Von news.de-Redakteur Christian Vock
Sie sind jung und brauchen das Blut. Die modernen Vampire haben nur noch wenig mit den finsteren Flattermännern vergangener Tage zu tun. Die Blutsauger der neuen Serie Vampire Diaries auf ProSieben sind Teenie-Idole.
Spricht man in diesen Tagen über Vampire, dann geht es nicht mehr um alte Herren mit grauen Haaren, die ein wenig muffig aussehen. Der Vampir von heute hat mit Dracula und Co. nur noch wenig gemeinsam: Ein Kreuz kann einem modernen Vampir nichts mehr anhaben. Religion ist out, da geht es ihm wie seinem menschlichen Pendant. Die Sperrstunde für einen Blutsauger der alten Schule war noch der Sonnenaufgang. Inzwischen zeugt nur noch der kränkliche Teint von den Zeiten als lichtscheue Nachtfalter, und wo früher noch Umhang angesagt war, trägt man heute ganz casual Jeans und Sneaker.
Zarte Zurückhaltung
Vorbei also die Zeiten, als Max Schreck, Klaus Kinski oder Christopher Lee noch für schlaflose Nächte sorgten. Ihre Erben sind zu Teenie-Idolen mutiert. Die Amerikanerin Stephenie Meyer hat mit den Verfilmungen ihrer Twilight-Romane eine Lawine losgetreten, die zuerst die amerikanischen Jugendzimmer überrollte und inzwischen sämtliche westliche Teenies verzückt. Angesichts der anstehenden Fortsetzungen ist noch nicht abzusehen, wann diese Lawine zum Stehen kommen wird.
Bereits 1991 hat die amerikanische Autorin L.J. (Lisa Jane) Smith den Vampirhelden ihrer Romantrilogie The Vampire Diaries einen neuen Anstrich verpasst. Auch beim Teenie-Straßenfeger Buffy und seinem Ableger Angel waren Vampire nicht mehr ausnahmslos finstere Bösewichte. Liebeleien zwischen Mensch und Vampir gehörten zum festen Bestandteil der Serien. Vampire betraten den gesellschaftlichen Boden nicht mehr nur des Blutsaugens wegen. Ein Phänomen, das man fast nirgendwo besser sehen konnte als in der Verfilmung von Anne Rices Interview mit einem Vampir mit Brad Pitt, der sich im Laufe der Jahrhunderte dem Wandel der Zeit unterwerfen musste, um zu «überleben».
Und auch bei Vampire Diaries verschwinden die Grenzen zwischen Gut und Böse. Der einstige Schrecken der Nacht ist zu einem harmlosen Schönling geworden. Gefährlich ist er nur noch für die Herzen der Teenager, nicht mehr für deren Halsschlagader, und Knoblauch meidet er nur noch, weil das bei einem Date eher abtörnend ist.
Doch die erotische Komponente, die von jeher dem Vampirgenre zu eigen war, wird in Vampire Diaries allenfalls angedeutet. Mit seiner Zurückhaltung ist die Serie vollkommen auf das jugendliche Publikum zugeschnitten. Die Helden erfüllen das, was sich das jugendliche Mädchenherz wohl von der ersten Liebe erhofft: Romantik, Zärtlichkeit und ein wenig Rebellion. Bisschen knutschen, aber Sex? - Nein, danke. Auch die Handlung ist im Vergleich zu Buffy und Co. eher zahm geraten:
Reden ist das neue Beißen
Das Geschwisterpaar Elena (Nina Dobrev) und Jeremy Gilbert (Steve McQueens Enkel Steven R. McQueen) hat seine Eltern verloren. Elena sucht Trost bei ihren Freunden, ihr Bruder bei den Drogen. An der Schule lernt Elena den mysteriösen Stefan Salvator (Paul Wesley) kennen. Was sie nicht weiß: Stefan und sein Bruder Damon (Ian Sommerhalder) sind Vampire. Doch so einig sich die Brüder in ihrer Zuneigung zu Elena sind, so unterschiedlich sind sie in ihrem Charakter. Stefan versucht gegen seinen Blutdurst anzukämpfen, Damon sieht das entspannter.
Das Gruseln hält sich bei Vampire Diaries in Grenzen, denn selbst die Bösen sind nicht wirklich böse. Genau genommen reden sie sogar mehr, als dass sie beißen. Dementsprechend artet der Bruderkampf nicht in ein Gut gegen Böse, sondern in ein Soft gegen Weniger-Soft aus. Das ist aber völlig in Ordnung so, denn für die Zielgruppe ist auch ansonsten alles angerichtet: Schule, Liebe und gefälliger Popsoundtrack. Für Teenagerherzen wird Vampire Diaries deshalb reichen. Alle, die sich «echte» Vampire mit wirklichem Grusel wünschen, müssen auf den nächsten Vampirboom warten. Der fällt dann vielleicht wieder etwas weniger soft aus. Kommen wird er auf jeden Fall, denn Vampire sind einfach nicht tot zu kriegen.
Vampire Diaries, ab 20. Januar immer mittwochs, 21.15 Uhr auf ProSieben.
kat/nbr/news.de