Von news.de-Mitarbeiter Tobias Köberlein
Eine Kommissarin wird zum Flintenweib. Diesmal sitzt Klara Blums (Eva Mattes) Dienstwaffe locker im Halfter. Kein Wunder, pfeifen ihr doch im aktuellen Fall permanent Kugeln um die Ohren. Polizistinnenmörder hat was von Wildwest am Bodensee.
Einen Mann gab es schon länger nicht mehr in Klara Blums Leben. Doch mit Reto Flückiger (Stefan Gubser) könnte es noch was werden. Zwischen der Kommissarin aus Konstanz und dem Kollegen von der Kantonspolizei Thurgau stimmt die Chemie. Er bemüht sich um gepflegtes Hochdeutsch, sie um wenigstens ein paar Brocken Schwyzerdütsch.
Vor zwei Jahren ermittelten beide schon einmal grenzüberschreitend miteinander. Jetzt gibt es ein Wiedersehen. Polizistinnenmörder ist erneut eine Koproduktion von SWR und Schweizer Fernsehen, was insofern interessant ist, als die Eidgenossen nach einigen Jahren Abstinenz gerade wieder verstärkt über einen eigenen Tatort-Ermittler nachdenken.
Polizistinnenmörder ist nun so etwas wie ein Test, um deutsche und Schweizer Befindlichkeiten auszuloten. Wächst für 90 Minuten zusammen, was nicht zusammengehört? Nach diesem Film werden die Zweifel eher größer geworden sein, ob ein Schweizer Tatort-Kommissar wirklich eine gute Idee ist.
Die ersten Minuten immerhin sind rasant. Blum und eine SEK-Einheit wollen den Waffenhändler Uwe Meiners (Michael Brandner) in seiner Villa hochnehmen. Für eine junge Polizistin soll die Razzia die Feuerprobe werden. Im Einsatzwagen knetet sie nervös die Hände. Klara Blum bekommt wieder ihren Mutti-Blick. Stirnfalte, leicht wässrige Augen – so kennen wir die Kommissarin. Ein paar Minuten später ist die Kollegin tot. Erschossen. Meiners, der vermeintliche Täter, hat sich in die Schweiz abgesetzt. In einem Polizeiwagen, was den Verdacht nährt, dass es in den Reihen der Polizei einen «Maulwurf» geben muss.
Feinster Dilettantismus
Wie es der Zufall will, hat Kantonspolizist Flückiger zur selben Zeit Waffenschieber Hutter (Gilles Tschudi), einen eidgenössischen Geschäftspartner von Meiners, observiert. Dank guter polizeilicher Zusammenarbeit wird Meiners schnell gefasst. Doch damit geht dieser Tatort erst richtig los. Blum und Flückiger müssen Meiners nach Deutschland überführen.
Die Route faxt die Kommissarin nach Konstanz, was sich im Nachhinein als schwerer Fehler erweisen wird. Weil die Hauptstraße gerade gesperrt ist, geht es auf Schleichwegen quer durch deutsch-schweizerisches Grenzgebiet. Was die Polizisten erst spät mitbekommen: Hutter hat mit zwei bis an die Zähne bewaffneten Bodyguards die Verfolgung aufgenommen, um Meiners – der brisante Dokumente über ihre Geschäftsbeziehungen zurückgehalten hat – zu eliminieren.
Dann wird es vogelwild. Nach einen im Stil von Alarm für Cobra 11 gefilmten Autounfall flüchten Blum und Flückiger zu Fuß, suchen Zuflucht in einer Scheune und liefern sich wilde Schießereien mit den Verfolgern. Stellt sich nur die Frage, wer dilettantischer vorgeht: Hutters Knallchargen oder die Polizisten, die ohne GPS unterwegs sind und das Handy dummerweise gerade verlegt haben.
Genau genommen, wird der Plot entweder durch Zufälle oder geradezu groteske Unfähigkeit auf beiden Seiten vorangetrieben. Blums Assistent Perlmann (Sebastian Bezzel) muss derweil in Konstanz die gröbsten Schnitzer der Kollegen ausbügeln. Dazu wirft er sich heldenhaft vor das Fahrrad von Meiners Tochter (Alissa Jung) und legt sich sogar mit dem Staatsanwalt an.
Polizistinnenmörder lässt als Krimi so ziemlich alles vermissen, was einen Tatort auszeichnen sollte: Realitätsnähe, Spannung echte Charaktere. «Für wie blöd halten Sie uns eigentlich?», fragt Flückiger an einer Stelle Meiners. Der erwidert geistesgegenwärtig: «Soll ich das wirklich sagen.» Er muss es gar nicht aussprechen. Bei diesem Tatort genügt es, sich zu denken, was nur allzu offensichtlich ist.
Tatort: Polizistinnenmörder, Sonntag, 17.1., 20.15 Uhr, Das Erste
ham/news.de
wahrlich der dümmste TATORT seit langem. schäm dich mattes! in so einem dreck mitzuspielen, unglaublich
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