Spiel 10 aus 120
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Von news.de-Redakteur Florian Blaschke
Artikel vom 30.01.2010
Wer Dieter Bohlen den Kopf verdreht, hat schon einmal gute Chancen aufs Finale bei DSDS. So wie die 22-jährige Alexandra Jansen aus Aachen. Wer es von den 120 Recall-Teilnehmern noch unter die letzten Zehn schafft? Wir sagen es Ihnen.
Wie gefährlich es sein kann, über die Kandidaten der Castingshow Deutschland sucht den Superstar auch nur einen müden Scherz zu machen, wissen wir spätestens seit 2007. Damals hatte Stefan Raab, der sich dieser Tage auch wieder von DSDS distanziert, Aussteiger Max Buskohl satirisch aufs Korn genommen und dafür, so schrieb die Zeit, «die neunschwänzige Peitsche der Bild-Zeitung» zu spüren bekommen. Das will, wer nicht das Format eines Stefan Raab hat, nun wirklich nicht riskieren.
Daher trauen wir uns auch eher auf das zwar inhaltlich dünnere, aber publizistisch dickere Eis hinaus und wagen eine Prognose für das Finale der aktuellen Staffel. Dabei wissen wir natürlich, dass sich bei einer Sendung wie DSDS eigentlich alles und nichts prognostizieren lässt. «Bei DSDS wird geschummelt, geschnitten, hingebogen», schreibt der Stern dieser Tage. «Das ist nun bekannt.» Nun gut, dann nennen wir das Ganze eben nicht Prognose. Sagen wir, wir gehen eine Wette ein. Diese Zehn schaffen es aus den verbliebenen 120 Recall-Kandidaten in die Mottoshows, die ab Ende Februar gezeigt werden. Wetten, dass ..?
Alexandra Jansen (22): Nicht nur den Maschinenbaustudenten in Aachen verdreht die 22-Jährige offenbar regelmäßig den Kopf, auch bei Dieter Bohlen ist ihr das gelungen. «Du bist das beste Mädchen, das ich bisher in dem Wettbewerb gesehen habe», schwärmte der Pop-Titan und machte damit das Favoritentürchen ganz weit auf. Vielleicht trägt sie die Nase etwas zu weit oben, doch um bei DSDS zu gewinnen, sollte man auch nicht gerade Bescheidenheit gefrühstückt haben.
Nelson Sangare (24): Wie wichtig die persönlichen Geschichten der Kandidaten sind, das zeigen die Einspieler, die RTL immer wieder produziert. Je mehr Schicksal, desto besser, und so passt auch der 24-jährige Bonner perfekt in das Format. Im März 2009 starb sein bester Freund Khalil beim Einsturz des Kölner Stadtarchivs, ein Erlebnis, das ihn nachdenklich gemacht habe, wie er der Bild-Zeitung verriet: «Ich habe gesehen, wie schnell alles aus sein kann, ohne dass man seine Träume gelebt hat.» Nun also will er genau das tun und da kommt es natürlich wie gerufen, dass er neben seinem Modelkörper auch noch eine «Stimme wie Samt» mitbringt.
Celine Denefleh (16): Was für Nelson gilt, gilt auch für Celine. Die 16-Jährige wurde mit einem Herzfehler geboren und trägt einen Defibrilator unter der Brust, wie sie Dieter Bohlen verriet. Und obwohl sie beim Casting mit There You'll Be von Faith Hill nicht gerade überzeugt, kam auch sie eine Runde weiter, mit Sicherheit nicht die letzte: «Ich mach's kurz, du bist nicht die größte Sängerin», urteilte Bohlen, fügte aber schnell hinzu: «Aber vielleicht kann man aus dir noch irgendwie was rausholen. Ich finde, du hast schöne Augen, und du hast natürlich eine wahnsinnig tolle Ausstrahlung. Von mir aus bist du weiter.» Von uns aus auch.
Joel Havea (27): Hier kommt alles zusammen, was im Showbusiness zählt: gutes Aussehen, verdammt viel Charme, ein strahlendes Lächeln und eine tolle Stimme. Die Mischung aus Lenny Kravitz und Jack Johnson zumindest hat es so noch nicht bei DSDS gegeben. Joel, der aus Australien kommt und seit einiger Zeit in Hamburg lebt, könnte somit die seriöse Variante von Mark Medlock werden. Und in den hatte sich Dieter Bohlen seinerzeit ja auch verliebt.
Kim Debkowski (17): Zugegeben, die Berlinerin bringt auf den ersten Blick nicht gerade die perfekten Voraussetzungen mit, um es über die kommenden Runden zu schaffen. Zwar kann sie leidlich singen und ist durchaus hübsch anzusehen. Doch erstens hat sie 2009 schon einmal einen erfolglosen Versuch bei DSDS gestartet und zweitens bringt sie ein Handycap mit: Sie ist schminksüchtig. Doch Moment! Ist das wirklich ein Hindernis? Schließlich braucht RTL bei jeder Staffel Kandidaten, mit denen es Reibereien gibt, das bringt Quote, das hält die Zuschauer bei Laune. Und was könnte dem Sender da besseres passieren, als eine 17-Jährige, die es im zweiten Anlauf versucht und ständig zu spät ist, weil sie nicht vom Spiegel wegkommt?
