Von news.de-Redakteurin Anne Meyer-Gatermann
Im Film Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen öffnet der Himmel seine Schleusen und schickt Junkfood auf die Erde. Ein überdrehter Wissenschaftler turnt mit einer Wetterfee über Fleischklopsberge und Eiscremehügel. Seltsam.
Die Glückseligkeit klemmt zwischen zwei Brötchenhälften. So jedenfalls sieht es der Film Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen, den die Regisseure Phil Lord und Christopher Miller nach einem Kinderbuchbestseller von Judi und Ron Barrett auf die Leinwand gebracht haben. In dem Animationsfilm regnet es Cheeseburger vom Himmel – melodramatische Streicher unterlegen das bizarre Wetterphänomen. Den Fastfood-Segen verdanken die Einwohner von Affenfels dem überdrehten Flint.
Flint ist ein Tüftler aus Leidenschaft. Schon als Knirps schläft er in Reagenzglas-Bettwäsche und beglückt seine Umgebung mit schrägen Erfindungen: Sprühschuhe, ein Gedankenleser für Tiere, fliegende Ratten. Aber irgendwie geht immer etwas schief. Flint wünscht sich nichts mehr als Anerkennung. Sein Essenstransformator soll den erhofften Ruhm bringen und tatsächlich sieht alles zunächst danach aus, als wäre diese Erfindung ein voller Erfolg. Dass er die Maschine in den Himmel geschossen hatte, war eigentlich ein Unfall – aber jetzt purzeln Lebensmittel aus den Regenwolken und sogar die nette Wetterfee Sam Sparks scheint sich plötztlich für ihn zu interessieren.
Was für eine Nachricht für den Wetterbericht – nicht Manna, wie in der Bibel, sondern Junkfood plumpst in geöffnete Münder: Burger, Donuts, Hot Dogs, Pizza, Pfannkuchen. Ein alter Traum vom Schlaraffenland, doch ein Alptraum für Ernährungswissenschaftler. Kinder pflügen mit dem Mund voran durch Bonbonberge oder tränken sich an Käsesoßenfontänen. In dem kreischend bunten Film sieht das lustig aus, ist aber nicht gerade zur Nachahmung geeignet.
Sahnecremeballen auf aspetischen Boden
In der idealisierten Animationswelt zermatscht natürlich nichts, makellos wie in der Speisekarte von Fastfoodketten sehen die Burger aus, und wenn plötzlich Eiscreme vom Himmel fällt, dann sind die Fleischklöpse wie von Zauberhand verschwunden und die süße Sahnecreme formt sich keimfrei zu dekorativen Ballen.
Der quietschbunte Film ist zwar lustig anzusehen, aber die Botschaft für das minderjährige Publikum problematisch. Hier wird gefressen bis zum Abwinken und der einzige, der dabei Figurprobleme bekommt, ist der gierige Bürgermeister.
Das vermeintliche Schlaraffenland entpuppt sich bald als Horrortrip: Erst prasseln handtuchgroße Steaklappen herab, dann begraben Pfannkuchen ganze Häuser unter sich und Fleischbällchen versperren die Eingangstür – die Nahrung mutiert. Richtig brenzlig wird es, als sich ein Spaghetti-Tornado am Himmel zusammenbraut.
Die Macher entwerfen eine Welt, deren Oberfläche auf Hochglanz poliert ist. Hier gibt es weder müffelnde Essensreste, Schimmel, BSE oder Salmonellen – von Karies, Herzinfarkten oder Diabetes ganz zu schweigen. Der Held der Geschichte ist völlig überdreht: Mit flatternden Haaren schwelgt er in Zukunftsvisionen, saust mal hier hin, plappert kurz mit seinem Affen und kann sich gar nicht halten vor Begeisterung. Man wird den Eindruck nicht los, dass der Junge unter einem Zuckerschock leidet. Etwas später folgt der depressive Zusammenbruch: Flint verkriecht sich in eine Tonne und mag gar nicht mehr herauskommen – bis er sich entscheidet, der gigantischen Essensflut mit einem USB-Stick zu Leibe zu rücken.
Hommage an Armageddon
Der Film sei eine Hommage an Katastrophenfilme wie Twister, Armageddon oder The Day After Tomorrow, so die Filmemacher Philip Lord und Chris Miller. Sätze wie «Jetzt ist es Zeit, die Rechnung zu bezahlen» und ein bulliger Polizist, der den amerikanischen Klischee-Helden spielt, knüpfen daran an.
Detailfreude steckt in den Animationen: Eine Wissenschaft für sich ist es, wenn Burger vom Himmel fallen. «Burger im Hintergrund würden möglicherweise einfach auf dem Boden landen, während wir den Burgern im Vordergrund – unseren «Heldenburgern» – besondere Aufmerksamkeit widmeten. Wir sorgten dafür, dass jedes Gürkchen genau richtig herausflog», erklärt Danile Kramer, der Digital Effects Supervisor des Films. Auch in der Wackelpuddingszene, in der Flint die Fernsehmoderatorin Sam Sparks in ein Schloss aus Glibbermasse entführt, lässt der Film tricktechnische Muskeln spielen. Wie prallen die Figuren auf, wie bricht sich das Licht?
Doch die technischen Tricksereien können leider nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieser Film wie eine riesige Junkfood-Welle über den Zuschauer hereinbricht und ihn etwas ratlos zurücklässt.
Titel: Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen
Regisseure: Chris Miller, Phil Lord
Spielzeit: 90 Minuten
Produktionsland: USA
Produktionsjahr: 2009
FSK: ab 6 Jahren
Kinostart: 28. Januar 2010