Die Geister, die sie rief
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Von news.de-Redakteur Sebastian Haak
Artikel vom 25.01.2010
Da bemühte sich Anne Will mal wieder, ein komplexes Thema für uns alle verständlich zu machen - und wieder ist es nicht gelungen. Die Debatte über Leiharbeit verlief entlang bekannter Fronten. Aber trumpfte mit einer Einsicht auf.
Die Frau mit dem ausgeblichenen Haar hat man schon mal irgendwo gesehen. Im Fernsehen. Als eine große Debatte losbrach, weil sie den ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush mit Hitler verglichen haben sollte. Der Vergleich war nicht gerade eine ihrer größten Stunden. Ihr Auftritt bei Anne Will auch nicht. Aber sie war mal wieder im Fernsehen. Die unscheinbare und inzwischen ehemalige Bundesjustizministerin und Bundestagsabgeordnete Herta Däubler-Gmelin (SPD) war die interessanteste Person im nicht gerade illustren Kreis der Gäste, die am Sonntagabend bei Anne Will über Sinn und Unsinn, Gebrauch und Missbrauch von Leiharbeit diskutierten.
Als Ministerin wirkte sie an den Grundzügen des aktuellen Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes mit, das die gesetzliche Grundlage für Leiharbeit ist. Überspitzt ausgedrückt: Erst Herta «die Zahlen stammen aus der Prawda» Däubler-Gmelin hat den Leiharbeitsskandal von Schlecker möglich gemacht. Und in Anne Wills Ersatz-Parlament der Republik? Da ging die Sozialdemokratin so unbeschwert gegen ihr eigenes Gesetz auf die Barrikaden, dass der unvoreingenommene Zuschauer meinen konnte, sie habe schon immer in der Opposition gesessen – wäre da nicht mit dem Opener der kurze Hinweis, gekommen, Däubler-Gmelin sehe inzwischen selbstkritisch ein, Missbrauch bei der Leiharbeit im Gesetz nicht von vorneherein ausgeschlossen zu haben.
So ließe sich anhand der 60-minütigen Debatte über die Zustände am Arbeitsmarkt viel schreiben - über das neue Rollenverständnis der SPD seit ihrem Gang in die Opposition, wo sich die Partei nicht nur mit der Afghanistan-Debatte zunehmend von vielem verabschiedet, was sie in den Schröder-Jahren vor sich her getragen hatte.
Aber damit schriebe man wohl genauso ziellos vor sich hin, wie Anne Will und die Vorgeladenen ziellos durch die Welt der Leiharbeit debattierten.
Wer es positiv sehen möchte, darf festhalten, dass die Pro-Leiharbeiter Florian «der atmende Arbeitsmarkt» Gerster, Ex-Chef der Bundesagentur für Arbeit und inzwischen Präsident des Arbeitgeberverbands Neue Brief- und Zustelldienste, und Peter «ich beschäftige Mit- und keine Leiharbeiter» Mumme, Präsident des Arbeitgeberverbandes Mittelständischer Personaldienstleister, sowie deren Gegner - farblose Gewerkschaftler und eine Betriebsrätin - zwar das große Feld Leiharbeit abzustecken versuchten. Aber wer einen kritischen Blick riskiert, muss zu dem Ergebnis kommen, dass sich alle zusammen und doch jeder für sich in der Realität der Leiharbeit verliefen.
Stellungskrieg
Sicher, der nicht zu leugnende Missbrauch von Leiharbeit zum Beispiel im Handel war ebenso Thema der Sendung wie der nicht zu leugnende Nutzen der Arbeitnehmerüberlassung in der Industrie. Ganz kurz schein-debattierte die Runde über die vermeintlich richtige Entlohnung der Leiharbeiter, angetrieben vom Beispiel eines 26-jährigen Realschulabsolventen, der - ohne bisher eine Ausbildung gemacht zu haben - seiner Freiheit in der Arbeitslosigkeit einem Job beim Postdienstleister TNT vorzieht. (Dass er da mit 7,60 Euro mehr verdiente als von den Gewerkschaften bislang als Mindestlohn gefordert, störte die Arbeitnehmervertreter nicht sichtbar.) Und schließlich kam auch der Einspieler, der uns daran erinnerte, dass wir alle miese Arbeitsbedingungen fördern, wenn wir noch billiger und billiger und billiger einkaufen wollen. Wo aber war der Tiefgang? Wo waren Argumente und Gegenargumente zu einer der vielen Facetten von Leiharbeit? Wo war die Botschaft?
Während sich die Lobbyisten von Arbeitnehmern und Arbeitgebern den aus so vielen Polit-Talkshows bekannten Stellungskrieg lieferten, war es deshalb nur Herta Däubler-Gmelin, die überhaupt etwas einbrachte. Eine Botschaft. Unterschwellig. Sie machte die Sendung wenigstens ein bisschen interessant. Message der Professorin, die auf ihrer Abgeordneten-Seite im Internet ihre 28 Lieblingsrezepte verrät: Mit der Leiharbeit hat die deutsche Politik einen Geist gerufen, den sie nicht wieder los wird.
Das Thema Leiharbeit ist einfach zu groß für 60 Minuten Fernsehen.
twa/reu/news.de
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Eigentlich ein Thema für die Wirtschaft:Leiharbeit-eine gute Sache- müsste man meinen.Aber nur, wenn der Lohn stimmt und an den tariflichen Mindestlohn angepasst ist.Ganz wichtig wäre auch eine zeitliche Komponente die in den Arbeitsvertrag unbedingt hineingehört.Außerdem wäre eine Option auf Übernahme ins geregelte Voll/Teilzeit-Erwerbsleben angemessen!Das ganze muß natürlich von der BA kontrolliert u.überwacht werden-sonst kommen ala Schlecker solche ungewünschten Auswüchse heraus!Merke-die meisten Unternehmer sind "Sozialpartner" nur in der Werbung- in der Praxis aber Ausbeuter!
jetzt antwortenKommentar meldenleiharbeit... ausbeutung oder hilfe ? es kann beides sein. doch wenn der mumme sagt die wären zu oft krank.. dann braucht seine firma leiharbeiter und keinen druck !! firmen die schnelle aufträge abarbeiten möchten, ok. schlecker etc. nicht o.k. die damen merkel, von der leyen etc.: MINDESTLOHN für ALLE !!! schützt vor MISSBRAUCH: dann aber die scheinselbstständigkeit bekämpfen !!! sonst werden an in die unabhängigkeit entlassen. selbstverantwortung nennt das fdp. das führt zu 3 klassen wie gewollt. wie früher vpr bismarck oder unter bush oder in dr 2.3.welt !! FREIHEIT um jeden Preis, den der armut HERR WESTERWELLE, herr BRÜDERLE !!!!!!!!!!!!!!!
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