Marcel Pluschke (19): Nein, es war nicht der Gesang, der den 19-Jährigen aus Linnich (Nordrhein-Westfalen) in den Recall beförderte, es waren die blauen Augen. Selbst Dieter Bohlen konnte da nicht wiederstehen und so fragt sich manch einer schon, ob wir es hier mit einem zweiten Martin Stosch zu tun haben könnten. Oder vielleicht doch eher mit einem zweiten Benjamin Herd. Auch die beiden waren stimmlich eigentlich kaum überzeugend, aber eben charmant. Könnte reichen.
Meike Büttner (27): Eigentlich hat die Berlinerin ein Casting gar nicht nötig. Als Meike Büttner & Das Satelitenduo macht sie Elektropop der Sorte Mia und singt Titel wie Weltall, Kosmos, einerlei. Und doch: Bei Bohlen & Co. ist sie genau richtig, schließlich sei DSDS ein «Format für Geisteskranke», so der Musikproduzent. Die quirlige Blondine mit der etwas schrägen Stimme hat eben die gewisse Portion Wahnsinn im Gepäck: «Zwei Schlangen haben meine Beine aufgefressen und dann habe ich ihre Köpfe abgeschnitten», war ihre Antwort auf Bohlens Frage nach ihrer Hosenwahl. Das passt zwar eigentlich gar nicht zum sonstigen Casting-Einerlei, und gewinnen wird Meike Büttner die Staffel sicherlich auch nicht. Doch um auf sie zu verzichten, ist sie einfach zu unterhaltsam. Das Schöne für sie: Karriere machen wird sie auch so.
Praveen Michael Smeyts (16): Eher der Typ Schwiegermuttersöhnchen, vielleicht auch deshalb verweigerte ihm Dieter Bohlen sein Ja. Das aber hat bei DSDS noch keinen davon abgehalten, unter die letzten Zehn zu kommen, eine gediegene Feindschaft mit dem Chef-Juror kann da sogar ganz förderlich sein. Wir jedenfalls schließen uns dem Urteil «Du singst scheiße. Ich habe da keine Stimme gehört» nicht an und sagen: Kann singen, kann tanzen, kann siegen.
Thomas Karaoglan (16): Der Duisburger mag dem einen oder anderen ein wenig zu cool erscheinen, doch Dieter Bohlen hat offensichtlich einen Narren an ihm gefressen. Rund 20 Minuten hat er nach Informationen der Rheinischen Post vor der Jury gestanden, am Ende dann Bohlens Fazit: «Ich glaub', dass du lustig bist, ich hätte dich gern dabei.» Wie Der Westen schreibt, hat RTL bereits durchblicken lassen, dass der Berufsschüler gute Chancen hat, auch die nächsten Runden erfolgreich zu überstehen. Und auch Thomas ist zuversichtlich, wie die Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung erfahren hat: «Ich lasse mir jetzt auf jeden Fall Autogrammkarten drucken.»
Kevin Reichmann (17): Klingt ein bisschen nach letzter Chance, die Geschichte des jungen Kölners. Zweimal die neunte Klasse wiederholt, von der Hauptschule abgegegangen, nun soll es der Titel als Deutschlands nächster Superstar richten. Und die Chancen dafür stehen gut. «Kevin ist Bohlens geheimer Favorit», sagt das Boulevardblatt Express – und wenn sich in Köln jemand auskennt, dann dieses Medium. Dazu kommt: Auch der smarte Kevin hat ein Schicksal: Seit seiner Kindheit leidet er an ADS (Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom), nur vor der Jury war davon nichts zu spüren. Gute Voraussetzungen – neben seiner Stimme – es auch auf der großen Bühne zu schaffen.
Nun, es mag nicht ganz fair sein, dass wir das zweitgrößte Geheimnis von Deutschland sucht den Superstar hiermit bereits gelüftet haben. Doch zumindest das größte, die Entscheidung, wer von den zehn Kandidaten schlussendlich gewinnt, ist ja noch offen. Und die beeinflusst nicht nur die Jury, sondern, wir wissen es, auch der Zuschauer, der mit seinem Anruf nach den Qualifikationsrunden über Wohl und Wehe, über Rampenlicht oder Resterampe mitentscheidet. Und vielleicht spricht ja einer dieser zehn auch eines Tages so zuckersüße Worte wie einst Mark Medlock: «Dieter ist Freund und Kumpel für alle Fälle und vor allem mein Engelchen.»
Deutschland sucht den Superstar – Recall 1, Samstag, 30. Januar, 20.15 Uhr, RTL
san/news.de
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