Kein Fluxkompensator?!
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Von news.de-Redakteur Florian Blaschke
Das größte Taschenmesser der Welt hat 87 Werkzeuge und 141 Funktionen. Und doch: Es gibt immer noch Menschen, denen daran etwas fehlt, wie die Bewertungen bei Amazon zeigen.
Es dürfte kaum einen Jungen geben, der in seiner Kindheit und Jugend ohne Taschenmesser auskommen musste. Ob echtes Schweizer oder billiger Nachbau, mit dem ausklappbaren Alleskönner wurden Baumhäuser gebaut und Blutsbrüderschaften geschlossen, imaginäre Feinde erstochen und dem fiesen Typen aus der Nachbarklasse die Fahrradreifen zerstochen.
Vor zwei Jahren nun brachte die renommierte Schweizer Firma Wenger das größte Taschenmesser der Welt auf den Markt, mit 87 Werkzeugen und 141 Funktionen, selbst ein Golfmesser ist zwischen Lupe, Kompass, Inbus-Schlüssel, Phillips-
Schraubenzieher, Kombizange, Zigarrenschneider, Laserpointer und vielem mehr vorhanden. Das stattliche Gewicht: 1,345 Kilogramm.
«Warum sträubt sich die Industrie dermaßen dagegen?»
Derzeit kann man dieses Monstrum von Taschen(!)messer bei Amazon zum Schnäppchenpreis erstehen: 651 statt 879 Euro kostet es nur noch, eine Ersparnis von 26 Prozent, wie der Online-Versandhändler vorrechnet. Doch Obacht! Dieses Messer ist nicht für jeden geeignet. Nicht etwa, weil es zu viele Funktionen hätte, im Gegenteil: Weil es zu wenige hat. Werfen wir einen Blick auf die (nicht immer ernstzunehmenden) Kundenbewertungen:
Laut A. Toussaint aus Karlsruhe sind es sogar entscheidende Funktionen, die vermisst werden: Ein Notstromaggregat etwa, oder ein Fluxkonverter: «Braucht man ständig, NIE hat einer einen dabei. Auch hier wieder nicht. Warum sträubt sich die Industrie dermaßen dagegen?» schreibt er empört und vollkommen zurecht. Zudem sei es zwar löblich, dass sechs Kästen Bier in den Stauraum passten, aber keine Garderobe vorhanden sei, um Anzüge knitterfrei aufzuhängen. Und zu guter Letzt fehle eindeutig eine Repetierarmbrust: «Ich verstehe diese Fixierung der Firma Wenger auf Nahkampfwaffen nicht. Da integriert man sowohl Degen als Langschwert, die kaum jemand vernünftig zu handhaben weiß, und bietet keine einzige jagdgeeignete Fernkampfwaffe? Schade!»
Das nervige Summen des Schutzschild-Generators
J. Dreste aus Düsseldorf klingt ähnlich enttäuscht, wenn auch aus einem anderen Grund. Für ihn ist das klobige Messer schlicht unpraktisch: «So ist z.B. der integrierte Teilchenbeschleuniger nur dann korrekt in Betrieb zu nehmen, wenn die Nagelfeile und der Korkenzieher in einem Winkel von exakt 107,2 Grad ausgeklappt sind», schreibt er. «Nervig ist auch das unangenehme Summen, das der Schutzschild-Generator von sich gibt, wenn der Schild von Luft-Boden-Rakten getroffen wird.» Außerdem sei die Notfall-Rettungskapsel mit einer Kapazität von sechs Personen eindeutig unterdimensoniert und könne nur dann abgesprengt werden, wenn das Messer sich in waagerechter Lage befinde. Wir gebem ihm Recht: «Hier sollte der Hersteller eindeutig nachbessern.» Kein Wunder, dass sich Toussaint und Dreste einen erbitterten Kampf um die nach Meinung der Amazon-Besucher hilfreichste Bewertung des Messers liefern.
Nutzer Gsam hingegen ist hochzufrieden mit seinem Messer. Der Grund? Es ist bequem: «Wir sind letzte Woche in das Messer eingezogen», schreibt er, «und haben es nicht bereut! Nur beim Lüften habe ich mich jetzt schon öfters geschnitten, bei der Sylvester-Party bildeten einige Besucher bei der 12 Uhr-Polonaise einen Schaschlik, das war nicht sehr schön! Aber im Untergeschoß ist eine integrierte Ambulanz und dann gleich ab in die Sauna (Pool morgen)!»
Auch MacGyver und Darth Vader benutzen das Wenger-Messer
Dass das Prachtstück von Wenger gar nicht als alltagstaugliche Super-Variante des guten alten Offiziersmessers gemeint war, sondern eher PR- und Rekordzwecken dient – nebensächlich. Stattdessen kümmern sich die Kunden lieber darum, die Allzweckwaffe ins richtige Licht zu setzen und zeigen sie beispielsweise in den Händen von MacGyver (kann aus einer Kopfschmerztablette und einem Bindfaden eine Bombe basteln) oder Darth Vader («Ich bin Dein Vater, Luke.»). Lediglich darüber, dass der Hersteller laut Amazon nur vier Jahre Garantie bietet, scheint noch keine größere Diskussion entbrannt.
Wie auch immer – nicht vorenthalten wollen wir Ihnen auf jeden Fall unseren Liebling, die Kundenrezension von Benjamin Miller: «Als ich mir damit die Nasenhaare trimmen wollte, gabs einen Kurzschluss zwischen dem integrierten Flux-Kompensator und der eingebauten Urananreicherungsanlage. Seither hängt mein linkes Nasenloch im Jahr 1808 fest. DANKE WENGER!» Danke, Amazon.
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