Von news.de-Mitarbeiterin Karin Geupel
Vier wohlbeleibte Brüder pflegen die konservative Familien-Idylle und zahlreiche harte Männer schauen ihnen jede Woche dabei zu. Bei den Ludolfs wird die eigentliche Handlung auf dem Schrottplatz zur Nebensache. Eine kleine Analyse.
Jeden Mittwoch das gleiche Streitthema, das wohl in so manchem Haushalt die traute Zweisamkeit stört: Die Ludolfs oder Desperate Housewives? Schrottplatz oder noble Vorstadt? Mann will Autos, Frau schicke Männer und Skandale. Manch ein Mann würde da wohl sagen: «Was stellst du dich so an: Bei den Ludolfs kriegst du das doch auch!» Doch was können vier dicke Männern mit fettigen Haaren und ölverschmiertem Blaumann bieten, das es wert ist allwöchentlich einzuschalten?
Die aufregende Story kann es kaum sein, die gibt es schlicht nicht. Anders als bei den parallel laufenden TV-Serien wird hier nicht auf das Drama zum Finale gesetzt, damit die Zuschauer auch in der kommenden Woche wieder einschalten. Im Gegenteil lässt sich jede Folge in etwa so zusammenfassen: Während Manni und Uwe Autos ausschlachten, schläft Geschäftsführer Peter – Spitzname «The Brain» – am Küchentisch ein, und der wortkarge Günter nimmt Telefonate entgegen.
Um hin und wieder etwas Schwung in die Bude, beziehungsweise Handlung in die Sendung zu bringen, fahren Manni, Peter und Uwe in den Wald, um einen Geländewagen zu testen. Oder Manni und Uwe bekommen sich beim Öl-Ablassen in die Haare, woraufhin Manni seine Gartenzwerge beschimpft, die übrigens die Namen seiner Brüder tragen. Das sind dann aber schon die Hoch- beziehungsweise Tief-Punkte der brüderlichen Wohngemeinschaft. Keine Spur von Skandalen, Drogen oder Intrigen.
Irgendwie jedoch sind die vier Männer aus dem Westerwald auch schon wieder putzig. Man(n) schaut gerne dabei zu, wie sie gemeinsam am Tisch ihre in viel Fett gebrutzelten Hähnchenschenkel verputzen und dabei das Bild einer intakten Familie hochhalten, das in so vielen anderen Doku-Soaps immer wieder zerstört wird. Da wird von gemeinsamen Familienausflügen erzählt und davon, wie die Omi ihre Jungs immer mit haufenweise Knoblauch bekocht hat. Und dem Zuschauer könnten dabei schon einmal vor Rührung die Tränen in die Augen steigen. Oder liegt das am Knoblauch? Auch wenn wenn das Geruchsfernsehen noch nicht erfunden wurde?
Aber vielleicht ist das Familien-Idyll, wenn auch mit wenig weiblicher Besetzung, gerade das, was die eigentlich so harten Dmax-Zuschauer so zahlreich vor die Glotze holt? Nicht mehr Sex, sondern Heile Welt sells? Millionen entdecken, dass auch ein einfaches Leben glücklich machen kann und kaufen sich Ludolf-T-Shirts, DVDs und die Ludolfs-Modell-Reihe. Die vier Brüder werden zu Vorbildern, ihre Familie zur Modellfamilie?
Gegen die geballte Macht dieser konservativen Mode-Serie können auch die verzweifelten Hausfrauen nicht ankämpfen. So zieht des Öfteren die Frau den Kürzeren, genießt Schrottplatz-Idyll statt Hochglanzleben. Und hält sich dann doch mit ihrem Liebsten den Bauch vor Lachen, wenn der dicke Peter mal wieder auf seine Schrottberge steigt und davon träumt wie eine Fliege herumschweben zu können.
Die Ludolfs – 4 Brüder auf'm Schrottplatz, immer mittwochs, 20.15 Uhr, Dmax
bla/news.de