Jede Frau kann eine Schönheit sein
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Die Modelbranche dürfte davon recht wenig begeistert sein ...
Huber: Es ist nicht so, dass es eine Model-Vereinigung gäbe, die sich bei uns melden könnte. Wenn man vereinzelt mit Models spricht, mit denen wir früher auch gearbeitet haben, dann sagen die: «Für mich persönlich schade, aber ich finde den Schritt richtig und gut.» Aber es gibt natürlich noch genügend Zeitschriften, die mit Models arbeiten, insofern ist ihre Existenz durch uns nicht bedroht.
Der Eindruck der Fotos, sowohl was das Cover angeht, als auch die Fotostrecken, ist gar nicht gravierend anders. Laufen Sie nicht Gefahr, die Frauen durch das Fotografieren wieder zu Models zu machen?
Huber: Auch bei den früheren Produktionen waren die Strecken, die wir mit normalen Frauen gemacht habe, oft besonders lebendig. Niemand hätte gesagt, dass das keine Models sind, im Gegenteil. Die Brigitte hat ja auch früher schon Models gesucht, die besonders natürlich aussehen. Wir zeigen eigentlich nur etwas, was jede Frau letztlich weiß: Mit dem richtigen Licht, dem richtigen Makeup, den richtigen Kleidern und dem richtigen Fotografen kann man aus jeder Frau eine hinreißende Schönheit machen.
Ich hatte auch das Gefühl, dass weniger retouchiert wird, man sieht zum Beispiel kleine Fältchen ...
Huber: Ehrlicherweise haben wir früher auch nicht viel retouchiert, schon gar nicht, wenn es um Dinge wie Fältchen ging. Wir haben vor allem dann retouchiert, wenn die Frauen zu dünn waren und haben die ein bisschen aufgepolstert. Das behalten wir uns auch in Zukunft vor. Wenn eine Frau einen kleinen Bauch hat, dann bleibt der. Und wenn sie nicht perfekte Beine hat, bleiben die auch. Allerdings muss man auch da sagen: Wenn eine Frau deutliche Besenreiser hat, bekommt sie von der Stylistin Makeup auf die Beine.
Für eine Strecke haben Sie eine nicht mehr ganz junge Frau fotografiert, die ein Tattoo auf dem Arm hat. Auch so etwas ist also möglich.
Huber: Sie glauben gar nicht, wie viele Frauen Tattoos haben. Frauen haben sich in den letzten 20 Jahren ja oft tätowieren lassen, die Stars waren die Vorreiter und die jungen Frauen haben es nachgemacht, das ist ganz anders als noch in meiner Generation, ich bin Mitte 40, da gibt es nicht so viele tätowierte Frauen. Und Models lassen sich entweder nicht tätowieren, weil sie wissen, dass das schwierig ist, oder es wird nachher retouchiert. Letzteres werden wir nicht tun.
Ich nehme an, für Aussagen über die Auflage ist es noch zu früh?
Huber: Ja, wir können nur sagen, dass der erste Trend sehr positiv ist und dass es sehr viele Nachbestellungen gibt, weil das aktuelle Heft an vielen Stellen schon ausverkauft ist.
Unabhängig davon, ob Ihre Entscheidung für Sie ein Erfolg wird, etwa, was die Auflage angeht, wird es nach diesem Schritt wahrscheinlich kein Zurück geben, oder?
Huber: Nein. Die Entscheidung ist getroffen. Die Brigitte ist seit mehr als 50 Jahren auf dem Markt und Marktführer. Das heißt, wir haben auch ein Erbe zu verantworten. Wenn wir uns zu einem so radikalen Schritt entschließen, dann müssen wir uns das vorher schon so gut überlegen, dass wir nicht nach ein paar Monaten sagen, dass es doch keine so gute Idee war.
Zumindest fürs Erste bringt Ihnen Ihre Entscheidung ein Alleinstellungsmerkmal. Hoffen Sie trotzdem, dass Ihre Idee Nachahmer finden wird?
Huber: Klar, wir finden es generell begrüßenswert, wenn unsere Initiative Nachahmer fände. Wir hören das auch aus der Branche, dass gekünstelte Fotostrecken mit ganz ganz dünnen Frauen als langweilig und austauschbar empfunden werden. Wenn es da ein neues Verständnis gäbe, fänden wir das gut.
Was wird in den kommenden Ausgaben passieren?
Huber: Als nächstes werden wir auf dem Titel eine etwas ältere Frau haben, aber älter ist natürlich relativ. Sie ist Anfang 30 und Architektin und wahrscheinlich verblüffender als die junge Frau auf dem ersten Ohne-Models-Cover.
Das heißt, das aktuelle Cover war noch ein wenig mit Vorsicht gewählt?
Huber: Nein. Wir hatten sicher 20 Cover zur Auswahl und wir haben eine gewählt, mit der wir ganz viel assoziieren und die für uns ganz viel von dem darstellt, was wir mit dieser Aktion verbinden: Eine natürliche Frau, die schön und sympathisch aussieht, die gelassen wirkt und auch eine selbstbewusste und fröhliche, offene Art hat, optimal, um damit ein neues Jahr zu eröffnen. Die hat für uns unsere Botschaft am besten auf den Punkt gebracht.
Brigitte Huber, 45, ist Chefredakteurin von Brigitte und brigitte.de, eine Position, die sie gleichberechtigt gemeinsam mit Andreas Lebert innehat. Nach einem Studium der Neueren Deutschen Literatur, Anglistik und Kommunikationswissenschaften besuchte sie ab 1986 die Deutschen Journalistenschule und arbeitete für die Abendzeitung München und die Frauenzeitschrift Freundin. Die Autorin mehrerer Fachbücher und Herausgeberin einer Buchreihe ist seit 2003 bei Brigitte.
juz/news.de
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Ich denke der Brigitte sind Models ganz einfach zu teuer geworden und nun verkauft man uns das als ganz tolle neue Erfindung. Ganz schön schlau von Gruner und Jahr!
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