So., 12.02.12

«Same Same ...» Und plötzlich ist es Liebe

Artikel vom 19.01.2010

Dabei, so hatte Benjamin Prüfer geschrieben, ist Phnom Penh kein Ort der zärtlichen Küsse. Phnom Penh ist dreckig, arm, Sreykeos Leben eigentlich ein Trümmerhaufen. Die Familie wohnt in «La Building», einem Koloss von Wohnhaus, mit schimmligen Wänden und ohne Fenster, einem «Setzkasten» für Menschen, in dem die Mutter das wenige Geld mit den Nachbarn verzockt und in dem bereits eine Schwester gestorben ist - an HIV.

Nein, das ist kein Ort, sich zu verlieben, schon gar nicht, wenn man Deutscher ist, wie Ben, wenn man aus Hamburg kommt, aus gutem Hause, wenn man eine Karriere vor sich haben könnte und in Kambodscha eigentlich nur mal etwas erleben möchte. Und doch verliebt sich Ben - langsam, Schritt für Schritt gerät er tiefer in Sreykeos Leben, langsam, Schritt für Schritt, lässt sie ihn hinein. Er ist fasziniert von diesem Land, in dem Touristen auf der einen Seite mit Raketenwerfern schießen können und in dem das Koks billig ist, in dem die Menschen aber auch dann noch gastfreundlich sind, wenn sie eigentlich schon nichts mehr haben.

Der Start einer großen Karriere?

Detlef Buck hat lange suchen müssen und gar nicht für seinen Film. David Kross, mit dem er 2006 Knallhart gedreht hat, stand schnell als Hauptdarsteller fest, für Apinya Sakuljaroensuk musste er um die halbe Welt fliegen. Es hat sich gelohnt. Kross, der sich im Laufe seiner noch jungen Karriere stetig zu steigern wusste, hat sich inzwischen eine schauspielerische Selbstverständlichkeit angeeignet, die vergessen lässt, das hier ein erst 19-Jähriger am Werk ist. Er spielt Ben derart authentisch, dass die kurzen Auftritte von Olli Dittrich oder Mario Adorf beinahe wie Satire wirken und drohen, den Zuschauer aus dem Bann der vorangegangen Minuten zu reißen. Und er spielt diesen Jungen mit einer so unverkrampften Leidenschaft, dass man ihm die Antwort auf die Frage, ob jemand mit Anfang 20 bereit für die Liebe seines Lebens sein kann, abnimmt, ohne darüber nachzudenken.

Apinya Sakuljaroensuk, international noch nahezu unbekannt, gelingt an seiner Seite mit ihrer Rolle der Sreykeo kaum weniger. Das bezaubernde Spiel, mit dem sie von der Prostituierten zur Geliebten und schließlich zu einer Frau wird, die an Ben schon provokativ herumzerrt, die Liebe und Geld gleichermaßen fordert, hin- und hergerissen zwischen Sicheinlassen und Weglaufen, lässt auf eine Karriere hoffen, der auch international noch weitere Filme folgen.

Bilder von großartiger Schönheit und ein einnehmender Soundtrack

Mit dem Rest seiner Crew hat Buck ein ebenso gutes Händchen bewiesen, bis hin zu den vermeintlich unwichtigen Nebenrollen, bei denen Jens Harzer als Bens Bruder das deutlichste Profil beweist. Die Kamera von Jana Marsik fängt über die gesamte Länge des Films Bilder von großartiger Schönheit ein und macht, ganz gleich ob im Dämmerlicht des «La Building» oder im Gewühl der kambodschanischen Hauptstadt, Ben und Sreykeo unmissverständlich zum Mittelpunkt. Und: Meist unauffällig entwickelt sie in einigen Szenen eine hypnotische Wirkung, zu der auch der Soundtrack beiträgt, an dem unter anderem Konstantin Gropper, Charlotte Gainsbourg, Rammstein und die belgische Band Vive La Fete beteiligt sind, und der zu den einnehmendsten der vergangenen Jahre gehört.

Einen Wermutstropfen aber bietet Bucks Streifen: die Sprache. Gedreht in Englisch wird den meisten deutschen Zuschauern wohl eine synchronisierte Fassung zugemutet werden, die der Geschichte jedoch - sowohl der Vorlage als auch dem Drehbuch -, die den Schauspielern und dem Zauber dieses Streifens nicht einmal ansatzweise gerecht wird. Und das, obwohl Apinya Sakuljaroensuk die Mühe auf sich genommen hat, diese Synchronisierung selbst einzusprechen - ein Kraftakt. Wo immer aber Same Same But Different in der Originalfassung läuft, wird er Zuschauer finden, die berührt und beglückt sind, einen solchen Film sehen zu dürfen.

Titel: Same Same But Different
Regisseur: Detlef Buck
Hauptdarsteller: David Kross, Apinya Sakuljaroensuk, Stefan Konarske, Jens Harzer, Anne Müller, Olli Dittrich, Mario Adorf
Spielzeit: 104 Minuten
Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 2009
FSK: ab 6 Jahren
Kinostart: 21. Januar 2010

iwe/news.de
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Leserkommentare (1)
  • Kommentar: 1
  • 25.01.2010 16:09
von
Kulturmensch

Ein sehr interessant geschriebener Artikel. Vielleicht werde ich mir diesen Film zu Gemüte führen und schauen, ob ich ähnlicher Meinung bin. Grüße, K.

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