Mo., 13.02.12

iPhone-Apps Das Gegenteil von gut ist gut gemeint

Von news.de-Redakteur Florian Blaschke

Artikel vom 19.01.2010

Die iPhone-Apps von Bild und Welt verkaufen sich wie geschnitten Brot. Und doch sind längst nicht alle Nutzer zufrieden: Lange Ladezeiten, Abstürze und fehlender Mehrwert schmälern das Vergnügen. Wir haben beide Anwendungen getestet.

Der Verleger Michael Ringier hat es geschafft, sich mit einem einzigen Zitat unsterblich zu machen, zumindest in der sogenannten Blogosphäre. 2007 war das, da wurde er von der taz in einem Interview mit dem folgenden Satz zitiert: «Na ja gut, es gibt das Internet. Aber es dauert zu lange, bis Sie sich dort alles zusammengesucht haben, und dann sollten Sie es auch noch an diesem unsäglich doofen Bildschirm lesen. Da hilft die Zeitung und sagt: Das ist heute für dich wichtig.»

Heute, zwei Jahre später, ist der Referenz-Bildschirm noch kleiner geworden. 320 auf 480 Pixel misst er beim iPhone, dem mobilen Gerät, das vielen bis heute als Maßstab für das mobile Netz gilt. Das hat auch der Axel-Springer-Verlag inzwischen erkannt und für seine Hausmarken Bild und Welt eigene iPhone-Anwendungen, sogenannte Apps, auf den Markt gebracht.

Und wenigstens den Start wertet der Berliner Konzern als Erfolg. Einen Monat nach der Einführung der kostenpflichtigen Smartphone-Anwendung hätten mehr als 100.000 Nutzer die neuen Apps gekauft, teilte der Verlag kürzlich in Berlin mit. Wie hoch der jeweilige Anteil der Bild-Apps und der Welt-Apps in der Gesamtzahl ist, teilte Springer nicht mit, doch zumindest die von Bild schafft es derzeit in die Top 10 der meistgekauften Anwendungen. In der Rangliste der Kategorie Nachrichten liegt Bild auf Rang eins vor der Süddeutschen Zeitung (SZ) und der Welt.

Bild-App bereits gecrackt

Die Fristen für die Einführungspreise von 79 Cent bei Bild und 1,59 Euro bei Welt wurden kürzlich erst verlängert. Künftig sollen die Anwendungen 1,59 Euro beziehungsweise 3,99 Euro mit einer PDF-Version der Printausgabe bei der Bild und 2,99 Euro bei der Welt kosten. Grund für den Aufschub sei zum einen, dass die Nutzer Gelegenheit haben sollen, die ersten Updateversionen, die erst seit wenigen Tagen zur Verfügung stehen, zu übernehmen. Zum anderen sei ein weiteres Update bereits in Arbeit.

Und das scheint auch dringend nötig zu sein. Trotz der hohen Download-Zahlen sehen die Nutzerbewertungen für beide Apps nämlich eher bescheiden aus. Zweieinhalb von fünf möglichen Sternen bei Bild und Welt stehen zum Vergleich vier von fünf Sternen bei der SZ oder fünf Sternen beim Guardian (mit jedoch nur neun Bewertungen) gegenüber. Abgeschlagen bei den überregionalen Medien: Die Neue Zürcher Zeitung mit durchschnittlich zwei Sternen, aber auch mit nur sieben Bewertungen.

Dennoch ist die iPhone-App der Bild offenbar so beliebt, dass sie für JailbreakerPer Jailbreak wird die Sperre des iPhones aufgehoben, Software nur über den App-Store installieren zu können und ausschließlich Sim-Karten von T-Mobile zu verwenden. Das Vorgehen ist zwar legal, zieht jedoch einen Garantieverlust nach sich. bereits kostenlos verfügbar ist. Der Nachrichtenseite New Business wurde das von einem Springer-Sprecher bestätigt: «Das Thema ist bei uns im Hause bekannt. So etwas lässt sich nie völlig ausschließen», sagte er. Springer halte den Umfang des Schadens bislang für gering, man werde die Entwicklung aber aufmerksam beobachten und versuchen, den Missbrauch über Update-Versionen zu verhindern.

Schüttel dem Seite-eins-Mädchen die Kleider vom Leib

Häufigster Kritikpunkt bei beiden Springer-Apps: Die langen Ladezeiten, regelmäßige Abstürze und aus Jugendschutzgründen teils zensierte Bilder in der PDF-Version der Bild-Zeitung. Dabei ist dieses E-Paper-ähnliche Angebot, das für die 79 Cent, die die App kostet, einen Monat getestet werden kann (anschließend kostet jeder Monat drei Euro), das eigentliche Schmuckstück der Anwendung. Denn so kostet die Bild pro Tag gerade einmal 15 statt der 50 Cent für die Printausgabe.

