Ein Querkopf in der Glitzerwelt
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Von news.de-Redakteurin Anne Meyer-Gatermann
Artikel vom 29.05.2010
Drogen, Sex, Gewalt und Rock'n'Roll: Langweilig war das Leben von Dennis Hopper nicht, der Querkopf legte sich mit Frauen und Freunden an. Nun ist der Hollywood-Schaupieler im Alter von 74 Jahren gestorben.
Ein Bild hat sich in unser Gedächtnis gebrannt und dort wird es auch bleiben: Dennis Hopper mit Sonnenbrille und flatternden Fransen auf der Harley. Keiner brauste so lässig über die Route 66. Dazu der wummernde Beat des Steppenwolf-Songs Born to be wild.
Der Film Easy Rider ist das Glanzstück seiner Karriere und der Titelsong passt zu Hopper wie die Lederjacke zum Biker. Zahm ist er nämlich nie gewesen: Jede Menge Drogen, Sex, Gewalt und Rock'n'Roll rankten sich um sein Leben. «Ich rannte mit Waffen herum, schoss wie wild um mich und war dermaßen betrunken, dass ich den Verstand verloren hatte», verriet er im Dezember 2009 der Kunstzeitschrift art über seine wilden Zeiten.
Hopper hing mit James Dean rum und schaffte es gleich am Anfang seiner Schauspielerkarriere auf die «schwarze Liste Hollywoods»: Weil er sich bei den Dreharbeiten zu Schieß zurück, Cowboy mit dem Regisseur Henry Hathaway angelegt hatte. Weil er andere Vorstellungen von seiner Rolle hatte als der Regisseur, galt Hopper fortan als schwierig und wurde nicht mehr engagiert. «Ich habe Hollywood verzweifelt bekämpft, weil ich kreative Freiheit wollte. Aber ich war nicht in der Position eines James Dean, eines Marlon Brando oder eines Montgomery Clift», sagte Hopper 2001 in einem Interview mit Spiegel Online.
Rehabilitation durch Easy Rider
Mit 18 Jahren kam Hopper, der in Doge City im Bundesstaat Kansas geboren wurde, nach Hollywood. Alles fing ganz gut an, denn er bekam Nebenrollen in Filmen wie ... denn sie wissen nicht, was sie tun oder Giant. Dann starb sein Freund James Dean und Hopper war erschüttert. Drei Jahre später, nach dem Vorfall mit Hathaway, musste sich Hopper erst einmal eine neue Einnahmequelle suchen: Er zog nach New York und ergatterte Rollen beim Theater und Fernsehen, außerdem begann er, für die Vogue zu fotografieren.
Die Fotografie und auch die Malerei sollten sein Leben lang neben der Schauspielerei eine wichtige Rolle spielen. Ausstellungen in Berlin und Bremen würdigten seine Porträtfotos und das Österreichische Museum für angewandte Kunst in Wien zeigte 2001 eine Retrospektive mit 200 Gemälden, Fotografien, Assemblagen und Filmausschnitten. Hopper selbst besaß eine beeindruckende Sammlung moderner Kunst.
Eine der wichtigsten Stationen seines Lebens jedoch war zweifelsfrei der Film Easy Rider. Der Streifen war sein erster eigener Film, Hopper war Hauptdarsteller und Koautor. Das Wagnis hat sich gelohnt: Die Produktionskosten von 400.000 Dollar holte der Streifen mühelos wieder rein – Easy Rider wurde zum Kultfilm der Hippie-Bewegung und spielte mehr als 50 Millionen Dollar ein. Neben dem finanziellen Erfolg konnte Hopper mit Easy Rider auch seinen Ruf als Schauspieler wieder rehabilitieren. Sternstunden seiner Karriere folgten: Mad Dog, Der amerikanische Freund von Wim Wenders, der Anti-Kriegsfilm Apocalypse Now, Basquiat von Julian Schnabel, Waterworld und Speed. Für seine Rolle in Freiwurf erhielt Hopper eine Oscar-Nominierung, mit der Rolle eines Sadisten in David Lynchs Blue Velvet sorgte er für großes Aufsehen. Insgesamt hat Hopper über 140 Filme gedreht.
«Es fällt mir schwer, Beziehungen zu pflegen»
Auch sein Privatleben war kein Spaziergang. Als Hippie experimentierte er mit Drogen und freier Liebe, beides sollte ihn lange nicht los lassen. Er entwickelte eine schwere Drogen- und Alkoholsucht und innerhalb von fünf Jahren war er dreimal verheiratet, von Michelle Phillips ließ er sich schon nach einer Woche wieder scheiden. Insgesamt trat Hopper fünfmal in seinem Leben vor den Altar und sagte «Ja». Drogen und Alkohol schwor er Anfang der 1980er Jahre ab, seit 1996 war er mit Schauspielerin Victoria Duffy verheiratet. Doch noch auf dem Sterbebett lieferte sich Hopper mit ihr einen erbitterten Rosenkrieg und reichte die Scheidung ein. Es wird gemunkelt, der Grund seien Erbstreitigkeiten.
Auch Freundschaften waren immer ein schwieriges Thema für den Eigenbrödler. Auf die Frage der Vanity Fair, wie viele Freunde er habe, antwortet Hopper: «Drei oder vier. Es fällt mir schwer, Beziehungen zu pflegen. Ich schreibe keine Briefe, telefoniere kaum.»
Mit Peter Fonda, seinem Kompagnon in Easy Rider, hat er sich überworfen, die beiden haben jahrelang kein Wort mehr miteinander gewechselt: «Nicht in diesem Leben. Das hoffe ich zumindest. Der Typ hat mich verklagt und mir viel Geld abgenommen. Dabei habe ich dafür gesorgt, dass er in diesem Film gut aussieht», sagte er der Vanity Fair verbittert.
Im Oktober 2009 hatte Hopper bekannt gegeben, dass er an Prostatakrebs leide, Anfang dieses Jahres teilte er der Öffentlichkeit mit, dass er sich auf den Tod vorbereite. Die letzten Wochen seines Lebens verbrachte er im engsten Familien- und Freundeskreis in einer Klinik in Los Angeles. Dennis Hopper ist heute im Alter von 74 Jahren gestorben.
bla/news.de
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