Zahnlose Tiger und natürliche Feinde
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Von news.de-Mitarbeiterin Denise Peikert
Artikel vom 07.02.2010
Der PR-Rat will Regeln gegen Schleichwerbung im Internet. Diese Nachricht sorgte für einige Aufregung im Netz. Das Gremium sei gar nicht zuständig für Blogger, hieß es. Richtig. Um die geht es aber auch gar nicht.
Eigentlich hatte es so kommen müssen. Der Vorsitzende der Gesellschaft Public Relations Agenturen (GPRA) sprach öffentlich über einen Entwurf, den er dem Deutschen PR-Rat zur Abstimmung vorlegen wird. Das Papier soll Transparenzregeln gegen verdeckte PR im Internet enthalten und als Grundlage für öffentliche Rügen gegen Unternehmen dienen, die Schleichwerbung betreiben.
«Konkret hieße das, dass Blogger in Zukunft offenlegen müssen, wenn sie gegen Geld positive Produktbesprechungen in Blogs und Foren veröffentlichen», interpretierte das Magazin W&V– und trat damit einen kurzen, aber heftigen Sturm im Netz los.
Der PR-Rat sei gar nicht zuständig für Blogger, hieß es. Oder: «Ein Blogger ist frei. Per Definition, würde ich sagen.» Grundsätzlichkeit und Spekulationen bestimmten die Diskussion um einen Entwurf, den niemand gelesen hatte. Vielleicht, sagt Güttler heute, hätte er darüber gar nicht erst sprechen sollen. Fragmente stifteten hier möglicherweise Verwirrung.
«Wir sind der natürliche Freund des Bloggers, nicht der Feind. Es geht uns unter anderem darum, den Missbrauch von Blogs zu verhindern», sagt Güttler, der selbst bloggt und das ganz großartig findet. «Ich bin verantwortlich für PR und nur darum geht es mir.» So sei das Regelwerk vor allem auf PR-Agenturen und Unternehmen gerichtet, die im Web Werbung machen wollen. Nötig sei es, sagt Güttler, weil das Internet «erwachsen» werde. «Es ist ein professioneller Wirtschaftsraum.» Und der brauche Regeln.
Schon bisher müssen kommerzielle Blogs laut Telemediengesetz gekaufte Texte als Werbung kennzeichnen. Bei rein privaten Weblogs bestehe diese Pflicht jedoch nicht, sagt der Rechtsanwalt Noogie Kaufmann im Gespräch mit heute.de.
Das, was Güttler sagt, fordern Blogger im Grunde schon lange. «Doch sobald jemand über Regeln redet und sich der PR-Rat damit beschäftigt wird es auf einmal ein Drama», kommentiert Güttler die Aufregung. Dabei sei es im Interesse eigentlich aller Webbewohner, gemeinsam für Absenderklarheit einzutreten. Die Reputation von Bloggern beruht auf dem Vertrauen der Leser und das ist sowieso erschüttert, wenn ein Autor sich für einen Artikel bezahlen lässt ohne das offenzulegen.
Oft genug weisen andere Blogger auf derartige Verfehlungen hin, es gibt sogar die Initiative Ad-free Blog (werbefreies Blog). Blogger, die ihr angehören, sind der Meinung, Werbung werte das Medium ab. Das Netz kontrolliere sich selbst, lautet das Selbstverständnis, das auch im Falle des PR-Rates wieder die Diskussion bestimmt.
Güttler glaubt nicht allein an Selbstkontrolle. «Ich habe noch keinen Markt auf der Welt gesehen, bei dem das funktioniert», sagt er. Aber er sieht eine positive Tendenz: Es gebe immer mehr Menschen, die Verstöße öffentlich machen oder sie dem PR-Rat zuspielen. Watchblogs zum Beispiel unterstützten die Arbeit des Rates massiv, reichten aber nicht aus. «Ich bin für die Regel und die Selbstkontrolle», sagt er.
Kritiker bleiben dennoch bei ihrer Meinung: Wie der ähnlich organisierte Presserat sei der PR-Rat nur ein Organ der Selbstverpflichtung und habe nicht die Macht, seine Regeln durchzusetzen. Sogar Mirko Lange, Geschäftsführer der PR-Agentur Talkabout und lange Zeit Mitglied einer ganzen Reihe von Arbeitskreisen des Berufsverbandes GPRA gibt zu bedenken: «Hat je eine Rüge des PR-Rats auch nur annähernd die Wirkung gehabt wie die Rüge «der Blogosphäre»?», sagt er und verweist auf den PR-Gau der Kleidungsmarke Jack Wolfskin, die reihenweise Abmahnungen wegen angeblich markenrechtlich verbotener Verwendung «ihres» Tatzensymbols verschickte.
Den Vorwurf des «zahnlosen Tigers» findet Güttler amüsant. Ihn gebe es schon lange, gerade der Aufschrei wegen des geplanten Regelwerkes beweise jedoch das Gegenteil. Außerdem habe die Rüge des PR-Rates gegen die Deutsche Bahn und den Thinktank Berlinpolis durchaus öffentliche Aufmerksamkeit gefunden. «So etwas», sagt Güttler «beendet heute sogar im Einzelfall Karrieren».
bla/news.de
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jetzt antwortenKommentar meldenWenn ich es richtig verstehe gibt es den Begriff "Schleichwerbung" seit es öffentlich rechtlichen Rundfunk bzw. Fernsehen in der Bundesrepublik Deutschland gibt. Beim Internet handelt es sich um etwas völlig anderes. Hier gilt die sogenannte "nettiquette". Mehr aber auch nicht.
jetzt antwortenKommentar meldenGegen Werbung sind bestimmt viele uananfällig geworden, aber gegen positive Userbewertungen z.B. bei Produkten... Das glaube ich eher nicht! Es gibt genügend Menschen die erkundigen sich vorher im Internet, welcher z.B. DVD-Player bei den Usern am besten abgeschnitten hat. Wenn hier gekaufte Meinungen gepostet werden, ohne diese zu kennzeichnen, dann beisst sich die Katze doch in den Schwanz. Vieles was mit Geld zu tun hat ist meist nicht mehr 100% die eigene Meinung!
jetzt antwortenKommentar meldenJeder versierte user sollte doch mittlerweile imunisiert gegen Werbung sein.
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