Schwere Kost statt Popcornkino
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Von news.de-Mitarbeiterin Stephanie Bremerich
Artikel vom 16.01.2010
Die Verleihung des Bayerischen Filmpreises 2009 sorgte für einige Überraschungen: Neben bekannten Kinomagneten waren vor allem kleinere Produktionen mit brisanten Themen die eigentlichen Gewinner des Abends.
Mit Rekordbesucherzahl und einem Umsatzplus von 25 Prozent war 2009 ein gutes Jahr für das deutsche Kino. Anscheinend Grund genug für die Jury des Bayerischen Filmpreises, ihrerseits Krisenbewusstsein zu beweisen. Neben massentauglichen Kassenschlagern wie Männerherzen (Drehbuch), Wickie und die starken Männer (Familienfilm sowie Publikumspreis) und Lippels Traum (Filmmusik und Kamera) wurden auch weniger konsumerable Filme mit dem begehrten «Pierrot» ausgezeichnet.
Juraj Herz und sein Drama Habermann, ein Film über die Vertreibung der Sudetendeutschen, sahnten gleich doppelt ab: Je einen «Pierrot» gab es für den Regisseur Herz und den Hauptdarsteller Mark Waschke. Nicht minder schwere politische Stoffe wurden mit dem Produzentenpreis ausgezeichnet. Er wurde dieses Jahr geteilt und ging an Peter Herrmann für Wüstenblume sowie Dietmar Güntsche und Wolfgang Behr für Der große Kater, einem Politdrama mit Bruno Ganz und Marie Bäumer, das in Deutschland bislang noch nicht angelaufen ist.
Auch die Vorschusslorbeeren des Sonderpreises der Verwertungsgesellschaft für Nutzungsrechte an Filmwerken (VGF) machen Lust auf mehr: Er ging an die Nachwuchsproduzenten Martin Richter, Florian Deyle und Philip Schulz-Deyle für Waffenstillstand. Das Drama über Kriegsberichterstattung im Irak wird erst im März auf hiesigen Leinwänden zu sehen sein.
Großes Kino und große Gefühle
Besonders freuen durfte sich Michael «Bully» Herbig, der für Wickie und die starken Männer gleich zwei Trophäen (Publikumspreis und Familienfilm) mit nach Hause nehmen konnte und seine Laudatorin dafür mit stürmischen Küssen überhäufte. Auch Barbara Sukowa (Beste Schauspielerin), Katharina Schüttler (Beste Nachwuchsschauspielerin) und Jana Marsik (Beste Kamera für Same Same und Lippels Traum) waren sichtlich gerührt. Friendship-Darsteller Friedrich Mücke (Bester Nachwuchsschauspieler) verschlug es gar die Sprache - er musste seine Dankesrede nach mehreren Versuchen und trotz Taschentuchschützenhilfe von Laudator Matthias Schweighöfer abbrechen.
Neben den strahlenden Preisträgern fiel die Preisverleihung indes ziemlich blass aus. Eigentlicher Verlierer des Abends ist Moderator Christoph Süß, der sich gemütlich-lau durch das Rahmenprogramm im Münchner Prinzregententheater kalauerte. Unvermeidlich etwa das «Aha-Erlebnis» in der Abmoderation des Musikacts A-ha, und unerträglich die permanente Rumkumpelei an Ministerpräsident Horst Seehofer.
Tatkräftige Unterstützung erhielt er von Kollegin Sabine Sauer, die als bavarische Frauke Ludowig für den Promi-Talk im Festsaal abgestellt war. Da war zwischendurch sogar (ungewollt skurril) ein Interview mit der Ordensschwester Philippa über Hildegard von Bingen-Darstellerin Barbara Sukowa drin. Auch Eckard von Hirschhausen durfte ein bisschen aus dem medizinischen Skalpell- und Nähkästchen witzeln und erntete dafür artigen Applaus.
Alles in allem also heiter bis harmlos. Ehrenpreisträger Joseph Vilsmaier brachte es - wohl zur allgemeinen Erleichterung - am Ende seiner knappen Dankesrede urbayrisch-rustikal auf den Punkt: «Ich sitz’ jetzt seit zwei Stunden hier. Das Buffet ist eröffnet. Danke.»
Die Preisträger im Überblick:
Ehrenpreis: Joseph Vilsmaier
Produzentenpreis: Peter Herrmann für Wüstenblume und Dietmar Güntsche und Wolfgang Behr für Der große Kater
Regiepreis: Juraj Herz für Habermann
Beste Darstellerin: Barbara Sukowa in Vision – Aus dem Leben der Hildegard von Bingen
Bester Darsteller: Mark Waschke in Habermann
Drehbuchpreis: Simon Verhoeven für Männerherzen
Dokumentarfilmpreis: Petra Seeger für Auf der Suche nach dem Gedächtnis
Beste Kamera: Jana Marsik für Same Same But Different und Lippels Traum
Beste Nachwuchsdarstellerin: Katharina Schüttler in Es kommt der Tag
Bester Nachwuchsdarsteller: Friedrich Mücke in Friendship
Nachwuchsregiepreis: Benjamin Heisenberg für Der Räuber
Preis für den besten Familienfilm: Michael «Bully» Herbig für Wickie und die starken Männer
Beste Filmmusik: Konstantin Wecker für Lippels Traum
Nachwuchsproduzentenpreis: Deyle & Richter Filmproduktion für Waffenstillstand
ham/kat/news.de/ddp
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