Von news.de-Redakteur Florian Blaschke
Bei der Handball-Weltmeisterschaft 2007 konnte nicht nur das deutsche Team jubeln. Zusätzlich zum Titel erreichten ARD und ZDF Traumquoten. Ob es die auch bei der EM in Österreich geben wird, hängt maßgeblich von der Leistung der Nationalmannschaft ab.
Einen Abend wie 2007 wird es wohl kaum noch einmal geben. Damals, am 4. Februar, hatten knapp 16,2 Millionen Zuschauer den 29:24-Finalsieg des Teams von Bundestrainer Heiner Brand gegen Polen bei der WM im eigenen Land verfolgt und der ARD einen Marktanteil von 58,3 Prozent beschert. Dabei wurde die deutsche Mannschaft erstmals nach 1978 wieder Weltmeister.
Doch auf ordentliche Quoten dürften sowohl ARD und ZDF, die von heute an alle Spiele der DHB-Auswahl live übertragen, als auch das DSF, das bis zu 32 Spiele ohne deutsche Beteiligung zeigt, hoffen. RTL, das im vergangenen Jahr noch die Handball-Weltmeisterschaft in Kroatien übertragen hatte, ist bei diesem Turnier nicht mit von der Partie.
«Eine Situation, von der wir lange geträumt haben»
Hohe Quoten erreichen die Sender im Handball meist ohnehin nur bei den großen Turnieren. Gemeinsam mit Sportarten wie Eishockey oder Basketball frönte auch der Handball in Bundesligazeiten lange ein Nischendasein im Fernsehen. Erst seit einigen Jahren und vor allem durch den WM-Titel der Männer hat sich das geändert. «Wir haben aktuell eine TV-Situation, von der wir lange geträumt haben», zitierte Der Spiegel 2008 Piet Krebs, damals Geschäftsführer des Hamburger Spitzenklubs HSV Handball. Mit einer festen Magazinsendung am Samstagnachmittag im WDR und NDR, dem wöchentlichen Live-Spiel beim DSF und regelmäßigen Nachberichterstattungen beispielsweise in der Sportschau oder der Sportreportage habe es die Handball-Bundesliga in der Saison 2007/2008 auf eine Reichweite von über 300 Millionen Zuschauern gebracht.
Da jedoch die Quoten der Bundesliga-Übertragungen - im Gegensatz zu Partien der Nationalmannschaft - nicht annähernd den Erwartungen entsprachen, wurde das Magazin-Format in den Dritten zum Ende der vergangenen Saison gestrichen. Zum Beginn der Spielzeit 2009/10 sicherte sich das Deutsche Sport Fernsehen (DSF) die Rechte und überträgt seither bis zu zwei Liga-Spiele pro Woche live. Dazu kommen wöchentlich zwei Magazinsendungen. Damit ist Handball - vor allem die Bundesliga - derzeit so stark im TV präsent wie noch nie zuvor.
Positiv wurde von der Branche auch der Einstieg des namhaften Vermarkters IMG gewertet, der nach eigenen Angaben glaubt, mit dem Handballsport langfristig Geld verdienen zu können. Auch auf die Etats der Bundesligavereine wirkt sich das aus, wie der Spiegel berichtete: Mit durchschnittlich 4,1 Millionen Euro hatte jeder Klub 2008 im Schnitt 700.000 Euro mehr zur Verfügung als in der Vorsaison.
«Beste Einschaltquoten garantiert»
ARD und ZDF hoffen nun, zumindest ähnlich gute Quoten zu erreichen wie bei der Handball-EM vor zwei Jahren in Norwegen. Damals hatten die Partie zwischen Deutschland und Schweden beispielsweise 6,36 Millionen Zuschauer gesehen, der Marktanteil belief sich auf 20,7 Prozent, das Spiel ließ damit alle anderen Sendungen hinter sich. Den Auftakt gegen Weißrussland (ein 34:26-Erfolg) hatten im Schnitt 3,52 Millionen Zuschauer gesehen, was einem Marktanteil von 18,6 Prozent entsprach.
Und so zeigt sich die Werbeabteilung der ARD auch äußerst optimistisch für die EM: «Bei den Live-Übertragungen der deutschen Spiele im Ersten sind beste Einschaltquoten garantiert», heißt es da. Das ZDF baut auf seine Erfahrungen mit der EM 2008, über alle Spielpaarungen hinweg hätten durchschnittlich mehr als fünf Millionen Zuschauer die Liveübertragungen von ARD und ZDF verfolgt.
«Die Mannschaft hat eine verdammt schwierige Gruppe»
Für neuerliche Traumquoten müssten zunächst einmal aber nicht die Zuschauer mitspielen, sondern vor allem das Team von Heiner Brand, das dafür schon über die Vorrunde hinauskommen müsste. Zunächst trifft Deutschland heute in Innsbruck auf Polen (18.30 Uhr/ZDF), am Mittwoch wartet Slowenien (18.30 Uhr/ZDF), Freitag geht es gegen Schweden (18.30 Uhr/Das Erste). Das Finale am 31. Januar (17.30 Uhr) wird auf jeden Fall ebenfalls im Ersten übertragen.
Aufgrund der schweren Gegner allerdings haben Brand und seine 16 Spieler das magische Wort Halbfinale schon nahezu aus dem Sprachgebrauch gestrichen. «Die Mannschaft hat eine verdammt schwierige Gruppe», sagt Kapitän Michael Kraus: Man würde von einer erfolgreichen EM sprechen, wenn die Mannschaft das Halbfinale erreiche». Erst wenn es soweit ist, wird man wissen, ob auch die Sender in Sachen Europameisterschaft eine positive Bilanz ziehen.
bla/kru/news.de