Von news.de-Redakteur Christian Vock
Dass im Hotelgewerbe nicht immer alles koscher ist, haben wir ja geahnt. Die neue Dramedy-Serie Hotel Babylon führt uns nun hinter die Kulissen eines Nobelhotels. Eine Welt voller Intrigen, Schein und Scheine.
Versetzen wir uns einmal etwa 3800 Jahre zurück. König Hammurabi sitzt in Babylon ein paar Kilometer südlich vom heutigen Bagdad auf dem Thron. Statt sich mit den Spielereien, die einem König so zustehen, zu vergnügen, zog er es vor, sich mit dem eher trockenen Feld der Juristerei zu beschäftigen. Herausgekommen ist eine der ältesten Gesetzessammlungen der Geschichte. Nach dem Codex Hammurabi soll zum Beispiel, wenn er seinem Vater eine Ohrfeige gibt, dem Sohnemann die Hand abgehakt werden.
Anfang des heutigen Jahrtausends sieht das Ganze ein wenig anders aus: Babylon ist kein altertümlicher Stadtstaat mehr, sondern ein Fünf-Sterne-Hotel. Auf dem Thron sitzt kein König, sondern eine Geschäftsführerin und die Gesetze von Babylon sind weniger plakativ, dafür umso subtiler.
Hotel Babylon ist die neue britische Dramedyserie, die ab diesem Sonntag erstmals im deutschen Free-TV bei Comedy Central ausgestrahlt wird und uns hinter die Kulissen eines Nobelhotels führt. Hier erinnert nichts an schlampige Pensionen mit Haaren im Bad und Aufbackbrötchen am Buffet. Nein, im «Babylon» ist alles vom Feinsten, der Portier öffnet zuvorkommend die Tür und man betritt eine Welt des Bedientwerdens, denn im «Babylon» werden dem Gast alle Wünsche von den Augen abgelesen und zwar so subtil, dass der gar nicht merkt, dass es gar nicht seine Wünsche sind, die da erfüllt werden.
Hotel Babylon ist die TV-Adaption des gleichnamigen Bestsellers des englischen Journalisten Imogen Edwards-Jones, der die langjährigen Erfahrungen eines anonymen Hotelmanagers verarbeitet. Und bei dem Rundgang hinter die Hotelkulissen, erfährt man Dinge, die man bestenfalls geahnt hat, schlechtestenfalls gar nicht wissen will. Denn Hotelgewerbe ist immer noch Gewerbe und das lebt vom Geldverdienen. Keine weiß das besser als Geschäftsführerin Rebecca Mitchell (Tamzin Outhwaite) und die setzt deshalb alles daran, dass nicht nur ihre Gäste, sondern vor allem der Buchhalter des Hotels zufrieden ist.
Wie hält man den Karriere fixierten Chefportier auf Trab, was macht man mit einem Kreditkartenbetrüger und was mit einer Rockband, die sich nicht wie eine verhält und nicht die Hotelbar gewinnbringend leer säuft? Die Welt des fiktiven Londoner Hotels ist eine voller Intrigen, ganz banalen menschlichen Schicksalen und eine Welt voller Schein und Scheine. All das serviert in einem Ambiente, das man ganz neudeutsch als Lounge-Style bezeichnen würde. Die Hoteltreppen sind mit Neon-Licht beleuchtet und die Handlung wird von einer schwülstigen 1980er-TV-Serien-Musik begleitet.
In diesem schicken Ambiente ist die Wirkung, die man auf das Gegenüber ausübt, am wichtigsten und genau hier funktioniert auch der Humor der Serie am besten: Wenn die Scheinwelt aufgebrochen und Tacheles geredet wird. Da wird dann der zahmen Rockband eine Party untergejubelt, damit die endlich einmal die Sau raus lässt und das Hotelzimmer verwüstet. Humor, den man aus Serien wie Desperate Housewives oder Lipstick Jungle kennt, nur noch einen Hauch britischer.
Hotel Babylon lebt von «Ich hab's gewusst»-Momenten genauso wie von Schadenfreude und den Schicksalen der Figuren. Durchaus genug Potential, um zum sonntäglichen Pflichttermin zu werden.
Hotel Babylon, ab 10. Januar immer sonntags um 22.45 Uhr bei Comedy Central
nak/news.de