Von news.de-Redakteurin Julia Zahnweh
Die erste Brigitte ohne Profi-Models ist erschienen. Mit ihr sollte eine neue Ära im Kampf gegen den Magerwahn beginnen. Doch rausgekommen ist eine Brigitte, die immer noch Kleidergröße 36 zu tragen scheint. Wo sind die echten Frauen?
Schlägt man die neue Brigitte auf, lächeln einem zwei Frauen entgegen: Die eine zeigt stolz ihre Falten, die andere ihre gesunden Rundungen. Beide strahlen eine große Lebensfreude aus. Auf den nächsten Seiten gibt es mehr davon: Frauen, die dem gängigen Schönheitsideal nicht entsprechen, aber echte Frauen sind. Über ihren Fotos steht der Satz «Wenn man einmal damit anfängt, wahre Schönheit zu zeigen, kann man einfach nicht mehr damit aufhören.»
«Recht hat die Brigitte», möchte man laut rufen, doch leider handelt es sich bei diesem weisen Satz «nur» um den Werbe-Slogan der Dove-Werbung, der die neue Brigitte eröffnet. Der Slogan der neuen Brigitte müsste eher lauten:«Wenn man einmal mit der Diät anfängt, kann man einfach nicht mehr damit aufhören». Kurvige Frauen wie die aus der Dove-Werbung findet man in der neuen Brigitte nämlich nicht. Dafür Laien-Models, die ohne Probleme als Profis durchgehen würden. Von einer neuen Ära, die die Redaktion im Editorial ankündigt, keine Spur.
Ob man gegen den Schlankheitswahn auf diese Weise wirklich ankämpfen kann, wie das ambitionierte Ziel der neuen Brigitte lautet, ist fraglich. Bisher ist der Zeitschrift mit ihrer Ohne-Models-Kampagne nur eines gelungen: eine riesige PR-Kiste, die dem Kampf gegen sinkende Leserzahlen dienen soll. Dass sogar der US-Sender CNN über die neue Brigitte berichtet, beweist, dass immerhin dieser Plan aufgegangen ist.
Wo sind die Kurven und die Falten?
Beim Durchblättern der Zeitschrift werden sowohl Kritiker als auch Befürworter der Kampagne feststellen, dass eine Revolution einfach anders aussieht. Bereits das Titelbild unterscheidet sich nicht von früheren Brigitte-Covern: Eine Frau lächelt den Leser an, während die neue Brigitte-Diät und die große Kalorien-, Fett- und Energiedichte-Tabelle für die Handtasche beworben werden. Wo sind die neuen Frauen, wo sind die Kurven, wo die Falten? Wo die kleinen Makel, die sie zur echten Frau machen?
Unten rechts am Rand der Zeitschrift erfährt der Leser, dass es sich bei dem Titelbild-Model um Christina Richter, 21 aus Kiel, handelt, eine der mittlerweile 20.000 «normalen» Frauen, die sich bei der Zeitschrift für ein Fotoshooting beworben haben. Claudia ist eine schöne Frau, die ohne Probleme auch als Profi-Model durchgehen würde. Schaut man genau hin, fallen einem immerhin ein paar nicht wegretuschierte Falten unter Claudias Augen auf. Ist das nun die Revolution?
Mehr Mut wäre wünschenswert
Weiter hinten im Heft finden wir die 45-jährige Didda Jónsdóttir. Die Künstlerin aus Reykjavik präsentiert dort Abendkleider und beim Anblick ihrer Fotos hat man erstmals dieses Gefühl, dass einem eine «echte Frau» anblickt. Sie zeigt stolz ihre Falten, ihre Posen wirken natürlich. Und man fragt sich, warum die Brigitte nicht mutig genug war, die Isländerin auf dem Titelblatt abzubilden. Das wäre ein klares Statement für den Beginn einer neuen Ära gewesen.
Trotz aller Kritik ist der Ansatz der neuen Brigitte kein falscher, aber mutig ist er nicht und noch weniger revolutionär. Die Brigitte-Leser wären bereit gewesen für echte Frauen, die ihnen tragbare Mode präsentieren. Und bei 20.000 Bewerberinnen wären bestimmt auch mehr Frauen dabei gewesen, die sich gerne mit ihren Falten und Kurven in Szene hätten setzen lassen wollen.
Natürlich sollen auch schlanke Frauen abgelichtet werden, aber das Verhältnis stimmt einfach nicht. Ob groß, klein, dick, dünn, faltig oder dürr - sie alle müssten in der neuen Brigitte vertreten sein. Dass sie es nicht in die Erstausgabe der neuen Brigitte-Epoche geschafft haben, ist enttäuschend und gibt wenig Anlass zur Hoffnung.
Wer sagt denn eigentlich, dass diese ach so bööösen Models keine "echten Frauen" sind? Immer dieses Gefasel von den angeblichen echten Frauen - die unbedingt ihre "Fehler" haben müssen und diese Fehler soll man dann bitte auch bei Modefotografie(!) explizit in die Kamera rücken, sonst wäre sie nicht echt - das ist doch totaler Quatsch. Die Wahrheit ist: Es gibt tatsächlich schöne Frauen - die sind auch "echt" und sehen auf Fotos einfach besser aus. Findet euch damit ab.
jetzt antwortenKommentar meldenbrigitte woman ist meine zeitung - ich mag all die models, die dort abgebildet sind, obwohl auch kaschiert, weichgezeichnet, aber individuell neugierig geworden, habe ich mir die o.a. ausgabe der brigitte gekauft. keine revulotion, halbherzige neuerungen, die keine sind. selbst diese models sehen ja in natura anders aus - nicht so perfekt geschminkt, nicht weichgezeichnet, nicht mit teuren klamotten dekoriert - was soll das? warum keine frau natur pur, die sich auch so gibt, wie sie aussieht - das wäre revulotionär.
jetzt antwortenKommentar melden