Von news.de-Redakteurin Katharina Schlager
Mit Roadmovies haben es die Deutschen zwar nicht so. Aber auf den Sympath Friendship! um zwei Ossis unterwegs durch die USA sollte man sich einlassen und die Euphorie der Freiheit und der kleinen Dinge wiederentdecken.
Die Mauer ist gefallen, David Hasselhoff singt in Berlin von der Suche nach Freiheit und die Möglichkeiten sind schier grenzenlos. Was liegt da für die beiden ostdeutschen Freunde Veit und Tom näher, als ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu reisen? Zumal Veit dort in San Francisco hofft, seinen Vater zu finden, der zwölf Jahre zuvor aus der DDR geflohen ist.
Toms Eltern halten die Idee zwar für völlig bekloppt, schließlich können die Jungs ja nicht mal richtig Englisch, aber die Euphorie der neu gewonnenen Freiheit lässt sie, ohne lange zu überlegen, gen Westen aufbrechen. Dass ihr Budget gerade mal bis New Jersey reichen würde, haben sie dabei nicht bedacht. Zum Glück. Denn aus der Not heraus beginnt das Abenteuer der Ossis on the road. Per Anhalter mal mit einem Apfel rauchenden Kiffer oder als Sozius einer Biker-Gang erleben Veit und Tom die Weiten der Vereinigten Staaten. Bis sie tatsächlich in San Francisco landen.
Staunend durch das Land getapst
Was diesen post-ostalgischen Film von Regisseur Markus Goller so liebenswert macht, ist die unbändige Wunderblumen-Freude in Matthias Schweighöfers Gesicht. Der Schauspieler ist kurz vor dem Dreh selbst erstmals über den Atlantik geflogen und staunend durch das Land getapst. Das überträgt sich schnell aufs Publikum.
Aber: Wie viele andere Roadmovies krankt auch Friendship!, der Titel bezieht sich natürlich auf den sozialistischen Gruß der FDJler, an der episodenhaften Erzählstruktur, die von Slapstick, Ostalgiekomödie, Clash der Kulturen, Liebesfilm bishin zur DDR-Aufarbeitung alles und noch viel mehr will. Das ist ein bisschen dick für nur einen Film. Und am Ende wird die Geschichte nichts von dem so ganz gerecht.
Stripeinlage im Homoclub
Aber irgendwie muss sie das auch nicht. So wie die Reise nicht glatt läuft. Auf der Straße kann eben jederzeit alles passieren. Und das entzieht sich nun mal den Erzählkonventionen und bringt kleine Längen, aber auch viele nette Perlen mit sich, wie Veits und Toms russische Stripeinlage im Homoclub oder die jäh unterbrochene Liebesnacht mit zwei aufgegabelten Mädchen.
Nun tun sich die Deutschen ohnehin schon schwer mit dem Roadmovie-Genre, das es im landeseigenen Kino kaum gibt, sodass Friendship! auf wenig spontane Gegenliebe stoßen dürfte. Zu weit weg ist inzwischen die Idee, man könne einfach den Daumen rausstrecken und die Geschichte des Lebens einfach völlig ohne Spannungsbogen passieren lassen.
Der Schokoriegel als Symbol der Freiheit
Was bleibt, ist die perfekte natürliche Chemie zwischen Schweighöfer und Kinoneuling Friedrich Mücke. Zwei naive Sympathen in der großen weiten Welt, die sich über so kleine Dinge wie eine automatische Bettsteuerung herzlich amüsieren können, für die ein schnöder Schokoriegel die Freiheit symbolisiert und die mit ihrer neugierigen und unverbrauchten Lebensfreude das Publikum anstecken.
Dass der Film auf einer wahren Geschichte beruht und im Abspann die Fotos der echten trampenden Freunde zu sehen sind, lässt Fernweh aufsteigen und das Bedürfnis, die Welt durch diese Wunderblumen-Augen noch einmal völlig neu entdecken zu können.
Titel: Friendship!
Regie: Markus Goller
Darsteller: Matthias Schweighöfer, Friedrich Mücke, Alicja Bachleda
FSK: ab 12 Jahren
Filmlänge: 110 Minuten
Kinostart: 14. Januar 2010