So., 27.05.12

Google 23.01.2010 Entzauberung im Testlabor

Google Lego (Foto)
Google ist so einfach wie Lego, technologisch aber nicht zwingend besser als die Scuhmaschinen-Konkurrenz. Bild: manfrys/CC-BY-SA

Von news.de-Mitarbeiterin Denise Peikert

Wer in Deutschland etwas im Web sucht, tut das bei Google: Das Unternehmen beherrscht 90 Prozent des Suchmaschinenmarktes. Wie genau Google funktioniert – darüber schweigt der Konzern. Und befeuert so die Mythen seiner Überlegenheit.

Die Frage ist kurz und immer dieselbe: Ist es ein ernsthafter Google-Konkurrent? Sie wurde gestellt beim Start der mathematischen Aggregationsmaschine WolframAlpha, bei Bing von Microsoft und bei Cuil, die sich im Juli 2008 mit der Ankündigung, mehr Seiten als jeder andere Anbieter zu durchsuchen, gleich selbst zum potentiellen Google-Konkurrenten stilisierte.

Die Frage tut so, als sei Googles Marktmacht nur zu brechen, wenn eine Suchmaschine technologisch sehr viel besser wäre als Google. Dabei sind die Mythen um den wundersamen Google-Algorithmus vielmehr ein Produkt der Geheimniskrämerei des Konzerns als das einer tatsächlichen Überlegenheit.

Seit 2006 untersucht Professor Dirk Lewandowski von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg die Qualität der Ergebnisse verschiedener Suchmaschinen. Einen großen Unterschied hat er seitdem nicht erkannt. Mal liegt Yahoo vorn, zur Zeit ist Google ein bisschen besser. «Wenn Sie statt Google Yahoo benutzen, dann fahren Sie damit im Allgemeinen genauso gut», sagt Lewandowski.

Trotzdem kann Google sein Image von der Über-Suchmaschine mühelos halten. Grund dafür ist auch eine äußerst gelungene Selbstinszenierung: 1997 meldeten die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin ihren Pagerank-Algorithmus zum Patent an – der qualitative Ritterschlag für jede Erfindung und der Grundstein dafür, dass der Weg zu einer für Suchmaschinen optimierten Webseite heute eigentlich nur über Googles Pagerank geht. Dieser Algorithmus misst die Wahrscheinlichkeit, wie relevant eine bestimmte Seite für den User sein wird. Er basiert auf einer Korrelation zwischen der Anzahl der Links, die auf eine Seite führen und der Bedeutung der Seite, von der der Link kommt.

Google
Die digitale Apokalypse kommt nicht
Video: news.de

Gar nicht so geheimnisvoll: Faktoren für Googles Erfolg

Tatsächlich war der Pagerank und die Idee, nicht allein die Anzahl von Verweisen sondern auch deren Qualität zu messen, genial und revolutionär - zumindest Ende der 1990er Jahre. Neben dem Pagerank aber bestimmen nach Angaben von Google 200 weitere Kriterien die Relevanz von Seiten. Welche das sind, ist geheim. Nur, dass sie ständig weiterentwickelt werden, darf jeder wissen.

Lewandowski beeindruckt die angebliche Komplexität des Google-Algorithmus nur wenig. «Eigentlich lassen sich die Kriterien, nach denen Webseiten durchsucht werden, auf vier wirklich relevante herunterbrechen», sagt er und zählt auf:

• der Abgleich zwischen Suchwörtern und den Inhalten einer Webseite
• die Popularität einer Webseite
• die Aktualität einer Webseite
• das geographische Umfeld der Webseite, zum Beispiel, ob sie aus dem selben Land wie der Nutzer kommt

Diese Suchkriterien sind nicht Google-exklusiv und kein Geheimnis: Bing oder Yahoo nutzen sie genauso. Unterschiede gibt es lediglich in der Gewichtung der einzelnen Kriterien. Hier hat Google zur Zeit zwar einen kleinen Vorsprung, aber der ist im alltäglichen Gebrauch kaum spürbar.

Seit ein paar Wochen begrüßt Googles Startseite den Nutzer in jungfräulichem Weiß – nur Logo und Suchschlitz sind zu sehen. Der Link auf die Bildersuche und andere Funktionen werden erst nach der ersten Mausbewegung langsam sichtbar. Eine nette Spielerei, die den pragmatischen Google-Minimalismus symbolisiert, zu dem auch die schnelle und einfache Suche gehört. Ein weicher Erfolgsfaktor, der die Nutzer überzeugt, ohne einen messbaren Vorteil zu bringen. «In unseren Tests entscheiden sich die Leute am Ende immer für Google. Auch wenn sie gesehen haben, dass dieselben Anfragen bei unterschiedlichen Suchmaschinen ebenso gute Ergebnisse liefern», sagt auch Lewandowski.

Ein wirklich schlagendes Argument für Googles Erfolg ist die Hardware: Wie viele Server der Konzern weltweit genau betreibt, ist nicht bekannt. 2008 sprachen Schätzungen davon, dass es etwa zwei Millionen sein müssten. Google macht fast 24 Milliarden Dollar Umsatz im Jahr, kann seine Serverleistung mühelos dem wachsenden Volumen des Webs anpassen. Und zwar nicht nur aus finanzieller Sicht: Die Google-Server sind auch technisch so gebaut, dass sie unbegrenzt erweitert werden können.

Dennoch: Allein aus technologischer Sicht ist der Vorsprung Googles auf dem Suchmaschinenmarkt nicht zu erklären. Größeren Anteil daran müssen Faktoren wie die Bekanntheit der Marke, die Gewohnheit der Nutzer, die Vorinstallation der Google-Suche in Browsern wie Firefox und sicher auch Zusatzangebote wie Google Maps haben.

Und eines hat ganz bestimmt auch nicht geschadet: Firmengrüner Larry Page wird seitens Google eifrig als Genie inszeniert. So ist der Pagerank-Algorithmus nicht nur unbescheiden nach Page selbst benannt. Über ihn ist bei Google auch die gut platzierte Anekdote zu lesen, dass er während seines Studiums das Kunstück vollbrachte, einen Tintenstrahldrucker aus Legosteinen zu bauen.

bla/news.de
Leserkommentare (1) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • AltrenativCinch
  • Kommentar 1
  • 28.01.2010 10:52
 

Trotzdem kann Google sein Image von der Über-Suchmaschine mühelos halten. Grund dafür ist auch eine äußerst gelungene Selbstinszenierung. Nein! - Meines Erachtens ist der entscheidende Vorteil von google... die in Frage stellende Funktion: "Meinten Sie: xy" ? Im Pisa-Zeitalter ist dies einfach Platin wert!

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