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Weihnachten bei Oxenfords (Bild 1/11)
Eisfieber (Foto)
Foto: ZDF
25.01.2010

Stanley Oxenford (Heiner Lauterbach) ist Inhaber des Labors Oxenford, in dem mit Viren experimentiert wird.

«Eisfieber»

Wer hat hier die Seuche?

Von news.de-Redakteur Florian Blaschke

Für sechs Ken-Follett-Romane hat sich das ZDF die Rechte gesichert, mit Eisfieber zeigt der Sender nun den ersten als Zweiteiler. Doch der bietet weder richtiges Eis, noch Fieber, sondern ist ein lauwarmer Abklatsch der Vorlage. Daran kann auch die hochkarätige Besetzung nichts ändern.

Lester Maul (Was ist das?)

Hilfe! Ich glaube, Lauterbach hat mich mit akuter Glatze angesteckt!

Weihnachten dürfte sich Familie Oxenford anders vorgestellt haben. Da schneit es schonmal in Schottland, wie seit Jahren nicht, und dann purzeln die Flocken so plump umher, überziehen Türen und Fenster wie Dosenschnee, und ausgerechnet auf den Straßen, obwohl offiziell unpassierbar, bleibt kaum eine Flocke liegen. Doch natürlich beschwert sich niemand, schon gar niemand von den Oxenfords, ist ja ein Film, das alles. Doch was sich das ZDF da für den Zweiteiler Eisfieber nach Ken Follett an Effekten geleistet hat, ist schon eine Frechheit.

Auch sonst dürfte der Heilige Abend bei Oxenfords anders geplant gewesen sein. Während sich die Familie aus Vater und Witwer Stanley (Heiner Lauterbach), den Kindern Olga (Sophie von Kessel), Miranda (Katharina Wackernagel) und Kit (Tom Schilling) sowie diversen Enkelkindern im Warmen gegenseitig an die Gurgel geht, sich anschmachtet oder peinliche Details über Seitensprünge und Vorwürfe auf den Tisch packt, droht draußen die Welt unterzugehen. In Oxenfords Labor nämlich, wo gerade nach einem Antivirus gegen das tödliche Madoba-2-Virus geforscht wird, geht es drunter und drüber.

Ausgerechnet zu Weihnachten hatte Sicherheitschefin Antonia «Toni» Gallo (Isabella Ferrari) hier eine Inventur anberaumt und festgestellt, dass eine Dosis des noch nicht wirksamen Antivirus fehlt. Der Mitarbeiter Michael Ross hat zudem ein infiziertes Kaninchen aus dem Hochsicherheitslabor geschmuggelt, nun stirbt er einen qualvollen Tod. Als die Presse sich schnell wieder beruhigt, glauben Oxenford und Gallo, das Schlimmste sei überstanden. Doch weit gefehlt.

Alles bleibt im Schnee stecken

Denn es rückt der finstere Nigel (Matthias Brandt) mit seinen Komplizen Daisy (Anneke Kim Sarnau) und Elton (Bülent Sharif) an, um in das Labor einzubrechen. An ihrer Seite: ausgerechnet Kit Oxenford, der bei Nigels Chef 250.000 Euro Schulden hat, die er mit diesem Bruch auf einen Schlag los werden will. Einst hat Kit die Sicherheitsanlage im Labor installiert, bevor er von Toni gefeuert wurde, weil er Firmengeleder veruntreut hat, nun hilft er als enttäuschtes schwarzes Schaf den bösen Buben, sie zu umgehen. Eines aber weiß Oxenford Junior nicht: Nigel hat es gar nicht auf das Medikament abgesehen, sondern auf das Virus, das für einen groß angelegten Terroranschlag missbraucht werden soll.

Und so gibt es für Familie Oxenford dann doch noch eine ordentliche Bescherung. Nigels Truppe nämlich landet mit ihrem Wagen im Graben, irrt durch den Schneesturm und steht plötzlich ausgerechnet vor Gut Steepfall, dem Anwesen der Oxenfords.

Schon die Vorlage, Whiteout von 2005, gehört nicht gerade zu den stärksten Büchern von Bestseller-Autor Ken Follett (Die Säulen der Erde). Der Guardian bescheinigte ihm seinerzeit zwar, den Nervenkitzel zu beherrschen wie kaum ein anderer Autor, im Falle von Whiteout aber sei er ein wenig ins Straucheln gekommen, auch der verzwickten Familiengeschichte wegen: «Die daraus resultierenden Spannungen lenken von der eigentlichen Handlung ab und sind nicht annähernd so gut verarbeitet wie sie. Ein abtrünniger Bruder, weinende Schwestern, die sich anbahnende Liebesgeschichte zwischen Toni und ihrem Chef und ein paar knutschende Jugendliche auf dem Dachboden – all das bleibt im Schnee stecken.» Nur dass der im Buch wenigstens nicht unecht wirken konnte.

