Von news.de-Redakteurin Mara Schneider
Der Kultautor des Romans Der Fänger im Roggen starb im Alter von 91 Jahren. Er galt als einer der meistgelesenen US-amerikanischen Autoren der Nachkriegszeit, hat neben seinem Roman zahlreiche Kurzgeschichten veröffentlicht.
Der Schriftsteller erlangte durch seinen Roman Der Fänger im Roggen von 1951 Weltruhm. Sein Vater sei in seinem Haus in New Hamshire eines natürlichen Todes gestorben, gab sein Sohn am Abend bekannt. Sein Gesundheitszustand hatte sich nach einem Hüftproblem im Mai zunächst gebessert, Anfang dieses Jahres aber dann schlagartig verschlechtert, teilte seine Agentin Phyllis Westberg mit.
Salinger lebte seit Jahrzehnten zurückgezogen in einem kleinen Haus und lehnte jeden Starruhm sowie jedes Interview - das letzte gab er vor 30 Jahren - hartnäckig ab. Sein Werk Der Fänger im Roggen erzählt die Geschichte einer Gruppe Jugendlicher um den Rebellen Holden Caulfield, die durch die USA reisen. Die Figuren voll Fantasie, Sehnsucht und Frustration haben bis heute Millionen Leser bewegt. Es ist der einzige Roman des am 1. Januar 1919 in New York geborenen Schriftstellers. Er hat allerdings mehr als 30 Kurzgeschichten verfasst und zählt zu einem der meistgelesenen amerikanischen Autoren der Nachkriegszeit.
Salinger, dessen Initialien J.D. für Jerome David stehen, wuchs als einziger Sohn eines wohlhabenden jüdischen Käsehändlers an der Ostküste der USA auf. Während seiner Ausbildung an der Valley Forge Military Academy in Wayne im US-Bundesstaat Pennsylvania verfasste er immer wieder Filmkritiken und gab die Kadettenzeitschrift Crossed Sabres (Gekreuzte Säbel) heraus.
Hemingway bescheinigt Salinger «verteufeltes Talent»
Später betätigte er sich als Theaterkritiker und Kolumnist der College-Zeitschrift Ursinus Weekly. Seine erste Kurzgeschichte wurde 1940 im New Yorker Story-Magazin herausgebracht. Zwei Jahre später trat er ohne College-Abschluss in die Armee ein und nahm während des Zweiten Weltkrieges unter anderem an fünf Feldzügen in Frankreich teil. Er erlebte auch die deutsche Ardennen-Offensive mit.
Ein einschneidendes Erlebnis war vermutlich seine Begegnung mit dem damaligen Kriegskorrespondenten Ernest Hemingway, der ihm ein «verteufeltes Talent» bescheinigte. Als sich Salinger 1948 mit seiner Erzählung A Perfect Day for Banana-Fish erstmals in der angesehenen Wochenzeitschrift The New Yorker vorstellte, hatte er bereits rund 20 Kurzgeschichten und Erzählungen veröffentlicht.
Sein bekanntestes Werk ist Der Fänger im Roggen. Zehn Jahre hatte Salinger an dem 1951 erschienenen Buch gearbeitet. 1962 erschien es auf deutsch und wurde mittlerweile in mehr als 30 Sprachen übersetzt. Der mehr als 16 Millionen Mal verkaufte Roman sollte einer ganzen Lesergeneration zum literarischen Schlüsselerlebnis werden.
Es war ein frühes Dokument der beginnenden Jugendrebellion und sorgte nicht zuletzt für Aufsehen, weil es sich zahlreicher Schimpfwörter bediente. Kritiker sprechen heute gern von der Ära Salinger, früher zog man häufig Parallelen zu Johann Wolfgang von Goethe und seinen Leiden des jungen Werther.
Das Schweigen im Walde
J.D. Salinger war dreimal verheirat. Nach Kriegsende führte er eine achtmonatige Ehe mit einer französischen Ärztin. 1955 heiratete er die damalige Studentin Claire Douglas, mit der er zwei Kinder hat, Margaret Ann und Matthew. 1976 ließ sich das Paar wieder scheiden.
Seit Mitte der 1950er lebte Salinger zurückgezogen von der Außenwelt in einem kleinen Waldhaus im US-Bundesstaat New Hampshire. Berichten zufolge war er zuletzt fast taub und wurde von seiner dritten Frau gepflegt. Er verweigerte jegliche Interviews und Gespräche und machte sich dadurch für seine Fans noch interessanter.
Im vergangenen Jahr klagte der Schriftsteller laut New York Times gegen einen jungen Autor, der sich J.D. California nannte. Dieser hatte offenbar unter dem Titel 60 Years Later: Coming Through the Rye eine Fortsetzung von Salingers Erfolgsroman verfasst.
«Nach seinem lebenslangen Bemühen um Abgeschiedenheit wird es keinen Gottesdienst zur Beisetzung geben. Die Familie bittet, aus Respekt gegenüber dem Leben und Werk von Mister Salinger, diesem Wunsch zu folgen», sagte seine Sprecherin. «Er wird von den wenigen, die ihm nahe waren, ebenso vermisst wie von den zahllosen Lesern.»
news.de/ap/ivb/dpa