Blutrot von Schreck bis Pattinson
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Von news.de-Redakteurin Katharina Schlager
Artikel vom 20.01.2010
Seit die ersten Kameras anrollten, hat es auf den Kinoleinwänden Vampire gegeben. Warum? Weil es sie auch in der Menschheitsgeschichte schon immer gab. Von Max Schreck über Bela Lugosi bis Robert Pattinson - hier sind die berühmtesten Blutsauger.
Jede Kultur hat irgendeine furchterregende Figur vorzuweisen, die ihren Opfern die Lebensenergie aussaugt. Dabei: Es muss nicht immer Blut sein. Erst in der Literatur des 19. Jahrhunderts und in den cineastischen Darstellungen des 20. Jahrhunderts wurde der Vampir etabliert, wie er heute aus der Horrorlandschaft nicht mehr wegzudenken ist. Aber auch da hat der Blutsauger eine Evolution durchgemacht.
Immer wieder haben Vampire im Kino euphorische Trendwellen ausgelöst, um dann eine Weile im Dunkel zu verschwinden und neue Kräfte zu sammeln. Bis zum nächsten Angriff, der seit jeher geprägt ist von einer verführerischen Mischung aus Sex und Tod.
Der derzeit überschwängliche Enthusiasmus für das Genre begann mit züchtigen vegetarischen Vampiren, deren sehnsüchtig verliebter Edward Cullen, gespielt von dem androgynen Robert Pattinson, in der Twilight-Saga die Fans zu wahren Kreischkonzerten inspiriert. Dabei ist der schöne Edward mit der gequälten Seele und dem fast naiven schlechten Gewissen im Vergleich zu seinen cineastischen Vorvätern ein langweiliges Weichei.
Es begann mit Schreck
Am Anfang war Max Schreck. Auch wenn der deutsche Schauspieler 1922 nicht die erste Vampirrolle des noch jungen Kinos übernahm, so gilt er für seinen Auftritt als Graf Orlok in Nosferatu, eine Symphonie des Grauens doch als Urvater des Genres. Dem seltsam hässlichen Mimen verpasste Regisseur F.W. Murnau nur spitze Ohren und Zähnchen. Das reichte, um eine der gruseligsten Gestalten der Filmgeschichte zu schaffen. Schrecks entrückte Darstellung gab noch Jahre später Anlass zu Spekulationen. Der Film Shadow of the Vampire (2000), in dem Willem Dafoe den Schauspieler mimt, stellt die These auf, Schreck selbst sei ein Vampir.
Nosferatu ist zwar die erste Verfilmung von Bram Stockers 1896 erschienenen Erfolgsromans Dracula. Aber weil Stokers Witwe die Rechte nicht herausrücken wollte, musste Murnau alle Namen ändern und später sogar nach einem Gerichtsurteil die Filmrollen vernichten. Zum Glück überlebten Kopien. Wie stark diese von dem Original abweichen, ist nicht bekannt.
Bereits neun Jahre nach dem juristischen Desaster um die Dracula-Rechte trat der Ungar Bela Lugosi die Rolle seines Lebens an. 1931 kam Dracula in die Kinos. Damit war die archetypische Horrorfigur erschaffen, die anschließend nur von Frankensteins Kreatur jemals ernstzunehmende Konkurrenz bekam. Noch heute gilt Lugosis Darstellung als die einzig richtige und Vampirkostüme aus aller Welt orientieren sich an seinem langen schwarzen Umhang.
Das Dracula-Erbe Lugosis trat 1958 Christopher Lee an. Der hochgewachsene Brite schlüpfe bis 1972 sechsmal in die Rolle des Grafen. Nicht alle diese Streifen erfüllen Lee heute noch mit Stolz. Über Blut für Dracula (1966) sagte er, die Dialoge seien so schlecht gewesen, dass er sich geweigert habe, auch nur ein Wort zu sprechen. Die schweigende, zähnebleckende Darstellung Lees wirkt aber nicht nur vor diesem Hintergrund unfreiwillig komisch. Sein Engagement in der Serie trug zum Ende hin so seltsame Früchte wie Dracula jagt Mini-Mädchen, sodass Lee sich in den 1970ern von dem berühmten Beißer verabschiedete.
Zeit für Parodien
Das Genre hatte sich zwischenzeitlich so sehr etabliert, dass es Zeit für eine Parodie war. Roman Polanski schuf mit Tanz der Vampire (1967), in dem er einem gefährlich naherückenden Blutsauger eine Bibel zwischen die Zähne schiebt, einen urkomischen Klassiker, der es auf die Musical-Bühnen geschafft hat.
Auch Liebe auf den ersten Biss (1979) hatte viel Freude daran, den Dracula-Mythos auf die Schippe zu nehmen. Nicht nur, dass der ewig braungebrannte George Hamilton so gar nicht in das Vampir-Klischee passte. Es wurden auch berühmte Zitate ad absurdum geführt und der Graf ganz unelegant vom Sozialismus aus dem Schloss gejagt. Die Turner-Mädchen brauchen schließlich einen Trainingsort. Der Vampir war damit in der Gegenwart angekommen, die ihm und seinen altmodischen Verführungskünsten so gar nicht in den Kram passten. Zwischenzeitlich wurde der Nosferatu-Look in Gestalt von Klaus Kinski noch zweimal (Nosferatu: Phantom der Nacht, 1979 und Nosferatu in Venedig, 1988) aufgewärmt.
In den 1980er Jahren glänzten die Blutsauger im Mainstreamkino durch Abwesenheit. Lediglich Nicolas Cage hielt sich nach einer bissigen Liebesnacht in Vampire's Kiss (1988) für einen Vampir und Kiefer Sutherland macht mit seiner spitzzähnigen Gang in The Lost Boys (1987) das Horrorgenre teeniegerecht unsicher.
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