Fan 2.0
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Von Nadine Emmerich
Artikel vom 24.01.2010
Mit immer neuen Ideen lassen Bands ihre Fans am künslerischen Prozess teilhaben. Das neue Modell soll aber nicht nur der Verkaufsförderung, sondern auch der kreativen Bereicherung dienen.
Auf dem neuen Album der US-Rockband 30 Seconds to Mars singt nicht nur Frontmann Jared Leto. Mehr als 2000 Fans wurden 2009 laut Plattenfirma EMI Music nach Los Angeles eingeladen, um Chor und Gesang für die neue Platte This is War aufzunehmen. Später wurde das Treffen in Australien, Italien, Deutschland, Frankreich, Japan, Mexiko, England und Kanada wiederholt. Über Twitter konnten Fans auch zuhause aufgenommene Töne beisteuern. Die Aufnahmen flossen komplett in die Produktion ein. Ferner konnten die Fans auf der Band-Website Fotos hochladen, die für das Cover genutzt wurden.
30 Seconds to Mars stehen mit dieser Aktion nicht allein da. Immer mehr Bands lassen ihre Fans mitsingen. So rief kürzlich auch die US-Band Sick of it All zum Mitmachen auf. Sie verloste einen Besuch in ihrem Studio in Dänemark, wo die Gewinner die Backing-Vocals für einen Song auf der neuen Platte einsingen konnten. Und auch Schlagersängerin Nicole ließ beim Open-Air-Konzert in Saarlouis den Refrain eines neuen Songs von Fans einstudieren und singen, um den Chor dann für ihre neue Platte zu nutzen.
Nicht immer geht es ums Mitsingen, aber dennoch um die aktive Beteiligung der Fans. So riefen Bon Jovi ihre Fans dazu auf, sich mit eigenen Videoclips über ihre Heimatstadt in die anstehenden Livekonzerte der Band einzubringen. Die Videos wurden für jede Stadt immer wieder neu zusammen geschnitten und auf Leinwänden während der Shows der «Lost Highway Tour 2008» gezeigt.
Nicht nur Verkaufsförderung
Die österreichische Sängerin Christina Stürmer verloste ein Konzert in einer von Fans gewählten Stadt. Um zu gewinnen, mussten die Teilnehmer nachweisen, dass in ihrer Stadt die meisten Fans seien und begründen, warum Stürmer bei Ihnen auftreten solle. Die Sängerin Clara vergibt aktuell eine Rolle in ihrem nächsten Video: Fans müssen sich dazu verkleiden, den Song Carnival In Germany singen, tanzen und das Ganze dann auf YouTube hochladen.
Der Geschäftsführer der Popakademie Baden-Württemberg, Hubert Wandjo, sieht die enge Beteiligung der Hörer indes nicht nur als Mittel zur Fanbindung, um schlussendlich mehr Musik zu verkaufen. «Auf diesem Weg können auch die kreativen Prozesse befruchtet werden», sagte Wandjo. Viele Fans seien selbst Musiker und könnten durch ihre Mitwirkung einen künstlerischen Beitrag leisten.
Dank Web 2.0 hätten Bands inzwischen zahlreiche Möglichkeiten, Fans unkompliziert einzubinden und so interessante Inhalte zu erstellen, sagte Wandjo. «Gerade die junge Generation geht nicht mit dem Marketingauge an die Sache ran, für sie ist das gelernte und verinnerlichte Verhaltensweise im Umgang mit Popmusik und deren Künstlern.»
Nach Ansicht des Experten wird es künftig «Standard» für Künstler sein, sich mit ihren Fans so nah auseinanderzusetzen. «Fanbindungen werden dadurch sehr viel intensiver», sagte er. Etliche Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen bezögen ihre Konsumenten ähnlich in die Produktgestaltung ein.
Mit Blick auf zukünftige Entwicklungen sagte Wandjo: «Nachdem die Fans bereits in Produktion und Promotion eingebunden werden, gibt es noch die durchaus lukrative Möglichkeit, sie am Vertrieb zu beteiligen.»
tfa/bla/news.de/ddp
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