So., 27.05.12

Sprachliche Fehlgriffe 19.01.2010 «Betriebsratsverseucht» ist Unwort des Jahres

Betriebsratsverseucht (Foto)
«Betriebsratsverseucht» ist das Unwort des Jahres 2009. Bild: news.de

In Zeiten der Krise entgleist die Wirtschaft auch sprachlich. Nach «notleidende Banken» 2008 wurde mit «betriebsratsverseucht»  wieder ein Begriff aus der Unternehmenswelt zum Unwort des Jahres gewählt.

Wie es hieß, war das Wort in der ARD-Sendung Monitor am 14. Mai vergangenen Jahres verwendet worden. Darin berichtete ein Mitarbeiter einer Baumarktkette, der Begriff werde von Abteilungsleitern benutzt, wenn ein Mitarbeiter von einer Filiale mit Betriebsrat in eine ohne Betriebsrat wechseln wolle. Dort könnte ihm vorgehalten werden, dass sein bisheriges Vertrauen in eine Arbeitnehmervertretung die Einstellung gefährde.

Die Jury erklärte, die Wahrnehmung von Arbeitnehmerinteressen störe zwar viele Unternehmen. Sie als «Seuche» zu bezeichnen, sei indes zumindest ein sprachlicher Tiefpunkt im Umgang mit Lohnabhängigen. Auf den weiteren Plätzen für das Unwort des Jahres kamen die Begriffe «Flüchtlingsbekämpfung», «intelligente Wirksysteme» und als sogenanntes Börsenunwort «Bad Bank».

Von «Flüchtlingsbekämpfung» habe Bundeskanzlerin Angela Merkel auf einem Bürgerforum der Bertelsmann-Stiftung gesprochen. Damit habe sie einen Teil des deutschen Beitrags zum Migrationsproblem benannt, nämlich die Abwehr von Flüchtlingen an Europas Grenzen. Die Jury rügte die damit vorgenommene Gleichsetzung einer Menschengruppe mit einem negativen und deshalb zu bekämpfenden Sachverhalt. Das Wort erinnere an die Bekämpfung von Krankheiten, Seuchen oder Terrorismus und sei «ein dramatischer sprachlicher Fehlgriff».

Das «Unwort des Jahres» wurde zum 19. Mal seit 1991 bestimmt. Hervorgehoben werden damit «sprachliche Missgriffe» aus dem öffentlichen Leben, die im zurückliegenden Jahr besonders negativ aufgefallen sind und möglicherweise ethische Normen verletzt haben. Unwort des Jahres 2008 war «Notleidende Banken».

voc/news.de/ap
Leserkommentare (7) Jetzt Kommentar zum Artikel schreiben
  • Heinz Werner
  • Kommentar 7
  • 20.01.2010 23:09
 Antwort auf Kommentar 5

Außer der Grammatik stört mich bei "ragnaroekr", dass sie/er als Einzige(r) sich nicht mal mit Namen vorstellt! Ob es sich bei dem "Unwort" ursprünglich nur um die Meinung von Abteilungsleitern einer Firma handelt oder nicht, spielt meiner Meinung nach keine Rolle! Es verdeutlicht die heute herrschende "liberale" und mitarbeiterverachtende Einstellung der Manager! Früher fühlten wir uns mit unserer Firma verbunden! Heute sind wir nur noch ein Kosten verursachender Posten, den man möglichst bald gegen weniger "verlangende" Personen austauschen sollte!?

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  • Peter Thorsten
  • Kommentar 6
  • 20.01.2010 15:26
 Antwort auf Kommentar 5

Wer sich mit seiner ganzen geistigen Kapazität pauschalen Verunglimpfungen hingibt, kann sich nicht auch noch mit korrekter Grammatik aufhalten. Das muss warten bis zum Hauptschulabsdchluß. Bis dahin: Rettet dem Genitiv!

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  • ragnaroekr
  • Kommentar 5
  • 20.01.2010 09:40
 

Das Wort gibt die Meinung von Abteilungsleitern eines Unternehmens wider und wird nun einem System unangemessen angelastet. Dies kommt der Aufhetzung gleich. Aber dieser Experte hat schon andere Unwörter kreiert, um seinem Hobby nachgehen zu können. Im Übrigen gilt: Gerade wegen diesen Sprachmanipulationen sind Sozialdemokraten in Deutschland und der Welt so beliebt.

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  • Livia Schuster
  • Kommentar 4
  • 20.01.2010 00:26
  • Heinz Friedrich
  • Kommentar 3
  • 20.01.2010 00:19
 

Herzlichen Glückwunsch! Dank des globalen Liberalismus sind wir im 19. Jahrhundert angelangt! Es lebe das Kapital mit seiner Ausbeutung! In diesem Zusammenhang möchte ich nur auf die Verfassung des Landes NRW vom 28.06.1950 hinweisen, 2. Teil ("Von den Grundrechten und der Ordnung des Gemeinschaftslebens"), 4. Abschnitt ("Arbeit, Wirtschaft und Umwelt"), insbesondere die Artikel 24 bis 28! Hier war sogar das Ahlener Programm der CDU eingeflossen! Man war damals doch fortschrittlicher in Bezug auf Gemeinschaftsleben (incl. Arbeitswelt), als wir es leider heute erleben (müssen!)!

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  • Hubert Rieping
  • Kommentar 2
  • 19.01.2010 15:32
 

Unwort des Jahres "Betriebsratsverseucht" - eine gute Wahl! Hoffentlich trägt sie dazu bei, das gesellschaftliche Klima nachhaltig zu ändern, in dem es entstanden ist. Vor der Ära "Anne Will" wurden sonntagabends z.B. Betriebsräte und Gewerkschafter als tumbe Relikte einer finsteren Vergangenheit vorgeführt, auf die man als neoliberaler Glücksbringer fröhlich eindreschen konnte. Das klatschende Publikum wusste sich im Besitz von ein oder zwei Aktien und damit auf der KapitalenSonnenSeite. Medial läuft jetzt schon einiges anders, inzwischen wird das Kasino renoviert, die reduzierte Steuer macht's möglich! Aus Hannover Hubert Rieping

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  • ragnaroekr
  • Kommentar 1
  • 19.01.2010 15:24
 

Ich kenne nur einen sprachlichen Missgriff: Experte.

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