So., 19.05.13

DLD-Konferenz Feldzug gegen die «Gratiskultur»

DLD (Foto)
Ein Kamerateam auf der DLD in München. Bild: dpa

Von Meinolf Ellers
Auch im Jahr 2010 scheint es einen Zweikampf zu geben: alte Medien gegen neue Medien, analog contra digital. Auch auf der Konferenz Digital Life Design (DLD) wird diese Konkurrenz gepflegt. Zielscheibe Nummer eins dabei: Google.

Der Verleger Hubert Burda hat eine Mission. Wie kaum ein anderer deutscher Medienmacher setzte Burda schon Anfang der neunziger Jahre auf das Internet und versuchte, das neue Medium offensiv mit seinen Zeitschriftenmarken zu verzahnen. Mit dem israelischen Webpionier Joseph Vardi begründete er 2005 die Konferenz Digital Life Design (DLD), um Amerikas Internet-Prominenz, junge Webgründer, aber auch Medienmanager, Künstler und Intellektuelle zusammen zu bringen.

Doch zur Begrüßung des DLD 2010, der noch bis Dienstag in München die digitale Zukunft diskutiert, machte Burda deutlich, dass sich die Hoffnungen auf ein Zusammenwachsen der neuen und der alten Medienwelt so schnell nicht erfüllen werden. Mit Blick auf die Karte der historischen europäischen Handelswege verglich Burda das Web mit der Seefahrt, die etablierten Medien aber mit der Tradition der Kaufleute zu Land. «Ihr seid Matrosen», rief er der Web-Community zu. Aber so wie die Seefahrer nicht die Fugger und ihre Handelsrouten verdrängt hätten, so werde das Internet nicht Magazine und Zeitungen überflüssig machen. Burda warnte die selbstbewusste digitale Branche vor falschen Hoffnungen.

Nachdem der Verleger, der zugleich Präsident des Verbandes der deutschen Zeitschriftenverleger (VDZ) ist, bereits auf dem DLD 2009 für Aufsehen gesorgt hatte, als er der Google-Topmanagerin Marissa Mayer klarmachte, dass er mit der Werbung im Internet nur «lausige Penny» verdiene, legte Burda jetzt noch einmal nach. «Die Werbung im Internet gehört Google und wir machen ein langes Gesicht.»

Der unaufhaltsame Siegeszug des Suchmaschinenkonzerns aus dem kalifornischen Mountain View, der sich wie in jedem Jahr mit Spitzenpersonal beim DLD engagiert, macht auch bei Burda Sorgen. Während die Chefredaktion von Burdas Nachrichtenmagazin Focus in der Vorwoche einen Stellenabbau ankündigte, um auf rückläufige Auflagen und Werbeeinnahmen zu reagieren, meldete Google für das vierte Quartal 2009 einen Nettogewinn von 1,97 Milliarden Dollar bei einem Umsatz von 6,67 Milliarden Dollar.

Angeführt von Rupert Murdoch (News Corp.) oder Springer-Chef Matthias Döpfner ziehen die Zeitungs- und Zeitschriftenverleger so lautstark wie nie gegen Google, aber auch gegen die scheinbar nicht zu korrigierende «Gratiskultur» des Internets zu Felde. Soeben haben die deutschen Verleger beim Bundeskartellamt eine Beschwerde gegen Google eingereicht. Die schwarz-gelbe Bundesregierung arbeitet an einem Leistungsschutzrecht, das den Verlagen mehr rechtliche Möglichkeiten gegen die unerlaubte Verwendung ihrer Inhalte im Netz geben soll. Daneben sucht die Branche fieberhaft nach neuen Bezahlmodellen, um die Verbraucher doch noch zu überzeugen, für Medienangebote im Internet oder auf dem Handy zu bezahlen. Es könne einfach nicht sein, «dass die dummen Old-Economy-Guys für viel Geld wertvolle Inhalte erstellen und die smarten New-Technology-Guys sie einfach stehlen und bei ihren Werbekunden vermarkten», hat Döpfner die neue Konfliktlinie zwischen den Verlegern und der Web-Gemeinde beschrieben.

Die Internetwirtschaft verfolgt den neuen Kurs mit einer Mischung aus Irritation und Kritik und spottet über die konzeptionelle Hilflosigkeit der «Holzmedien», die in ihren Augen in einen Kampf investieren, der unwichtig sei und sich der digitalen Welt verweigerten. Aber auch unter Verlagsmanagern wächst die Sorge, dass die strukturellen Veränderungen der Medienmärkte trotz aller Gegenmaßnahmen an die Substanz gehen könnten. Der Chef des Werbekonzerns Ogilvy, Lothar S. Leonhard, geht davon aus, dass sich die Werbeumsätze dauerhaft von den etablierten Medien ins Internet verlagern werden. Es sei schlicht «Blödsinn» zu hoffen, dass die Werbeerlöse der Medien nach der Wirtschaftskrise wieder auf Rekordniveau sprudeln könnten.

Auch auf dem DLD ist deshalb von den neuen «Naturgesetzen» die Rede, mit denen das Web nun auch die Medien nachhaltig verändert. Die Musik- oder die Telekommunikationsindustrie haben einen Teil dieses schmerzhaften Anpassungsprozesses schon hinter sich. Niklas Zennström, Gründer des kostenlosen Web-Telefondienstes Skype warnte die Medienbranche in München vor einem falschen Internet-Mythos: Er sei bei der Gründung von Skype nicht angetreten, um die Telekommunikationsindustrie zu zerstören: «Es ging einfach um neue Chancen und Möglichkeiten. Das Web bot einen Wettbewerbsvorteil, und den habe ich genutzt.»

bla/news.de/dpa

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