Witzig gemeint, aber sinnlos: Der Menüpunkt «Bild-Girl». Hier zieht sich jeden Tag das Seite-eins-Mädchen der Bild-Zeitung für den iPhone-Nutzer aus. Mit jedem Mal, das das Telefon geschüttelt wird, entledigt sich das Modell eines Kleidungsstücks, die Unterwäsche allerdings muss es anbehalten. Apple schreibt das Thema Jugendschutz groß.

Ähnlich wie bei der Bild funktioniert auch das Abo-Modell der Welt, für das nach der Testphase 4,99 für die Premiumversion mit PDF oder 2,99 für die Version ohne PDF fällig werden. Manko: Das PDF (das zudem mit einem nervigen Sound beim Umblättern aufwartet) enthält nicht etwa die E-Paper-Ausgabe der Welt, sondern nur die der kleinen Schwester, der Welt Kompakt. Und die, so schreibt ein User im App-Store, sei nun wirklich nur etwas für Masochisten: «So etwas Unkomfortables und Nutzerunfreundliches muss man lange suchen. Ob da jemand einen Usability-Test gemacht hat, wage ich zu bezweifeln. Sehr schade, denn das wäre etwas gewesen, was man so nicht im Internet findet.» Zudem muss das iPhone zum Lesen der PDF-Version online sein, ein Download ist offensichtlich nicht möglich.

In beiden Abo-Fällen wird von den Nutzern zurecht moniert, dass die Informationspolitik über die anfallenden Kosten äußerst dürftig ist. Wie viel der Nutzer wann für welches Abomodell zahlt, welche Laufzeiten die Abos haben und was der Leser dafür bekommt, all das ist nicht auf den ersten Blick ersichtlich.

Kaum Mehrwert gegenüber den Online-Angeboten

Dafür aber hat die Welt-App ein anderes Feature, das - trotz teils langer Ladezeiten - offenbar auf Gegenliebe stößt: iWelt, eine Weltkarte, mit der sich Nachrichten zu bestimmten Orten finden lassen. Im Edge-ModusEnhanced Data Rates for GSM Evolution (EDGE) bezeichnet eine Technik zur Erhöhung der Datenübertragungsrate in GSM-Mobilfunknetzen. allerdings ist dieses Feature so gut wie unbrauchbar, im 3G-Netz ruckelt es etwas, taugt aber durchaus für einen guten und recht schnellen Überblick.

Gut gelöst ist bei der Welt-App das Menü, mit dem sich Zusatzfunktionen wie ein TV-Programm mit Programmtipps, ein Fußball-Ticker, der Twitter-Feed der Welt-Redaktion oder das 18-Uhr-Quiz aufrufen lassen. Bei der Bild-App dürfte die Leserreporter-Funktion gut ankommen, mit der komfortabel Fotos oder Schlagzeilenvorschläge direkt an die Redaktion geschickt werden können.

In einem jedoch sind sich viele User bei beiden Angeboten einig: Weder die Bild-App noch die Welt-App bieten im Vergleich zu den Online-Angeboten der Blätter derart große Vorteile, dass sich die Abos wirklich lohnen. Viele Nutzer dürften mehr Funktionen im Stile von iWelt erwarten, die einen echten Mehrwert gegenüber den Online-Angeboten bieten. Immerhin ist der Push-Service für neue Nachrichten, den beide Apps bieten, so ein Feature, ihn bietet aber auch die Konkurrenz, beispielsweise die Süddeutsche. Gut gemeint, aber schlecht umgesetzt, so lautet das häufigste Fazit im Appstore. Und Xellwell, ein Käufer, der für die Welt-App zwei von fünf Sternen verteilt hat, fügt hinzu: «Außerdem stößt mir die Hetze des Axel Springer Verlags auf die angekündigte Tagesschau-App sehr übel auf!» Das aber ist ein anderes Thema.

kab/news.de
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iPhone-Apps: Das Gegenteil von gut ist gut gemeint » Medien » Nachrichten

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Leserkommentare (1)
  • Kommentar: 1
  • 19.01.2010 15:16
von
Ilkka

Ich glaube die Leute haben zuviel Geld und Zeit. Das iPhone ist ja meist in der Geschäftswelt anzutreffen. Irgendwas wird hier verzerrt. Entweder hat un fast jeder normale Bild-Leser ein iPhone oder die Geschäftswelt geht ihre normale Arbeit nicht mehr nach. Ich als iPhonebesitzerin werde mir so einen Quatsch jedenfalls nicht laden. LG

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