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Lester Maul ist eine Kunstfigur, die bissig, böse und aus dem Bauch heraus das aktuelle Geschehen exklusiv auf news.de kommentiert. Hinter der Figur stecken mehrere Kabarettisten. Ihre Beiträge entstehen unabhängig von der Redaktion. Sie sollen provozieren, amüsieren und orientieren – und bloß kein Blatt vor den Mund nehmen.
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Es wird auch Zeit, dass sich die Mode den Frauen anpasst und nicht die
Frauen der Mode.
Frau Huber, die neue Brigitte ist nun einige Tage auf dem Markt. Wie sind die ersten Reaktionen?
Huber: Die überwiegende Mehrheit unserer Leserinnen ist total begeistert. Wir haben teils ausführliche Mails bekommen, zum Teil gibt es aber auch kritische Stimmen. Manche hätten gerne mehr über die Frauen gewusst, andere gern die Mode stärker im Vordergrund gehabt. Doch wir freuen uns, dass es gelungen ist, die hohen Erwartungen auch zu erfüllen.
Gab es denn aus der Branche Reaktionen?
Huber: Wir kriegen natürlich von unseren Kollegen sehr viel positives Feedback. Offizielle Stellungnahmen gibt es weniger.
Glauben Sie denn, dass auch andere diesen Weg gehen werden?
Huber: Wir können schon feststellen, dass jetzt auch Mitbewerber ganz dezidiert auf Leserinnengeschichten setzen. Das ist ein Zeichen dafür, dass sie unsere Initiative sehr wohl zur Kenntnis genommen haben und gut finden. Und das freut uns.
Einer der Gründe, warum Sie auf professionelle Models verzichten, ist der Schlankheitswahn. Gab es noch andere Gründe?
Huber: Wir finden es nicht mehr zeitgemäß, vorne im Heft relativ austauschbare Gesichter in einer ernstzunehmenden Frauenzeitschrift abzubilden, während wir uns im zweiten Teil sehr intensiv mit den Leserinnen, ihrer Persönlichkeit und ihren Problemen und Wünschen auseinandersetzen. Im vorderen Teil gab es dieses Platzhaltersyndrom, dass immer andere Frauen statt unserer Leserinnen die Mode gezeigt haben. Natürlich waren das schöne Frauen, aber letztlich waren sie gesichtslos, hatten keine eigene Identität, keinen Namen und durften nicht als Persönlichkeit in Erscheinung treten. Wir sind der Überzeugung, dass Frauen heute keine Stellvertreterinnen mehr brauchen. Gleichzeitig haben wir das Gefühl, dass unsere Modeproduktionen jetzt lebendiger und authentischer sind. Es ist ja so, dass sich die Mode ganz stark verändert hat in den letzten Jahrzehnten. Frauen lassen sich längst nicht mehr nur von Designern sagen, was sie anziehen sollen.
Von wem dann?
Huber: Sie lassen sich zum Beispiel ganz stark von Streetstyles inspirieren, das ist etwas, das wir auf unserer Internetseite immer wieder wahrgenommen haben. Wenn wir auf den Straßen der Metropolen Frauen fotografiert haben, wurde das besonders stark geklickt, die großen Fashionshows im Vergleich deutlich weniger. Es ist unser Interesse, die Vielseitigkeit von Mode abzubilden und den Geschmack, den Frauen haben, widerzuspiegeln.
Nun haben Sie ja trotz Ihres Engagements gegen den Schlankheitswahn wieder die Brigitte-Diät im Heft. Tappen Sie sich da nicht selbst in die Falle?
Huber: Nein. Selbstverständlich ist das ein Thema, dem sich die Brigitte immer wieder gestellt hat. Doch wir bieten seit nahezu 40 Jahren die wissenschaftlich anerkannteste Methode, lästiges und zum Teil ungesundes Übergewicht loszuwerden. Und da geht es nicht darum, sich von Größe 36 auf Größe 34 runterzuhungern, sondern darum, Gewicht nachhaltig und auf eine gesunde und sattmachende Art und Weise zu reduzieren. Nicht umsonst wird die Brigitte-Diät von den meisten Ärzten empfohlen. Und wir wissen heute auch, dass leichtes Übergewicht unter Umständen im Alter sogar von Vorteil sein kann.
Dennoch sind die Frauen, die Sie für das aktuelle Heft fotografiert haben, durchweg schlank. Glauben Sie, dass irgendwann die Zeit gekommen ist, auch fülligere Frauen ins Heft zu nehmen?
Huber: Ja, das werden wir in den folgenden Heften immer wieder mal tun. Wir haben jetzt höchstens mal eine vollschlanke Frau im Heft, da haben Sie Recht. Dafür haben wir das Altersspektrum sehr weit aufgemacht. Die jüngste Frau ist 21, die älteste 72. Wir wollten im ersten Heft nicht gleich alle Kriterien erfüllen, die man mit unserer Revolution verbindet, weil das zu viel gewollt ist.
Frauen können sich derzeit bei Ihnen bewerben. Wie ist die Resonanz auf dieses Angebot?
Huber: Die Fülle der Rückmeldungen hat uns extrem überrascht. Ich habe persönlich gedacht, dass sich vielleicht ein paar Dutzend oder ein paar Hundert bewerben. Aber wir hatten schon Ende letzten Jahres über 20.000 Bewerbungen. Das hilft uns jetzt natürlich extrem.
Hat sich dadurch auch Ihre Arbeit verändert?
Huber: Für unsere Kollegen aus den Bereichen Mode und Beauty und aus dem früheren Model-Booking natürlich schon. Wir haben bislang zwei Frauen gehabt, die die Models gebucht haben und die jetzt eben die Frauen suchen, die wir fotografieren können. Sie haben den Blick dafür, insofern ist das kein komplett neuer Beruf, aber es ist eine Umstellung für sie, ebenso wie für die Fotografen und Teams. Die Arbeit mit Nicht-Models verlangt an mancher Stelle ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl und ist teils auch zeitaufwändiger. Ein Model ist es gewohnt, in schwierigen Posen bei widrigen Temperaturen mit einem Dauerlächeln auszuharren, während eine normale Frau nach eineinhalb Stunden sagt: «Ich will jetzt eine Pause machen.» Aber es funktioniert und das sogar verblüffend gut.
Leserkommentare (1)
Ich denke der Brigitte sind Models ganz einfach zu teuer geworden und nun verkauft man uns das als ganz tolle neue Erfindung. Ganz schön schlau von Gruner und Jahr!
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