Und plötzlich ist es Liebe
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Von news.de-Redakteur Florian Blaschke
Artikel vom 19.01.2010
Die anrührendsten Drehbücher schreibt das Leben: Detlef Bucks Same Same But Different nach einer wahren Geschichte ist ein ergreifendes Drama um die Liebe mit großartiger Besetzung, beeindruckenden Bildern und einem perfekten Soundtrack.
«Wir sehen uns im nächsten Leben», sagt Sreykeo (Apinya Sakuljaroensuk) noch. Dann wird der Bildschirm dunkel und Ben (David Kross) ist wieder allein. Ben, ihr Freund, ihr Retter, ihr Held. Und doch einer, der all das eigentlich gar nicht sein will. Einer, der nur das Glück hatte, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein und sich zu verlieben. In jener Nacht in dieser heruntergekommenen Diskothek in Phnom Penh, der lärmenden kambodschanischen Hauptstadt, in jener Nacht, in der sich das Leben für immer veränderte. Ein Leben, das nun zu Ende scheint.
Sreykeo, das Mädchen, das damals leise, fast unbemerkt ihren Kopf an seine Schulter gelegt hat, ist HIV-positiv. Nun liegen zwischen ihnen - als wäre alles andere nicht schon genug gewesen - mehr als nur 9000 Kilometer und zwei Kulturen. Noch vor kurzem ließ sich das, was sie gemeinsam haben, in zwei Sätze fassen: «We got to get fucked», hatte Ben zu Sreykeo auf die Frage geantwortet, warum er in Kambodscha sei. «No problem» kam von ihr zurück, und am nächsten Morgen wechselten einige Scheine den Besitzer. So pragmatisch kann das Glück seinen Anfang nehmen.
Bis der Tod sie mir wegnimmt
Nun aber sieht die Welt anders aus. Ben hockt in Hamburg, Sreykeo immer noch in Phnom Penh, er versucht, jeden Cent zusammenzukratzen, um sie und ihre Familie zu unterstützen, sie, die Ex-Prostituierte, hat die Hoffnung bereits aufgegeben. Zu schlecht sind die Aussichten auf gute medizinische Versorgung, zu kräftezehrend eine Fernbeziehung mit ihrem Ben, der noch gar nicht so recht erwachsen ist und doch schon die ganze Last des Lebens tragen soll.
Die Buchvorlage zu dieser Liebe hat Benjamin Prüfer geschrieben. 2003 reist der damals 23-Jährige nach Kambodscha und kehrt mit der großen Liebe im Herzen zurück. Sein Text Bis der Tod sie mir wegnimmt, den er 2006 in der Zeitschrift Neon veröffentlicht, wird ein Jahr später als herausragende Leistung mit dem Axel-Springer-Preis geehrt. Das Buch Wohin du auch gehst erregt internationales Aufsehen. Heute leben er und die echte Sreykeo mit zwei Kindern in Phnom Penh.
Eine Frage des Überlebens
Detlef Buck hat sich dieser Geschichte angenommen und daraus den abendfüllenden Kinofilm Same Same But Different gemacht, ein Drama, das schon im Titel die ganze Zerrissenheit trägt, die das Leben von Ben und Sreykeo ausmacht, und das doch mehr tut, als nur das Buch nachzuerzählen, zwei Schicksale zu schildern. Vor allem rückt Buck die Geschichte weg von der Theatralik, die sich in den vergangenen zwei Jahren über den Stoff gelegt hat, vom Kitsch, der so oft aus einer wahrhaft großen Liebe eine zähe, klebrige Masse macht.
«Es war nur eine Nacht nach der Disko», heißt es im Vorspann von Bis der Tod sie mir wegnimmt. «Daraus wurde zarte Liebe. Und plötzlich eine Frage des Überlebens.» Diese zarte Liebe, die am Anfang gar keine ist, sondern eine Mischung aus Abenteuerlust und Geschäft, die später zu einem vorsichtigen Abtasten wird, zu einem unsicheren Stolpern in das Leben des Anderen, ist der Kitt, der Bucks Film zusammenhält. Dass es da auch noch um HIV geht, dass da auch noch zwei Kulturen aufeinanderprallen, sorgt zwar für Farbe, doch was die 104 Minuten trägt, ist das Gefühl.
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Ein sehr interessant geschriebener Artikel. Vielleicht werde ich mir diesen Film zu Gemüte führen und schauen, ob ich ähnlicher Meinung bin. Grüße, K.
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