Von news.de-Redakteur Christian Mathea
Die Weltleitwährung Dollar hat die Welt in die Krise geführt. Aber auch mit dem Euro an dessen Stelle würde es der Wirtschaft nicht besser gehen. Sagt Georg Zoche. In seinem Buch Weltmacht Geld erklärt der Autor, warum das so ist.
Greenback oder Buck, so nennen die Amerikaner umgangssprachlich den US-Dollar - die Weltleitwährung. Im Buch Weltmacht Geld spielt die amerikanische Landeswährung die Hauptrolle. Der Maschinenbauer, Philosoph und auch ein bisschen Visionär Georg Zoche beschreibt darin ausführlich, wie die Welt zum (Un)glück einer Dollar dominierten Wirtschaft gekommen ist.
Vor den Kapiteln zur Dollarinvasion geht Zoche auf Versuche anderer Staaten ein, eine Weltleitwährung zu definieren. Sei es durch die Nazis, die ihre Reichsmark dafür vorgesehen hatten oder durch den Briten John Maynard Keynes, der eine national unabhängige Währung mit Namen Bancor schaffen wollte.
Der supranationale Bancor samt seiner Verrechnungsbehörde wäre für Zoche eindeutig die bessere Alternative zum Dollar. Kein Staat hätte in Keynes' globalen Währungssystem Vorteile gehabt, kein Staat hätte zu viele Schulden anhäufen und kein Staat hätte über alle Maße exportieren können. Das jetzige Ungleichgewicht der Weltwirtschaft hätte es laut Zoche im Bancor-System nicht gegeben.
Die Invasion des Dollars
Doch in Bretton Woods, auf der entscheidenden Konferenz am Ende des Zweiten Weltkrieges, spielte sich alles anders ab. Die amerikanische Seite unter Finanzminister Harry Dexter White setzte, das zeigt Zoche anschaulich, ihren lang gehegten Plan durch; und den Dollar als Weltleitwährung ein. Mit schwerwiegenden Folgen für die Weltwirtschaft. Die Welt wurde nach Zoches Lesart gezwungen, Dollar zu halten. Die Amerikaner druckten den Greenback nach Belieben, konnten damit ihre Kriege finanzieren und im Übermaß konsumieren.
Besonders detailliert ist in Weltmacht Geld die Zeit nach dem 11. September beschrieben, in der die US-Notenbank Fed mit immer neuen Zinssenkungen versuchte, den Finanzmarkt mit immer mehr billigem Geld zu überschwemmen. Und das ist für Zoche die entscheidende Ursache für die Finanzkrise.
Ein Buch für Freunde vieler Zitate
Das besondere an Zoches Buch sind die vielen Zitate, die teilweise bis zu einer Seite lang sind. Für Historiker oder Freunde historischer Dokumente ist Weltmacht Geld empfehlenswert. Unmengen an Zeitungsartikeln und Protokollen hat der Autor zusammengetragen, sogar O-Töne davon, was John Maynard Keynes und sein Gegenspieler Harry Dexter White von der Qualifiktion des jeweils anderen hielten.
Die vielen Unterbrechungen stören aber den Lesefluss. Zumal sich Einschätzungen des Autors und Zitate oft doppeln. Leser, die nach einer flüssig geschriebenen Geschichte über des Aufstiegs des Dollars als Weltleitwährung mit verständlichen Argumentationen suchen, kommen deshalb weniger auf ihre Kosten.
Abgesehen davon, dass Zoche die Ursache der aktuellen Krise noch vor die Immobilienspekulation in den USA legt und mit Bretton Woods einsteigt, enthält sein Buch zum aktuellen Stand der Krise nichts Neues.
Zoches Vision
Sein Ausblick ist aber trotzdem innovativ, wenn auch ein wenig science fiction. Für Zoche ist die Epoche des Dollar anscheinend bald zu Ende. Euro, Yen und andere nationale Währungen lehnt der Autor als Ablösung jedoch ab. Er fordert deshalb, die Menschheit solle wegkommen von einer Weltleitwährung, die ein bestimmtes Land bevorteilt.
Der Autor schlägt stattdessen vor, dass jeder Mensch in Zukunft selbst entscheiden solle, in welcher Währung er sein persönlichen Konto führt. Für Zoche wäre es möglich, dass auch in Gold oder Kaffee zu tun. Wenn jemand in seiner Welt mit Gold im Restaurant bezahlt, wird dieses Gold bei der Transaktion sofort in Kaffee umgewandelt wird, weil das Restaurant sein Konto wiederum in Kaffee führt. Alles möglich durch moderne Informationstechnologie. Ob das funktionieren kann, steht hoffentlich in einem anderen Buch.
seh/news.de