Tarrantino-Kampf-Bunny auf Droge

Das ZDF jedoch hat aus dem Etat von sieben Millionen Euro offensichtlich den größten Batzen für die Hauptdarsteller ausgegeben, zumindest aber soviel, dass es für die ordentliche Besetzung der Nebenrollen nicht mehr gereicht hat. Machen es Sophie von Kessel, Tom Schilling, Matthias Brandt, Katharina Wackernagel und phasenweise auch Heiner Lauterbach noch fast wett, dass sie trotz zweimal 90 Minuten Platz zum Auswalzen reichlich flache Charaktere spielen müssen, wirkt Anneke Kim Sarnau wie ein Kampf-Bunny auf Droge, entsprungen aus einem Tarrantino-Remake, während die gesamte Schar der Enkel, Isabella Ferrari oder Bülent Sharif lieber bieder und brav in ihrem Rollenskelett verharren.

Für den Kunstschnee (vielleicht hätte man doch nicht im Frühjahr drehen sollen) oder das Drehbuch, an dem mit Beatrix Christian, Olaf Kraemer und Federica Pontremoli gleich drei Autoren mitgeschrieben haben, blieb offenbar ebenfalls kein Budget mehr übrig. Hölzerne Dialoge, Anschlussfehler und die dürftige Atmosphäre sind dabei noch die kleineren Probleme. Das weitaus größere sind die Längen, die der Zweiteiler mitbringt. Dass man einen 480 Seiten starken Thriller nicht in einen klassischen Fernsehfilm packen mag – verständlich. Entscheidet man sich jedoch dafür, ihn in drei Stunden zu erzählen, so sollte man auch etwas zu erzählen haben.

Dabei liegen die vielen mauen Momente auch daran, dass sich die Autoren offensichtlich nicht entscheiden konnten, was aus dem Stoff denn nun zu machen sei: ein Thriller oder ein Familiendrama. Ein Zwitter wäre durchaus möglich gewesen, hätte man auf ein Gleichgewicht in der Besetzung geachtet. So aber bekommt die Geschichte der Oxenfords durch Sophie von Kessel als großartig neurotische Nervensäge Olga oder Tom Schilling als verletzter und verzweifelter Sohn derart Schlagseite, dass der Film kippt, ohne vom zweiten Handlungsstrang und seinen Darstellern wieder ins Gleichgewicht gebracht zu werden.

Es pilchert gewaltig

Vor allem aber ist es weder der Regie von Peter Keglevic, noch der Kamera von Theo Bierkens oder dem Schnitt von Barbara von Weitershausen und Moune Barius gelungen, die flotte Vorlage auch nur annähernd griffig umzusetzen. Dazu kommt ein trivialer Soundtrack, der bereits mit der Titelmusik eher an 80er-Jahre-Serien erinnert, denn an einen modernen Thriller. Da pilchert es schon gewaltig, wenn zu Beginn Schottlands Küste vorbeizieht, und fast wünscht man sich zwischendurch, dass gleich ein schnieker junger Nachwuchs-Lord im Angora-Sweater mit seinem jagdgrünen Landrover vorbeikommt und dem Spuk ein Ende macht. Doch der kommt nicht.

Nur eines sei sicher, schrieb der Guardian seinerzeit über Whiteout, «everybody's Christmas is ruined», Weihnachten sei für jeden ruiniert. Das nun gilt für die Verfilmung gottlob nicht, das ZDF hat gut daran getan, den Zweiteiler nicht über die Feiertage auszustrahlen. Stattdessen läuft die Produktion heute gegen ProSiebens Gonger 2 – Das Böse kehrt zurück, was kaum ernsthafte Konkurrenz sein dürfte, am Mittwoch dafür sucht Dieter Bohlen gleichzeitig wieder den nächsten Superstar. Auch daraus wird der Sender lernen müssen, wenn er die nächsten Projekte angeht. Für sechs Follett-Romane immerhin (den größten Brocken, Die Säulen der Erde, hat man Sat.1 überlassen) hat man in Mainz die Rechte erworben, in Kürze sollen Die Pfeiler der Macht verfilmt werden. Wenigstens aber bekommt das ZDF da kein Problem mit dem Schnee. Der historische Roman spielt im Hochsommer.

Ken Follets Eisfieber, heute und Mittwoch, jeweils 20.15 Uhr, ZDF

nak/news.de
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