Von news.de-Mitarbeiterin Anna K. Bernzen
Muss man wirklich «Bitte» sagen? Was tun, wenn der Ehepartner dement wird? Und wie steht es derzeit um die Situation im Iran? Antworten auf all diese Fragen gab eine bunte Gästeschar in 3nach9.
Besser als Charlotte Roche selbst, hätte man ihren fünften Auftritt als Moderatorin von 3nach9 nicht beschreiben können: «Das ist doch deine Show», stellte sie im Gespräch mit Giovanni di Lorenzo schon zu Beginn klar – scheinbar ihre Grundeinstellung zur Sendung. Denn statt eines neuen Körperhygiene-Skandals provozierte sie im Karo-Kleid, mit quietschiger Stimme und Dauerlächeln eher Assoziationen mit ihrer sechsjährigen Tochter.
Spannender als die Moderatorin waren da die Gäste: Mit Jan Böhmermann wählten die Verantwortlichen einen unterhaltsamen Einstieg in den Abend. Der Komiker verdiente sich schon innerhalb weniger Minuten angesichts seines permanenten Grinsens den ersten Zwischenruf aus dem Publikum – «Schleimer». Trotzdem konnten sich selbst seine Mit-Gäste angesichts der frechen Gags kaum das Grinsen verkneifen. Wie auch, wenn man so überraschend erfährt, dass Harald Schmidt «wie ein Moschus-Ochse» riecht.
Ernste Themen, leichte Musik
Etwas ernster, da politisch, verlief das Gespräch mit Maryam Sachs, der Schwiegertochter des gleichnamigen Playboys. Dass sie überhaupt auftrat, war bemerkenswert: Noch vor kurzem hatte sie ihren Auftritt absagen müssen – zu nervös. Nun sprach sie aber doch über ihre Sehnsucht nach ihrem Heimatland, dem Iran. Tagesgeschehen hin oder her, die Nachfrage nach ihrer Freundin Caroline von Monaco konnte Charlotte Roche sich dann doch nicht verkneifen.
Ernster wurde Inge Jens, die über die Demenzkrankheit ihres Mannes sprach. Der Saal verstummte angesichts der trotz ihres persönlichen Schicksals positiven Lebenseinstellung. Gerne und erleichtert applaudierten die Zuschauer dann aber wieder, als Alice Sara Ott am Flügel ihre Fingerfertigkeit unter Beweis stellte: Die 21-Jährige unterhielt die Zuschauer nicht nur mit ihrer Klavierkunst, sondern auch mit der Lebensgeschichte ihrer Eltern. In dieser spielte eine Hotpants eine tragende, oder vielmehr getragene Rolle und provozierte eine Diskussion unter den Gästen, die sich im Sommer auch gerne in einer solchen zeigen.
Das angeregte Gespräch wurde jedoch noch bedeutend lebhafter, als Schauspieler Heinz Hoenig zur Sprache kam: «Man kann nichts mehr machen in diesem bescheuerten Land», schimpfte er, als das Gespräch auf absurde Klagefälle kam. Um 23.30 unterbrach der Schauspieler erneut das Gespräch, das sich mittlerweile um die Generation der 1968er drehte, und rief seinen Sohn auf: «Bring’ den Hund nach unten!»
Gutes Benehmen im Fernsehstudio
«Herr Knigge-nigge-nigge», führte Charlotte Roche Moritz Freiherr Knigge ein, zeichne sich besonders durch seinen leichten Unterbiss aus. Doch in Sachen Manieren zeigte er sich vorbildhaft und musste daher eine ganze Reihe Benimmfragen der Gäste beantworten: Mit welchem Messer schmiert man im Restaurant das Brot? Wer hält wem die Tür auf? Muss ich jede Entschuldigung annehmen? Angesichts des nicht abreißen wollenden Fragenstromes musste Giovanni di Lorenzo das Gespräch kurzerhand abbrechen.
Denn zuletzt sollte auch Max Raabe zu Wort kommen, der mitten in der Sendung direkt von einem Konzert zur Gesprächsrunde stieß. Ein solches gab er, als zweiter Gast des Abends, auch dem Publikum im Studio. Im anschließenden Gespräch verglich der Vielgereiste Chinesen mit Bremern, Norddeutschland mit Westfalen und das Leben auf dem Bauernhof mit dem in der Großstadt. Viel Zeit für Nachfragen blieb nicht, die Regie drängte zum Abschluss.
Wer viele spannende Geschichten in kurzer Zeit hören wollte, dazu ein wenig Musik und gute Witze, hatte einen unterhaltsamen Abend. Wer jedoch auf einen Ausrutscher von Charlotte Roche gewartet hatte, wurde einmal mehr enttäuscht.
ham/kat/news.de