So., 12.02.12

Monroe und Obermaier Nackte Stars in Hamburg

Von Carola Große-Wilde

Artikel vom 27.01.2010

Unter dem Titel Nude Visions zeigt das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg auch Nacktfotos von Prominenten. Zu sehen sind Sexsymbole wie Marilyn Monroe, nackt porträtiert 1962 von Bert Stern, und Uschi Obermaier.

Verführerisch lächelt Marilyn Monroe in die Kamera. Den Mund leicht geöffnet, die Lider halb geschlossen, weiß sie genau, wie sie den Betrachter in ihren Bann ziehen kann. 20 Jahre nach ihrem Tod 1962 wurden die Nacktbilder von Bert Stern erstmals veröffentlicht - und avancierten sofort zu Ikonen. Jetzt sind sie zusammen mit anderen Nacktbildern bis zum 25. April im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg zu sehen. Guido Mangold setzte 1968 Uschi Obermaier als Badenixe in Kamerun in Szene, Jimmy Caruso 1978 den ehemaligen Bodybuilder und heutigen Gouverneur von Kalifornien, Arnold Schwarzenegger. Die Ausstellung zeigt insgesamt 220 Original- Abzüge aus der Sammlung Fotografie des Münchner Stadtmuseums.

Ähnliche Aufgeregtheiten wie 1985 im Münchner Stadtmuseum erwartet Kurator Ulrich Pohlmann diesmal nicht. Eine junge Besucherin hatte sich damals medienwirksam ausgezogen und von ihrem Begleiter fotografieren lassen, der Katalog zur Ausstellung war innerhalb von zehn Tagen vergriffen. «Viele Menschen haben damals Aktfotos erstmals mit musealen Weihen betrachtet», sagte Pohlmann am Mittwoch in Hamburg rückblickend. «Damals haben wir noch einige Tabus gebrochen.» Die neue Schau Nude Visions, 150 Jahre Körperbilder in der Fotografie konzentriere sich eher auf die Frage, welches Schönheitsideal und welche Moralvorstellungen zu welcher Zeit vermittelt werden sollten.

Die Aktfotografie etablierte sich ab der Mitte des 19. Jahrhunderts mit den sogenannten Akademien, die Malern und Bildhauern als Studienvorlagen dienten. «Charakteristisch für diese Bildgattung war ihre schmucklose Inszenierung ohne erotisierende Attribute», erklärte Pohlmann. Salonfähig war die Aktfotografie nur als Künstlerstudie, freizügigere Motive wurden unter dem Ladentisch gehandelt und unterlagen einer strengen Zensur. Mit Hilfe ausgewählter Requisiten wie Gipsrepliken bekannter Skulpturen sowie der Verwendung von Musikinstrumenten, Rüstungen und Vasen wurde die Aktdarstellung in die Sphäre des Künstlerischen überführt.

In der Lebensreformbewegung, die seit Ende des 19. Jahrhunderts vor allem in Deutschland erheblichen Zulauf fand, nahm die Freikörperkultur eine besondere Stellung ein. Die ornamental angelegten Reigen nackter Körper, die beispielsweise Gerhard Riebicke vorzugsweise in der heimischen Landschaft aufnimmt, werden zum Symbol für die Befreiung von moralischen Zwängen der Zivilisation und Industrialisierung. «Man bewegte sich nackt in der Natur, um die Körperseele wieder zu finden», sagte der Kurator. Die Nationalsozialisten missbrauchten dagegen die Freikörperkultur für militärischen Drill und einen heroischen Körperkult.

Nach den prüden 1950er und 1960er Jahren entstanden in den 1970er Jahren zahlreiche Aktfotografien im Kontext von Body Art und Performance. «Die Künstler erhoben die Unmittelbarkeit der eigenen körperlichen Erfahrung dabei oft zur politischen Frage», meinte Pohlmann. So fotografierte Stefan Moses 1967 Friedensreich Hundertwasser, als er nackt in München seine «Große Architekturrede» gegen das Diktat der geraden Linie hielt. Als Skandal hätten vielleicht noch in den 1980er Jahren viele Besucher die Arbeit «Kunst und Leben» von Timm Ulrichs empfunden, der Ausschnitte aus Pornoheftchen fotografierte. Im Kapitel «Glamour» blickt der Fotograf André Gelpke hinter die Kulissen, indem er Stripperinnen im Hamburger Vergnügungsviertel St. Pauli gänzlich ohne Pose fotografierte.

bla/news.de/dpa
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