Hollywood goes Berlin
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Von news.de-Mitarbeiterin Anna K. Bernzen
Artikel vom 31.01.2010
Nach einjähriger Pause wurde der rote Teppich wieder für sie ausgerollt: Deutschlands Film- und Fernsehelite genoss in der Hauptstadt zusammen mit den Hollywood-Kollegen einen Abend voller Höhepunkte.
Wie gut, dass Hape Kerkeling sein Alter Ego Horst Schlämmer zuhause gelassen hatte. Zwischen all den elegant gekleideten Stars hätte der im Trenchcoat nämlich ganz schön alt ausgesehen. Alt fand Kerkeling sich mit 45 Jahren, genau so vielen, wie sie die Goldene Kamera auf dem Buckel hat, allerdings noch nicht. Dafür waren es jedoch seine einführenden Witze. Glücklicherweise versprach er nach ein paar flachen Tiger Woods-Gags: „Das Niveau klettert auch wieder nach oben.“
Dafür sorgte schon Senta Berger, die von Robert Stadlober die Goldene Kamera als beste deutsche Schauspielerin überreicht bekam - Hofknicks inklusive. Im eleganten schwarzen Hosenanzug trotzte sie dem Robenzwang und bekam für ihre Leistungen viel Applaus von den Kollegen.
Der erklang auch für ihr männliches Pendant, den als besten deutschen Schauspieler geehrten Matthias Schweighöfer. In Turnschuhen sprintete er zur Bühne und musste erst einmal Luft holen. Dass er keine Rede vorbereitet hatte, wurde schon vor dieser Ankündigung seinerseits deutlich. «Krass, ich muss immer so lachen!» japste er ins Mikrofon. Es folgte ein Rundumschlag - Dank an Marcel Reich Ranicki, Grüße an Oma und Opa und an die Tochter.
Leicht verwirrt erschien Karl Lagerfeld, der Diane Kruger den Preis als beste internationale Schauspielerin verlieh. Zum Glück sei sie nicht als typisch blonde Deutsche bekannt, ätzte er. Nicht nur Barbara Schöneberger verzog an dieser Stelle das Gesicht. Hollywoodreif verdrückte die schöne Norddeutsche ein paar Tränen, dankte der Familie und den Kollegen.
Noch einem Exil-Deutschen kam eine internationale Ehrung zu: Star-Geiger David Garrett wurde bester internationaler Musiker. Ganz ohne Recalls und Dieter Bohlen, wie Laudator Olli Dietrich mit einem Seitenblick auf den anwesenden DSDS-Moderatoren Marco Schreyl versicherte. „Die Auszeichnung ist mehr, als ich mir jemals erträumt habe“, dankte Garrett und verzauberte mit seiner Geige das Saalpublikum.
Frank Schätzing wetterte erstmal über die Klimakonferenz, bevor er die Goldene Kamera für das beste Wissensmagazin an Abenteuer Wissen überreichte. Moderator Karsten Schwanke dankte seinen Schwiegereltern, die 500 Kilometer gereist waren, um an diesem Abend auf ihre Enkel aufzupassen.
Noch ein Jahr vorher wäre das gar nicht nötig gewesen, denn 2009 entfiel die Gala. Dieser Tatsache trug auch Dieter Wedel Rechnung: «Schön, dass es die Goldene Kamera auch weiterhin gibt», dankte er den Veranstaltern. Den Preis für den besten Fernsehfilm verlieh er an Entführt. Dessen Hauptdarsteller Heino Ferch war zuvor knapp an einer Auszeichnung als bester deutscher Schauspieler vorbeigeschrammt. «Heino, das ist auch dein Preis!» rief also sein Regisseur - der Seitenhieb saß.
Jeglichen Anflug von Missgunst schob jedoch Cordula Stratmann bei der Verleihung des Nachwuchspreises an Maria Kwiatkowsky beiseite. Die Jungschauspielerin vertraute dem erstaunten Publikum an, dass die Stylistin ihr gold-glitzerndes Kleid auf der Fashion Week geklaut habe. Von den mit dem Preis verbundenen 20.000 Euro kann sie sich für die nächste Preisverleihung ein eigenes kaufen.
«Geflasht» war jedoch nicht nur die Jungschauspielerin, sondern auch die Fantastischen Vier. Diese bekamen, auf eigenen Wunsch von Dieter Thomas Heck, die Goldene Kamera als beste nationale Musiker verliehen. Ihrem Ruf als «Schnell- und Deutlichsprecher», so Heck, wurden sie mit ihrer Aufführung von Einfach sein gerecht.
Als holländische Paartherapeutin sorgte Hape Kerkeling dafür, dass die Stimmung auch nach dem Ende des Liedes nicht sank. Mit einem Relation Quick Test führte er in die Hörzu-Leserwahl ein: Die Goldenen Kamera für die beste Coaching-Sendung verlieh das Fernsehpublikum an Rach, den Restauranttester, der sich artig und sehr farblos bedankte.
Und dann musste nicht nur Iris Berben nach Taschentüchern kramen: Joachim «Blacky» Fuchsberger bekam die Goldene Kamera für sein Lebenswerk und fast einen Herzinfarkt, als sein alter Freund Harry Belafonte hereinschritt. Seinen kleinen Luftsprung - «Mehr kann ich nicht!» - und seine Tränen lobten die Zuschauer mit Standing Ovations.
Noch ein Lebenswerk verdiente sich eine Auszeichnung: Danny DeVito rundete, nicht nur optisch, den Abend ab. Sein ehemaliger Mitbewohner Michael Douglas war geladen worden, um den Schauspieler auszuzeichnen - der konnte es nicht glauben und dankte mit den Worten: «Wie schön ist es, wieder in Berlin zu sein!»
sis/ivb/news.de
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