Rettet uns jeder Klick?
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Von news.de-Redakteur Björn Menzel, Berlin
Artikel vom 13.01.2010
Das Internet kann sehr viel. Jetzt soll es auch noch den Regenwald retten. Junge Unternehmer aus Deutschland setzen auf den aktuellen Ökotrend und die Aversion gegen Google. Mit Erfolg.
Er arbeitet in Argentinien. Ein anderer in Moskau. Sie arbeitet in Berlin. Die Drei trennen im realen Leben Welten, doch im Internet ist es nur ein Klick. Außerdem verbindet sie eine Idee. Es ist keine besondere - sie wollen lediglich die Welt retten. Das wollen viele. Wer die Welt retten möchte, beginnt erst einmal mit dem Regenwald. Sauerstoff gleich Leben. So einfach ist das.
Jana Kroll macht nicht unbedingt den Eindruck, als ob sie ein Ökofreak ist. Sie ist 28 Jahre alt, hat ein kleines Kind und ist gelernte Apothekerin. «Sicherlich tut es gut, etwas für die Gesellschaft zu tun», sagt sie. Doch ihr Ansporn war ein anderer, als sie zusammen mit ihrem Bruder Christian vor einem Monat die ökologische Suchmaschine Ecosia.de gestartet hat. Die beiden trieb auch die Suche nach einem guten Geschäftsmodell.
Und wie es nach den ersten vier Wochen aussieht: Die Idee könnte zum Erfolg werden. Doch der Reihe nach. Vor zwei Jahren beendete Christian Kroll (26) sein Wirtschaftsstudium und wollte auf große Weltreise gehen. Es wurde nur eine halbe Weltreise. Christian blieb in Nepal hängen und kam in Kontakt zu verschiedenen Hilfsprojekten. Es ging unter anderem darum, Geld für Medikamente und eine nötige Operation zu sammeln. Das Geld, so die Idee von Christian, könnte mit Hilfe einer Suchmaschine eingetrieben werden.
Wie dies funktioniert, ist im Grunde sehr einfach. «Man baut eine sogenannte Frontpage und bindet zum Beispiel die Suchfunktion von Google ein», sagt Jana Kroll. Auf der Frontpage wird auf den guten Zweck hingewiesen, die Einnahmen werden mit Google geteilt. Immer dann, wenn einer über die Seite etwas im Internet sucht, landet er bei der Googlesuche. Dort sind Anzeigen geschaltet. Wenn der User sie anklickt, gibt es Geld für Google - und für Ecosia. Die Kunst besteht darin, so viele Menschen wie möglich auf die eigene Seite aufmerksam zu machen und somit die Einnahmen zu steigern.
Christian hatte dann eine weitere Idee. Er wollte den User selbst entscheiden lassen, welches Projekt er unterstützt. «Wir wollten mit vielen großen Hilfsorganisationen zusammen arbeiten», sagt Jana Kroll. Doch das habe nicht geklappt. Außerdem sehe es Google nicht so gern, mittels dieser Art und Weise uneigennützige Projekte zu unterstützen. Die Zusammenarbeit wurde gekündigt und ein neuer Anlauf gestartet. Dieses Mal mit Yahoo und Bing und dieses Mal mit dem World Wide Found (WWF). Der braucht Geld für ein spezielles Projekt: den Schutz des Regenwaldes in Juruena.
Das südliche Amazonas-Gebiet umfasst viele tausend Quadratkilometer. 19.000 davon sind in einem Projekt zusammengefasst. Die Nutzer von Ecosia.de können nun mithelfen, dieses Gebiet zu schützen. Die Ecosia-Macher haben mit einer Mischkalkulation ausgerechnet, dass mit jeder Sucheingabe knapp zwei Quadratmeter Regenwald gerettet werden können.
Seit dem Start am 7. Dezember, dem Datum des Beginns der Weltklimakonferenz in Kopenhagen, sind rund zehn Quadratkilometer zusammen gekommen. Denn 80 Prozent der Einnahmen werden gespendet, 20 Prozent behalten die Macher selbst ein. «Nach dem ersten Monat können wir 5000 Euro für das Projekt an den WWF spenden», sagt Jana Kroll.
Während sie das erzählt, sitzt ihr Bruder in Argentinien. Er arbeitet von da aus volltags am Projekt. Ein Programmierer sitzt in Moskau, ein anderer in Deutschland. Jana Kroll kümmert sich von Berlin aus um die Pressearbeit und Anfragen der Nutzer. «Wir wollen eine große Transparenz», sagt sie. Darum gibt es auch eine aktuelle Statistik auf der Seite. Die Nutzer würden das honorieren.
Und ob es eher die Google-Aversion oder der aktuelle Ökotrend ist, der den Ecosia-Machern den Zulauf beschert, kann Jana Kroll gar nicht genau sagen. «Es liegt wohl an beidem.» Dabei kommen die Suchanfragen nicht nur aus Deutschland. Viele User wohnen in Italien, Spanien und der Schweiz.
Die Welt wird Ecosia wohl nicht retten, aber ein Stückchen Regenwald. Jedoch: Das Juruena-Gebiet ist riesig - ähnlich den Möglichkeiten des Internets.
ped/reu/news.de
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"Christian hatte dann eine weitere Idee. Er wollte den User selbst entscheiden lassen, welches Projekt er unterstützt..." Das gibt's ja auch schon: http://www.benefind.de sucht nach User-Wahl zugunsten von Care, ARD Fernsehlotterie, SOS-Kinderdörfer, Die Tafel etc.
jetzt antwortenKommentar meldenIch finde den Kommentar des "Lestermauls" unangebracht. Mit diesem Programm kann man viel mehr retten als zB mit der Bier-Wariante, Bsp. ich benutze ecosia seit 3 Wochen und habe schon 631,1 m² geschützt -Also 631 Bierkästen-. Ich sehe in diese Idee echt eine Chance, zumal schon 11,29 Mio m² geschützt wurden. Mit freundlichen Grüßen Johannes Friedrich
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