Turteln beim Staatsempfang? Die ARD widmet sich in der dreiteiligen Reihe Liebe an der Macht prominenten Politikerpaaren. Den Anfang macht heute das amerikanische Präsidentenpaar Michelle und Barack Obama.
Schon in der Antike spielte das Zwischenmenschliche in der Politik eine tragende Rolle. Wie lieben Herrschende und wen und warum, welche Folgen entstehen daraus für die Beherrschten?
Diese Fragen beschäftigen seit Generationen Historiker, aber auch ganz normale Menschen, Stammtischler und Hobbypsychologen. So sind Julius Caesar und Kleopatra wohl der Archetypus für ein Paar der Liebe an der Macht, wie die ARD ihre gar nicht historische, sondern zeitgenössische Dokureihe nennt, die an diesem Montag um 21.45 Uhr mit ihrer dritten Staffel startet. Als erstes Paar stehen die Kennedys des 21. Jahrhunderts im Fokus der Filmemacher: US-Präsident Barack Obama und seine Frau Michelle.
Die 45-minütige Dokumentation von Francesca D'Amicis, Petra Höfer und Freddie Röckenhaus beginnt mit einer öffentlichen Liebeserklärung von Michelle Obama an den damaligen Präsidentschaftsanwärter - nicht ohne einen ironisch-liebevollen Seitenhieb auf seine «abstehenden Ohren». Gleich darauf darf er erklären: «Ich liebe sie so sehr und bin so dankbar, dass sie in meinem Leben ist.» Selten wohl hat ein Präsidentenpaar so offen mit seinen Gefühlen füreinander kokettiert, gespielt und die Massen begeistert.
Obama-Biografen, US-Journalisten und -Politikexperten bestätigen den Filmemachern, wie echt und innig die Beziehung der beiden zueinander sei. Sie habe ihn, den Politprofi, menschlicher erscheinen lassen, ihn geerdet im amerikanischen Familienleben. Interviews und Auftritte des Paares unterstreichen das, machen deutlich, wie das Paar langsam aber stetig zu einem Vorbild für Millionen wurde. Der Film zeigt auch, wie stark die Kampagne von Obama auf das Duo Barack-Michelle und nicht nur auf den Politiker Barack abgestimmt war.
Traditionelles Ehemodell bei den Kohls
Im zweiten Teil am Dienstag (5. Januar, 21.45 Uhr) geht es dann um ein ganz anders geartetes Paar: Helmut und Hannelore Kohl. In ihrer klassischen Rollenverteilung - er der wichtige Staatsmann, sie der treu sorgende Familienmensch mit karitativen Aufgaben - verkörperten die Kohls das traditionelle Ehe-Modell der Nachkriegsgeneration.
Beim französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy und seiner Frau Carla Bruni - präsentiert im dritten Teil am Mittwoch (6. Januar, 21.45 Uhr) - herrscht ein wiederum völlig anderes Modell vor. Der erfolgreiche Machtmensch Sarkozy trifft auf die als Model und Sängerin ebenfalls erfolgreiche Bruni - zwei die schon vor ihrer Verbindung im Rampenlicht standen und nun mit ihrer Doppel-Popularität umgehen müssen.
Dabei stellt die Dokureihe des Westdeutschen Rundfunks (WDR) auch die Fragen: «Lieben sich zwei und sind an der Macht? Oder lieben zwei die Macht? Kann die Liebe dem Machterhalt dienen? Und was macht die Macht mit der Liebe? Oder macht Macht etwa erst sexy?», wie es im Presseheft heißt. Die Antworten sind allerdings ebenso vielfältig wie die Fragen.
Schon in den Jahren 2004 und 2005 nahm sich die ARD in jeweils drei Dokumentationen dem Leben prominenter Paare an: Raissa und Michail Gorbatschow, Margot und Erich Honecker sowie Hillary und Bill Clinton im Jahr 2004; Marianne und Franz Josef Strauß, Margaret und Denis Thatcher sowie Nancy und Ronald Reagan im Jahr 2005.
amg/voc/news.de/dpa