Auch Öko versteht uns nicht
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Von news.de-Mitarbeiterin Denise Peikert
Artikel vom 13.01.2010
Klimaschutz ist in, auch bei Suchmaschinen. Einfach eine CO2-neutrale Frontpage vor Google oder Yahoo zu legen, hilft dem guten Gewissen bestimmt und dem Regenwald vielleicht. Beim Ordnen der immensen Informationen im Netz nützt es aber nichts.
Im Jahr, in dem «Hopenhagen» am Ende doch wieder nur schnöde Kopenhagen hieß, ist es beinah blasphemisch, über ökologische Projekte nicht in eindeutigen Jubel auszubrechen. Und zweifellos ist nichts falsch daran, dass zum Beispiel die Suchmaschine Ecocho zwei Bäume für 1000 Suchanfragen pflanzt, während Google dafür 15 Gramm CO2 freisetzt. Aber selbst das ist immer noch energiesparender, als zur Informationsbeschaffung in die Bibliothek zu fahren, womöglich noch mit dem Auto.
Abgesehen davon sind die Öko-Suchmaschinen kein technologischer Fortschritt. Sie sind noch nicht einmal vollwertige Suchmaschinen. Denn die Anbieter bauen schlicht eine CO2-neutrale Frontpage, die dann doch nur wieder die Suche von Google oder Yahoo ansteuert. Die aber sind nunmal nicht der Weisheit letzter Schluss. Sie kennen sich zwar ganz gut aus im Netz und finden meist, was wir suchen. Aber nur, weil wir ihre Sprache sprechen: Wir suchen automatisch in Stichworten statt in ganzen Sätzen und versuchen es mit Oberbegriffen für unser Problem. Eine ausführliche, aber oft wenig präzise Trefferliste ist das Ergebnis.
Suchmaschinen sollten Sätze verstehen
Dabei sollte es eigentlich anders herum sein: Die Maschine müsste unsere Sprache verstehen und nicht wir umgekehrt unser Denken an die Strukturen des Netzes anpassen. Wie das möglich ist, daran wird seit Jahren geforscht. Lange galt dabei die semantische Suche als der Schlüssel: Nicht nur mit einzelnen Wörtern sollten Suchmaschinen umgehen können, sondern mit ganzen Sätzen, mit den Beziehungen zwischen den Wörtern und ihrer genauen Bedeutung. Kommt das Wort «Gericht» in einem Satz vor, sollte die Maschine genau wissen, ob die Institution zur Rechtsprechung oder das Mittagessen gemeint ist.
Der große und redundant angekündigte Durchbruch auf diesem Gebiet blieb bisher aus. Derzeit wird an Systemen gearbeitet, die aus den Inhalten einer Website automatisch Synonyme generieren. Gibt man ein Wort in eine Suchmaschine ein, so sucht diese nicht nur nach dem Wort, sondern auch nach den Synonymen. Erste Versuche wie Semager sind schon online. Doch noch ist weder die Software ausgereift, noch sind die Rechner leistungsfähig genug, derart komplizierte Anfragen bearbeiten zu können.
Vor diesem Hintergrund helfen Öko-Suchmaschinen vielleicht dem Regenwald und dem guten Gewissen, und einige sind ganz sicher auch ein gutes Geschäftsmodell. Dem technologischen Fortschritt aber helfen sie nicht.
kas/bla/reu/news.de
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