So., 27.05.12

Zukunft der Presse (5) 21.01.2010 Wann macht es klick?

Konstantin Neven DuMont (Foto)
Der Verleger Konstantin Neven DuMont. Bild: dpa

Von news.de-Redakteur Florian Blaschke

«Paid Content ist kriegsentscheidend,» sagt Verleger Konstantin Neven DuMont. Und deshalb plant er auch mit anderen Verlagen eine gemeinsame Lösung für bezahlten Journalismus im Netz.

Die Welt von Konstantin Neven DuMont, Verleger aus Köln, klingt herrlich einfach: Man nehme ein paar Zeitungen, nutze die Synergien, die durch Zusammenarbeit entstehen, spare dadurch auf der einen Seite ein wenig Personal ein und stelle auf der anderen Seite einige Mitarbeiter für investigativen Journalismus frei. Das Ergebnis: Geld gespart, Qualität erhöht, Recherche gefördert.

Neven DuMont, 40-jähriger Spross der Kölner Verlegerfamilie, scheint sich das gut überlegt zu haben. Lauter kleine Wallraffs würde sich der Vorstand der Mediengruppe M. DuMont Schauberg (u. a. Kölner Stadtanzeiger, Berliner Zeitung, Hamburger Morgenpost, Frankfurter Rundschau, Express, Mitteldeutsche Zeitung) gerne heranzüchten. Und im Rücken hätte er auch gleich noch seinen Konzern, der ihm helfen würde, die Geschichten, die diese Journalisten herbeischaffen, unters Volk zu bringen. Denn Geschichten, die etwas verändern wollen, müssten zukünftig multipliziert werden, sagt DuMont.

DuMont als Vertreter auch der Lokal- und Regionalpresse ist der letzte in einer Reihe prominenter Medienmacher, der Leipziger Journalisten seine Vorstellungen vom Journalismus der Zukunft näherbringen darf. Und die lassen sich auf einige wenige Punkte zusammenfassen: Werbefinanzierte Medien bergen die Gefahr, oberflächlich und beeinflussbar zu werden, bei Blogs gibt es keine Qualitätskontrolle, Stiftungsmodelle sind auch nicht die Rettung. Also bleibt nur eines: «Der Endkunde sollte die Arbeit der Journalisten entlohnen».

Ein, zwei oder drei Cent pro Artikel

Dass das im Internet mit jedem Tag schwieriger wird, ist eine Binsenweisheit. Doch DuMont hat eine Lösung parat. Er will gemeinsam mit anderen Verlagen eine plattformübergreifende Registrierung entwickeln, die die Bezahlung von Online-Inhalten verschiedenster Anbieter ermöglichen soll. «Mit einem Klick.» Das Feedback bisher sei positiv, in Kürze werde man sich treffen und die weiteren Schritte beraten.

Auch diese Idee ist nicht neu, und noch vor einigen Jahren hatte Neven DuMont selbst sogar schon einmal eine Zahl in den Ring geworfen: 30 Cent. Pro Artikel. Das, so sagt er heute, sei ein Fehler gewesen. Ein, zwei oder drei Cent seien vielleicht realistisch, erst einmal gehe es vor allem darum, beim Konsumenten ein Bewusstsein zu entwickeln. Auf jeden Fall sei Paid Content «kriegsentscheidend».

Wofür man auch in Zukunft kein Geld verlangen könne, seien die Nachrichten, die er als Commodity News bezeichnet: Agenturmeldungen, PR oder interessengesteuerte Nachrichten. Doch alles Selbstrecherchierte, alles Investigative, alles, womit sich ein Medium ein Alleinstellungsmerkmal sichern könne, werde in Zukunft nur noch gegen Geld zu haben sein.

«Unsere Lösung kann nur die Flucht in die Qualität sein»

Womit wir wieder am Anfang wären. Denn für diesen Journalismus braucht es Zeit und Geld. Zeit, die viele Journalisten heute nicht mehr haben, Geld, das den meisten Verlegern fehlt. Also doch das System DuMont? Einsparen und zusammenlegen, um die Qualität zu sichern? Auch für seine überregionalen Titel könne er sich Kooperationen durchaus vorstellen, sagt DuMont. Diese aber behielten auf jeden Fall ihre Vollredaktionen, kündigt er an.

So recht war auch bei DuMont keine Vision zu spüren, wie der Journalismus der Zukunft aussehen könnte. Stattdessen: Viel Politik, viel Altbekanntes und so manche Floskel: «Unsere Lösung kann nur die Flucht in die Qualität sein», etwa. Und die Erkenntnis, dass auch das Haus DuMont nicht an eine werbefinanzierte Zukunft der Medien glaubt. Die Netzeitung, vor knapp einem Jahr zusammen mit der Mecom-Grupe von DuMont übernommen, sei da das beste Beispiel, eines, das ihm auch leid tue. «Man kann uns da vielleicht auch vorwerfen, einfach kein ordentliches Geschäftsmodell entworfen zu haben», sagt er und überlegt kurz. «Ja, kann man machen.»

Der Vortrag von Konstantin Neven DuMont war Teil 5 einer Ringvorlesung der Leipziger Universität. Der Termin mit Nikolaus Brender findet nicht statt.

bla/san/nbr/news.de
Leserkommentare (1) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Salzstange
  • Kommentar 1
  • 21.01.2010 15:14
 

Der Link zu Stefan Niggemeier fasst die Person KNdM sehr gut zusammen. Danke dafür.

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