Anselm Grün «Es ist keine heile Welt»

Anselm Grün ist einer der prominentesten Ratgeberautoren Deutschlands. Und er ist Mönch. Ein Porträt zum 65. Geburtstag des Mannes, der zwar Millionen verdient, aber keinen eigenen Besitz haben darf.

Anselm Grün (Foto)
Anselm Grün in der Abtei in Schwarzach am Main. Bild: dpa

Von Hausarbeit versteht Anselm Grün nicht viel. Putzen ist lästig, kochen kann er nicht. «Es gibt heute ja Fertiggerichte», sagt der wohl bekannteste Benediktinermönch Deutschlands. Und selbst die muss sich der Ratgeberautor nur selten warm machen, isst er doch fast immer in der Benediktinerabtei in Schwarzach am Main (Bayern), wo täglich für die etwa 90 Mönche und 300 Angestellten des Hauses gekocht wird.

Die Abtei ist eines der größten Benediktinerklöster Europas. Seit seiner Jugend hat Grün hier ein etwa zwölf Quadratmeter großes Zimmer. Dort muss er seit jeher selbst Staub wischen. «Das ist nicht so meine Stärke.» Die Wäsche und den Rest erledigen andere. Der Ordensmann hat dafür sowieso kaum Zeit, fährt jährlich mit dem Auto rund 60.000 Kilometer durch Deutschland. Seine Vorträge, Kurse und Fastenwochen sind ausgebucht, der Terminkalender 2010 proppenvoll. Heute wird der Mönch 65 Jahre alt. Die meiste Zeit seines Lebens hat er im Kloster verbracht.

Anselm Grün: Seine erfolgreichsten Ratgeber

Grün ist jedoch selbst bei Atheisten bekannt. Ob Banker, Hausfrauen oder Konzernlenker - der Pater hat sich in den vergangenen Jahren zum spirituellen Berater und geistlichen Begleiter von vielen Menschen entwickelt. Ethisch Geld anlegen, Die hohe Kunst des Älterwerdens oder Trau deiner Kraft - Mutig durch Krisen gehen heißen einige der etwa 300 Werke des emsigen Autors. Mehr als 15 Millionen seiner Bücher wurden bisher weltweit verkauft.

Grün ist gebürtiger Franke. Am 14. Januar 1945 kommt er als Wilhelm Grün in Junkershausen in der Rhön als viertes von sieben Kindern zur Welt. Die Familie ist sehr religiös. «Meine Eltern sind jeden Tag in die Kirche gegangen», erzählt er beim Gespräch in der Abtei. Drei Geschwister des Vaters, der ein Elektronikgeschäft führt, sind Benediktiner. «Mit zehn Jahren, nach der Erstkommunion, kam mir die Idee, Priester zu werden.» Grün kommt ins Internat in die Nähe des Klosters Münsterschwarzach, legt im nahen Würzburg sein Abitur ab. «Natürlich hatte ich auch zwischendurch mal eine Krise», sagt er mit Blick auf Zweifel an seinem religiösen Weg. «Ich wollte Biologe werden.» Doch die Suche nach Gott fasziniert ihn dermaßen, dass er sich letztlich für den Orden der Benediktiner entscheidet.

Die ersten zehn Jahre als Mönch sind für den jungen Grün nicht einfach, Gedanken an eine eigene Familie kommen ihm immer wieder. «Ich hatte Angst, ob eine reine Männergesellschaft nicht zu spröde ist und ob man nicht zu kurz kommt mit seinen eigenen Gefühlen», erzählt Grün. Doch er geht den Weg weiter, nennt sich fortan Anselm nach dem Benediktiner Anselm von Canterbury an, der im 11. und 12. Jahrhundert lebte.

Dank seines Studiums der Philosophie, Theologie und vor allem der Betriebswirtschaft ist Grün heute wirtschaftlicher Leiter (Cellerar) der Abtei - eines mittelständischen Unternehmens. Um 4.40 Uhr beginnt sein Tag. Beten, Frühstücken, Lesen. Von etwa 8 Uhr an sitzt er im Büro. «Ich beantworte Mails, verhandle mit Banken.» Auf dem Schreibtisch des zierlichen Mannes mit dem grau-weißen Rauschebart türmt sich die Post, Hunderte seiner Bücher säumen die Wände. Mittags legt sich Grün zur Ruhe, danach stehen beispielsweise Sitzungen mit seinen Brüdern an. Mindestens zweimal wöchentlich fährt der Theologe abends durchs Land zu Vorträgen, oft ist er erst gegen 1 Uhr nachts zurück. Zwischendurch widmet er sich neuen Büchern. «Ich fühle mich nicht gestresst», sagt er über sein Pensum.

Drei Wochen im August gönnt sich der Pater Urlaub. Mit seinen Geschwistern und einem Teil der 13 Nichten und Neffen geht es in die Berge. Eine Schwester verpasst ihm dort neue Kleidung, schließlich trägt er unter der schwarzen Kutte Jeans und Pullover; eine andere Schwester stutzt ihm den Bart. Bei einem Friseur war Grün seit Jahrzehnten nicht mehr, shoppen in Frankens Innenstädten kennt er nicht. Was im Fernsehen läuft, weiß er nicht. Im Auto hört er Bach und Mozart.

Obwohl der Pater ein Leben hinter Klostermauern abseits des Alltags der meisten Menschen führt, findet er Zugang zu ihnen. «Ich versuche, ihre Sehnsucht anzusprechen», sagt er. «Der Druck ist sehr groß, der Anspruch von außen und der an sich selbst.» Konflikte, Intrigen - auch Mönche kennen das. «Es ist keine heile Welt.»

bla/mac/reu/news.de/dpa

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Leserkommentare (1) Jetzt Artikel kommentieren
  • horst heinz
  • Kommentar 1
  • 14.01.2010 20:28

Eigentlich ein netter Artikel über eine interessante Person. Schade nur, dass der Autorin ab dem vorletzten Absatz die Puste auszugehen scheint: plötzlich noch schnell eine atemlose Flut von Infos und ein abruptes Ende. (Warum ist es für ihn keine heile Welt...? etc.)

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