Fr., 10.02.12
Interviews

David Kross «Und das sagt ein 19-Jähriger!»

Von news.de-Redakteur Florian Blaschke

Artikel vom 19.01.2010

Spätestens seit dem Vorleser gilt David Kross als Shootingstar, nun spielt er in Detlef Bucks neuem Film Same Same But Different. Im Interview spricht er darüber, warum er sein Schauspielstudium abgebrochen hat, über Liebe, Erfolg und die große Karriere.

19.01.2010
«Same Same ...»
Über alle Grenzen hinweg
Video: Delphi

Herr Kross, Sie haben gerade Ihr Schauspielstudium in London abgebrochen, eine Chance, von der so mancher wahrscheinlich träumt. Warum?

Kross: Ja, warum habe ich das gemacht? Diese Weiterbildung kam für mich nicht zum richtigen Zeitpunkt. Das war eine Schule für drei Jahre, ausschließlich für Theater, und sie hat mir nicht so viel Spaß gemacht. Das ist nicht die Religion, an die ich derzeit glauben möchte. Und ich wollte es nicht machen, obwohl ich es nicht machen möchte (lacht).

Aber es hat nichts damit zu tun, dass Sie glauben, Sie hätten das Lernen nicht mehr nötig?

Kross: Nein, auf keinen Fall. Ich habe in dieser Zeit sehr viel gelernt und muss auch noch sehr, sehr viel lernen. Aber ich glaube, wenn man so etwas für drei Jahre macht, dann braucht man Leidenschaft, sonst schafft man das nicht. Und die habe ich nicht gespürt, und dann habe ich mir gesagt: «Warum gehe ich nicht zu meiner Leidenschaft, dem Film, zurück?» Da lerne ich auch bei jedem Projekt dazu.

Sie werden von der Presse hochgelobt, das People-Magazine hat Sie kürzlich zu den 100 attraktivsten Menschen gewählt. Sind das Dinge, die Ihnen etwas bedeuten?

Kross: Da fühle ich mich sehr geehrt, wenn ich so etwas höre. (überlegt) Ich freue mich darüber, ja. Das bedeutet es glaube ich für mich.

In Same Same But Different geht es um die Liebe zwischen dem Deutschen Ben und der HIV-kranken Prostituierten Sreykeo, die auf einer wahren Geschichte beruht. Kannten Sie diese Geschichte vorher?

Kross: Nein, ich habe erst in Vorbereitung auf die Dreharbeiten den Artikel und das Buch Wohin du auch gehst gelesen. Das fand ich sehr beeindruckend und berührend. Und dann hat mir Detlef Buck zum 18. Geburtstag eine Reise nach Phnom Penh geschenkt und mir erzählt, wie er sich den Film vorstellt. Wir haben auch nie versucht, den echten Benjamin Prüfer nachzuspielen.

Aber Sie haben ihn kennengelernt, oder?

Kross: Ja, und auch während des Drehs war er öfter am Set. Aber er hatte Vertrauen in Detlef und hat das an ihn abgegeben und gesagt, dass der Film zwar auf seiner Geschichte basiert, aber nicht so sein soll, wie er das erlebt hat. Auch, weil Film ein anderes Medium ist und eine andere Dramaturgie besitzt.

War denn HIV für Sie vor dem Film ein Thema?

Kross: Ich würde sagen, es war nicht wirklich nah dran, nichts, über das man mit Freunden oder der Familie geredet hat. Aber es ist durch den Film stärker in mein Bewusstsein getreten, und es ist greifbar geworden durch die Geschichte. Das finde ich auch so toll daran. Aber trotzdem ist es kein Film über HIV, sondern eine Liebesgeschichte, und HIV ist sozusagen das Hindernis. Dadurch wir den beiden bewusst, dass man hier nur eine bestimmte Zeit zusammen hat, und dadurch wird die Liebe intensiver.

Der Protagonist wird ja nicht nur durch die Liebe verändert, sondern auch durch das Land Kambodscha. Wie ist Ihnen das gegangen?

Kross: Ich glaube, dafür war ich zu kurz da. Aber ich habe mich wahnsinnig in das Land verliebt. Es ist sehr schön da, sehr entspannt. Auch für das Kino ein sehr schönes Land, man bekommt tolle Bilder. Wenn man da ist, ist man auf eine gewisse Weise ruhiger, man hat nicht so viel Stress wie hier.

Könnten Sie sich denn vorstellen, in ein solches Land zu ziehen, etwa der Liebe wegen?

Kross: Das habe ich mich natürlich auch gefragt, aber ich konnte es ehrlich gesagt nicht beantworten. Ich würde gerne sagen können, dass ich das genauso machen würde. Ich habe großen Respekt vor dieser Entscheidung, dass Benjamin nicht möchte, dass dieser Mensch von der Welt verschwindet und dass er dafür kämpft. Das ist wahre Liebe und hat auch viel mit Verantwortung zu tun.

Dieser Film ist zwar ein Film über Kambodscha, aber auch, obwohl nur wenige Szenen hier spielen, ein Film über Deutschland ...

