische Übersicht der Stadien und die Porträts der Gruppengegner sind hier zu finden. Besonderes Schmankerl ist der WM-Spielplan mit namentlicher Nennung der DFB-Elf bis hin zum Finale - so muss der Fan nicht selber komplizierte Rechnungen anstellen, um den Weg bis zum Titel durchzuspielen. Der DFB nimmt das gleich selber in die Hand. Die entwaffnende Ehrlichkeit tummelt sich als «Unser Weg ins Finale» im Menü-Portfolio und nimmt den möglichen Turnierverlauf mit deutscher Beteiligung selbstbewusst charmant vorweg.
phs/ivb/news.de