Von news.de-Redakteurin Anne Meyer-Gatermann
Schöne Frauen fahren ihre Krallen aus: In der neuen Castingshow Die Model-WG gibt es wieder jede Menge Potenzial für einen saftigen Zickenkrieg. Der Sender Pro Sieben recycelt mit der Sendung die Verschmähten aus Heidi Klums Sendung Germany's Next Topmodel.
«Kein Job – kein Loft», bringt es Modelmanager Peyman knallhart auf den Punkt. Bei der neuen Pro-Sieben-Serie Die Model-WG soll ehemaligen Germany's-Next-Topmodel-Kandidaten eine Realitätsdusche verpasst werden. Fünf recycelte Kandidaten aus Klum's Castingshow und ein Hamburger Model sind in die WG gezogen und nur, wer bei Castings einen Job an Land zieht, hat auch weiterhin ein Dach über dem Kopf. Gestern hat Pro Sieben die erste Folge der Castingshow ausgestrahlt.
Die Unterkunft der Model-WG entspricht zunächst einmal eher dem Klischee, das Erna Kasuppke vom Modelleben hat: Ein Loft mit Backsteinwänden, stylischen Möbeln und offener Küche. Was auf den ersten Blick total hip wirkt, entpuppt sich beim genauen Hinsehen zwar als Ikeas Frühjahrskollektion, aber was soll's: Die Models sind begeistert. Die Euphorie ebbt allerdings ab, als sie das Schlafzimmer entdecken: Alle schlafen in einem Raum. Und ausgerechnet Larissa und Tessa, die sich schon bei Germany's Next Topmodel am liebsten die Augen ausgekratzt hätten, müssen sich ein Doppelbett teilen – das kann ja nur schief gehen.
Aber genau darauf legt es Pro Sieben an. Wer die Model-WG einschaltet, will sehen, wie die Fetzen fliegen, wie sich schöne Frauen gegenseitig das Leben zur Hölle machen und tatsächlich sitzt Sarina schon nach fünf Minuten mit tuscheverschmiertem Gesicht auf der Terrasse: Die Tränen kullern, weil ihr Modelbuch nicht gut genug ist.
Auch «die Fremde» ist ein Brandbeschleuniger. Kaum ist Aline, das Model, das nie bei einer Castingshow war, dafür aber Mailänder Laufstegerfahrung hat, angereist, zerreißt sich die eifersüchtige Tessa schon das Maul. Obwohl die sich, frisch geläutert auf dem Jakobsweg, vorgenommen hatte: «Ich will da nicht so vorurteilig sein.»
Hühnchenkäfig statt Loft
Als Aline gleich zu Beginn zwei «Jobs» in London abstaubt, brechen bei Tessa alle Dämme. Während sich die anderen missmutig die Zähne putzen, sitzt Aline schon im Flieger. Vorher klärt sie die anderen noch auf, wie es in richtigen Model-WGs wirklich aussieht: Das sind eher Hühnchenkäfige statt Backsteinlofts. Peyman gibt an, er habe Aline in die Model-WG geholt, damit sie «die Mädels an die Realität ranbringt». Das ist vor allem eine Realität der ProSieben-Castingshows, denn Aline sorgt in erster Linie für einen hohen Neidpegel – der Stoff aus dem Zickenkriege gemacht sind.
Modelmanager Peyman regiert die jungen Frauen mit strenger Hand. Er sagt: «Ich werde euch betreuen, ich werde euch managen» und irgendwie klingt das aus seinem Mund wie eine Drohung. Und tatsächlich scheucht er seine Schützlinge vor sich her wie eine Schar Hühner. «Klatsch, Klatsch» macht er und ruft «los jetzt!», während die Schönheiten etwas derangiert aus der Tür trippeln. Doch eines hat er mit ihnen gemeinsam: Auch Peyman ist ein Verstoßener aus Heidi Klums Castingshow.
Sein Ziel bei der Model-WG: Nichts weiter als der internationale Durchbruch und die Eroberung des New Yorker Fashionmarktes. Der Gewinnerin der Staffel winkt – oho! - die Chance auf einen Platz in einer New Yorker Model-WG. «Ich würde natürlich schon gern mal nach New York, aber so allein hab ich da schon ein bißchen Angst. Ich bin ja erst 16», sagt Sarina und macht große Kulleraugen.
Sarina hat seit ihrem Ausscheiden aus der Topmodel-Show nicht allzu viel in Sachen Modeln auf die Reihe bekommen und ist jetzt mächtig unter Druck. Aus dem ungeschickten Hascherl wird beim Casting des großzügig bebrillten Designers Tom Rebl plötzlich eine knallharte Rockerbraut, die auch prompt engagiert wird. Vor Freude knautscht Sarina das Halstuch ihrer Freundin Larissa, mit der sie dann bei der Rebl-Fashionshow über den Laufsteg schweben darf – begleitet von leicht bekleideten Herren.
Beim Klo putzen oder Wasserkästen schleppen durften wir die Damen bislang nicht bewundern, aber die Weichen für einen saftigen Mädchenkrieg sind gestellt und so lässt die Sendung den Zuschauer mit dem beruhigenden Gefühl zurück, dass sich mal wieder alle Klischees erfüllt haben. Wer will schon eine handzahme Tessa oder eine souveräne Sarina sehen?
ruk/news.de