Kross: Auf jeden Fall. Es geht um Kambodscha und Deutschland, um Same Same But Different, um zwei Länder, zwei Kulturen, zwei Menschen. Same Same But Different heißt für mich: Benjamin in Hamburg, wie er über die Straße geht und Sreykeo in Phnom Penh, wie sie über die Straße geht. Häufig gibt es sogar die selben Einstellungen im Film. Das gleiche passiert hier und dort, bloß auf eine andere Art und Weise.

Detlef Buck hat zu diesem Film gesagt: «Nie zuvor wurde mir so deutlich, dass Liebe Arbeit ist». Empfinden Sie das so wie er?

Kross: Jetzt werden natürlich alle sagen: «Und das sagt ein 19-Jähriger!», aber auf eine gewisse Art und Weise schon. Das gehört dazu. Am Anfang ist es natürlich immer schön und alles ist großartig, aber irgendwann kommt auch Arbeit oder es kommen die Probleme, die man bewältigen muss, um eine großartige Liebe zu erleben.

Es gab im Vorfeld einige Diskussionen darüber, dass Ihre Filmpartnerin Apinya Sakuljaroensuk keine Kambodschanerin ist, sondern Thailänderin. Haben Sie das als Widerspruch empfunden?

Kross: Diese Diskussion verstehe ich nicht. Es geht nicht um Thailand oder Kambodscha, es geht darum, dass sie richtig war, dass die Chemie gestimmt hat zwischen uns. Es war am Anfang zwar ein bisschen schwierig, weil sie kein Englisch konnte und immer ein Dolmetscher dabei war und ich keine Verbindung aufbauen konnte, aber irgendwann ist das Eis gebrochen und wir wurden die besten Freunde. Wir haben viel zusammen gemacht und hatten Respekt voreinander und auch die gleiche Art von Humor. Diese Chemie spürt man im Film.

Gerade die Sprache ist ja sehr wichtig für den Film, das Original wurde auf Englisch gedreht und untertitelt. Und dennoch gibt es eine Synchronfassung ...

Kross: Das stimmt, und ihren Part hat Apinya auch selbst gemacht. Sie hat wirklich jeden Satz einzeln eingesprochen, was sehr sehr schwierig war, aber das hat einen Charme.

Glauben Sie denn, dass diese deutsche Fassung so gut sein kann wie die Originalfassung, die ja viel näher an der Realität ist?

Kross: Ich habe auch gedacht: «Das kann nicht funktionieren». Aber wir haben das gemacht und viel haben gesagt, dass das nicht schlechter ist. Und das gibt es ja nicht so oft.

Detlef Buck, mit dem Sie ja jetzt schon zum zweitem Mal gearbeitet haben, ist einer der großen deutschen Regisseure, in Same Same But Different spielt zudem Mario Adorf mit, wenn auch nur in einer winzigen Nebenrolle, für den Vorleser haben Sie mit Kate Winslet gedreht. Haben Sie noch Lampenfieber vor großen Namen?

Kross: Auf jeden Fall, Lampenfieber gehört immer dazu. Ich glaube, wenn es aufhört damit, das ist nicht so gut. Und ich fand es großartig, Mario Adorf zuzusehen. Immer, wenn ich diese Szene anschaue, muss ich lachen. Wenn mein Bruder sagt, «Benjamin war gerade in Asien», und ich sage, «Kambodscha», und Mario Adorf lange überlegt und man denkt, «Was kommt jetzt?», und dann sagt er eigentlich nichts und wechselt das Thema. Das ist großer Humor und vor allem ist es unheimlich schwer zu spielen.

Vor allem durch den Dreh mit Kate Winslet sind Sie auch international wahrgenommen worden. Hat sich dadurch etwas für Sie verändert?

Kross: Ich möchte gerne weiter Filme machen und mein Traum wäre eigentlich, nicht zwischen deutschen und internationalen Produktionen zu unterscheiden.

Glauben Sie, dass Ihren deutschen Kollegen dazu manchmal die Selbstverständlichkeit fehlt?

Kross: Ich fände es schön, wenn man den Begriff international etwas weniger benutzen würde.

Das heißt, Hollywood als ein Beispiel ist kein Ziel für Sie?

Kross: Nein. Ich würde gerne weiter schöne Geschichten machen, das ist mein Ziel.

Keine weiteren Karriereziele?

Kross: Ich habe bis jetzt noch nie so richtig über Karriere nachgedacht. Ich hatte auch bis jetzt wahnsinniges Glück, muss ich sagen. Das gehört zu dem Beruf dazu.

Gibt es denn aktuelle Projekte?

Kross: Als nächstes spiele ich eine Nebenrolle, aber ich weiß nicht, ob ich da so groß drüber reden kann.

Ist eine Nebenrolle für Sie ein Rückschritt?

Kross: Nein, auf keinen Fall. Ich hatte ja bis jetzt noch nie eine. Man hat weniger Zeit, einen Charakter darzustellen, für mich ist das eine Herausforderung.

twa/news.de
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