Thrill am Deich
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Von news-de Mitarbeiterin Stephanie Bremerich
Artikel vom 11.01.2010
Tiefschwarzer Humor, skurrile Typen und Spannung bis zum Schluss – beim Montagskrimi Mörder auf Amrum im ZDF erwarten den Zuschauer nicht nur Mord und Totschlag im Ferienidyll, sondern auch eine gute Prise herber Friesencharme und jede Menge Filmzitate.
«Wie ist dat denn so in Berlin?» – «Laut.»– «Ist groß auch, Berlin?» – «Jo.» Nordisch-karge Wortwechsel beim abendlichen Absackerpils in der Inselkneipe. Der Polizist Helge Vogt (Hinnerk Schönemann) ist just zurückgekehrt aus dem Urlaub in der Hauptstadt. Mal ein bisschen Großstadtluft schnuppern. Das stößt bei den anderen Insulanern, dem wortkargen Bestatter Jörg (Hermann Beyer), der geschwätzigen Postbotin Carla (Barbara Rudnik) und dem potenten Sönke (Simon Schwarz) auf absolutes Unverständnis. Die sind sich sicher: Auf Amrum ist es doch am Schönsten.
Zwischen Watt und Deich scheint die Welt noch in Ordnung: Das beschauliche Nordseeidyll bietet nur wenig Arbeit für Helge und seinen Kollegen Heinz Koops (mal nicht als Bösewicht vom Dienst, sondern als stoffelig-liebenswerter Beamter: Thomas Thieme). Ab und an mal einen verirrten Touristen aus dem Watt holen oder entlaufene Haustiere einfangen – das war’s dann aber auch schon an amtlichem Aktionismus.
Auf einmal überschlagen sich die Ereignisse
Zumindest so lange, bis zwei blutüberströmte Frauen im Revier auftauchen und um Hilfe bitten: Mathilda (Irina Potapenko) wurde – strenggeheim und ohne vorherige Information der örtlichen Behörden – im Zeugenschutzprogramm auf der Insel untergebracht. Jetzt ist einer ihrer Bewacher erschossen worden. Russische Mafia, Maulwürfe im Bundeskriminalamt, Mörder auf Amrum? Auf einmal überschlagen sich die Ereignisse, nicht nur die Ordnungshüter Helge und Heinz, sondern auch der Bestatter Jörg bekommen einiges zu tun. Der tote BKA-Mann wird nicht das letzte Mordopfer bleiben.
Erfrischend politisch unkorrekt und schwarzhumorig, dabei spannend bis zum Schluss: Mit Mörder auf Amrum ist dem vielfach preisgekrönten Regisseur Markus Imboden (Hunger auf Leben, Frau Rettich, die Czerni und ich) ein deutscher Fernsehkrimi der etwas anderen Art gelungen. Wenige, jedoch originelle Figuren tragen die Handlung und liefern sich makabre Dialoge.
Insbesondere die Entwicklung des Protagonisten Helge, der vom schüchternen Beamten zum schneidigen Bodyguard und geläuterten Lokalpatrioten wird, macht Spaß. Hinzu kommen überraschende Pointen und natürlich die wunderschönen Landschaftsaufnahmen der Nordseeinsel. Dafür konnte Imboden auch diesmal absahnen: Der Inselthriller ist auf dem Filmfest Hamburg 2009 mit dem TV-Produzentenpreis ausgezeichnet worden.
Fast schon ein bisschen Tarantino
Cineasten dürfen sich zudem über zahlreiche Film- und Genrezitate freuen: Zeugenübergaben am Deich, Hinrichtungen unterm Leuchtturm und Verfolgungsjagden im Kneipenkeller – im Rahmen des Amrumer Inselidylls werden genüsslich altbekannte Mafiastreifen und Großstadtkrimis auf die Schippe genommen.
Fast schon ein bisschen Tarantino schleicht sich da zur Hauptsendezeit ins Zweite – jedoch angenehm unprätentiös inszeniert und ohne, dass die filmische Selbstreflexion ins Selbstverliebte kippt. Kleinere dramaturgische Unplausibilitäten sowie die im Grunde recht hanebüchene Story verzeiht man da gern. Das Subtile und Hintergründige sind denn auch generell die bemerkenswertesten Aspekte des Films, der die Gratwanderung zwischen Thrill und Satire gekonnt meistert. Sehenswert!
Mörder auf Amrum, Montag, 11.Januar 2010, 20.15 Uhr ZDF
bla/reu/news.de
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