Historische Romane Die Zeiten ändern sich

Historische Romane (Foto)
Historischer Roman Zu Ehren des Königs. Bild: dtv

War das Mittelalter bisher fester Schauplatz historischer Romane, spielen die neuesten Titel immer später. Die Bücher dieses Winters.

Von mutigen Bürgertöchtern und ritterlichen Kavalieren, von Machtkämpfen, Hexenwahn, Tod und der Liebe erzählen die historischen Romane dieses Winters. Dabei scheint das Hochmittelalter als Kulisse für die Werke dieses Genres seinen Spitzenplatz auf der Beliebtheitsskala eingebüßt zu haben, denn viele Romanautoren haben sich in ihren neuen Werken anderen Zeiten, von der beginnenden Neuzeit im 16. bis ins 18. Jahrhundert, und Ereignissen in den verschiedensten Ländern zugewandt.

Die Amerika-Verschwörung

Die Britin Vanora Bennett etwa, die bereits mit ihrem Debüt Bildnis einer jungen Frau ein fesselndes Sittengemälde Englands im 16. Jahrhundert gemalt hat, beschreibt in ihrem neuen Roman Die Seidenprinzessin das Ende der Rosenkriege, die ihr Heimatland ein Jahrhundert früher in Atem gehalten haben. Vor diesem Hintergrund schildert Bennett, wie eine junge Frau die erste Seidenweberei gründen und damit das Monopol italienischer Stadtstaaten brechen will. Ebenfalls ins 15. Jahrhundert entführt ihr Landsmann Bernard Cornwell die Leser seines Romans Das Zeichen des Sieges. Aus der Perspektive eines jungen Mannes aus dem Volk wird die Schlacht von Azincourt beschrieben, in der während des Hundertjährigen Krieges eine weit unterlegene englische Armee Frankreich besiegte. Hundert Jahre später spielt der neue Roman des italienischen Erfolgsduos Monaldi & Sorti, Die Entdeckung des Salai: Ein Adoptivsohn des Künstlers Leonardo da Vinci sucht in Rom einen Atlas, in dem zum ersten Mal Amerika erwähnt wird. Dabei gerät er ins Fadenkreuz gefährlicher Verschwörer.

Vermeintliche Hexen und ein vernunftbegabter Inquisitor stehen im Mittelpunkt des zu Beginn des 17. Jahrhunderts im Baskenland angesiedelten Romans Die Spur der Hexe von Nerea Riesco. Das «Buch voller Magie und Zauberkraft» (El Pais) ist das erste in deutscher Sprache erschienene Werk der in Bilbao geborenen Journalistin. Die Rivalität zwischen dem französischen König Ludwig XIV. und seinem ehrgeizigen Beamten Nicolas Fouquet (1615-1680) hat Rosemarie Marschner zum Thema ihres Romans Zu Ehren des Königs gewählt. Zunächst vom 20 Jahre jüngeren Monarchen bewundert, wurde Fouquet später zur Zielscheibe des königlichen Neides, der ihn vor Gericht und schließlich für die letzten 15 Jahre seines Lebens in den Kerker brachte.

Wie Donna Cross' Päpstin kommt auch Friederike als Mann verkleidet ans Ziel ihrer Wünsche, nämlich als Die Porzellanmalerin in einer der neuen Manufakturen zu arbeiten. Hinter dem Pseudonym Helena Marten verbergen sich zwei Frankfurter Autorinnen aus der Verlagsbranche. Sie entwerfen in ihrem Roman ein abwechslungsreiches Sittengemälde der europäischen Gesellschaften im 18. Jahrhundert. Eine bemerkenswerte historische Frauenfigur steht im Mittelpunkt des neuen Romans von Petra Durst-Benning: Die Zarentochter Olga (1822-1892) heiratete den Württembergischen König und war in ihrem Reich wegen ihres sozialen Engagements überaus beliebt. Heute noch tragen Schulen und Krankenhäuser in Stuttgart ihren Namen.

Gespenstische Familiensaga

Von Schlachten, Seuchen, blindem Glaubenswahn und Ritterehre erzählt der Münchner Ulf Schiewe in seinem opulenten Werk Der Bastard von Tolosa. Im Zentrum steht Jaufré Montalban, der als provenzialischer Ritter 1096 auf Kreuzzug geht und erst vierzehn Jahre später in seine Heimat zurückkehrt, wo er keineswegs mit offenen Armen empfangen wird. Ganz nach oben in die Bestellerlisten hat sich Sabine Ebert mit ihrem Buch Blut und Silber katapultiert. Mit ihrer Heldin Änne schließt Ebert an ihre erfolgreichen Hebammen-Romane an, denn die Ende des 13. Jahrhunderts in der Silberstadt Freiberg lebende Frau ist eine Nachfahrin der Hebamme Marthe. Etwa zur selben Zeit entführen schwarz gekleidete Reiter aus einem südfranzösischen Pfarrhaus einen Jungen. Es ist dies der Auftakt der Geschichte Advocatus Diaboli von Romain Sardou (Das dreizehnte Dorf), die nach Meinung der Kritik von Paris Match «ein perfekt recherchierter historischer Roman» und darüber hinaus auch «ein Thriller mit einem spannungsgeladenen Plot» ist.

Als historischer Roman des Jahres 2008 wurde in Frankreich Diane Meurs Die Lebenden und die Geister ausgezeichnet, der in seiner Konzeption an Isabel Allendes Geisterhaus erinnert, allerdings im habsburgisch besetzten Galizien des 18. Jahrhunderts spielt. Die Familiensaga erstreckt sich über ein Jahrhundert und vier Generationen und ist nach Meinung der Zeitschrift Elle so spannend, dass sich die rund 500 Seiten «in einem Rutsch» lesen lassen. Vom rauen Dasein an der Ostseeküste im 18. Jahrhundert erzählt Konrad Hansen in seinem Roman Die Kinder der Meerfrau. Hansen entwirft ein lebendiges Panorama vom gefährlichen Leben mit Walfängern, Glücksrittern und Sklavenhändlern.

voc/juz/news.de/dpa

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