Von news.de-Mitarbeiter Dieter Oßwald
2009 war ein enorm erfolgreiches Jahr für den deutschen Film, künstlerisch wie kommerziell. Die Lobeshymnen darauf sind noch nicht ganz verklungen, da geht der Höhenflug schon munter weiter.
Zum Auftakt erzählt Urgestein Joseph Vilsmaier (Stalingrad) mit spektakulären Bildern in Nanga Parbat (Kinostart 14. Januar) die dramatische Geschichte des Bergsteigers Reinhold Messner, der bei der Erstbesteigung anno 1970 im Himalaya seinen Bruder verlor. Jungfilmer Frieder Wittich setzt derweil auf Vergnügliches und präsentiert mit 13 Semester (7. Januar) eine charmante Studentenkomödie über den Uni-Alltag in der hessischen Provinz: Lernstress, Liebeskummer, Geldprobleme. Für seinen ersten Kinostreich konnte der schwäbische Nachwuchsregisseur sogar Maestro Loriot höchstpersönlich als Mentor gewinnen, der dem Comedy-Novizen eigens ein paar Stunden Humornachhilfe spendierte.
Traditionell tiefer gelegt kommt die Komik bei Tom Gerhardt daher, dessen Superbullen (9. September) das entführte Geißbock-Maskottchen des 1. FC Köln vor einem entscheidenden Spiel wiederfinden wollen. Auf ähnlichem Ballermann-Niveau bewegt sich Cartoon-Zeichner Röttger Feldmann, der seinen Werner-Fans ein neues Leinwandabenteuer gönnt (19. August). Klamauk-Veteran Otto Waalkes geht gleichfalls ins Gag-Rennen und macht sich mit Otto’s 11 (16. Dezember) über Steven Soderberghs Kult-Krimi Ocean’s Eleven lustig.
Nach ihren nachdenklichen Kirschblüten wird sogar Doris Dörrie wieder von der leichten Muse geküsst, ihre Friseuse (18. Februar) handelt von einer arbeitslosen Friseurin, die in einer Plattenbausiedlung in Berlin-Marzahn mit der Eröffnung eines eigenwilligen Salons gegen alle Widerstände trotzig ihr kleines Glück in die eigene Hand nimmt. So breit gefächert das Komödien-Spektrum, so bunt fällt der Reigen der Biographien aus, von Dichterfürst bis Tanzlegende: Da bekommt Goethe (gespielt von Alexander Fehling, noch ohne Starttermin) ebenso sein filmisches Denkmal wie der Skandal-Rapper Bushido - der gewohnt unbescheiden (nach Drehbuch von Bernd Eichinger) gleich selbst die Hauptrolle in Zeiten ändern Dich (4. Februar) übernimmt.
Kino-Provokateur Oskar Roehler widmet sich in Jud Süss – Film ohne Gewissen (noch ohne Starttermin) dem Schauspieler Ferdinand Marian, der 1939 den großen Karrieresprung wittert und auf Drängen von Joseph Goebbels (Moritz Bleibtreu) die Titelrolle in dem antisemitischen Propagandafilm von Veit Harlan spielt. Wim Wenders schließlich, gleichfalls auf Bio-Geschmack gekommen, inszeniert seine cineastische Verneigung vor Tanz-Ikone Pina Bausch im räumlichen 3D-Format à la Avatar. Sein einstiger Neuer-Deutscher-Film-Weggefährte Werner Herzog, inzwischen im Hollywood-Exil, wird nach langer Pause endlich wieder in den heimischen Kinos zu sehen sein: Mit Bad Lieutenant (25. Februar) präsentiert er mit Nicolas Cage eine Neuauflage von Abel Ferraras Drama um einen Cop im Sumpf von Drogen und Korruption.
Sein Recycling erlebt ebenfalls Jerry Cotton (11. März), einst im Groschenroman als deutsche Antwort auf James Bond unterwegs und Mitte der 1960er Jahre zur achtteiligen Kinofilmserie aufgestiegen. Im Remake wird der FBI-Agent im roten Jaguar E-Sportwagen von Christian Tramitz (Schuh des Manitu) verkörpert, der sich wie einst gegen böse Verschwörungen in seiner Behörde wehren und zugleich die gesamte Unterwelt von New York aufmischen muss.
Das Kinderkino setzt gleichfalls auf Bewährtes: Mit Fortsetzungen von den Vorstadtkrokodilen (21. Januar) und den Frechen Mädchen (22. Juli); dazu Hanni und Nanni (17. Juni) oder die Wiederbelebung der beliebten DDR-Einschlafhilfe Der Sandmann (noch ohne Starttermin). Die Hollywood-Konkurrent schläft schließlich nicht: Die filmischen Runderneuerungen reichen dort diesmal von Sherlock Holmes (28. Januar) bis Robin Hood (13. Mai), von Karate Kid (12. August) über Alice im Wunderland (4. März) bis zum Bildnis des Dorian Gray (18. März). Last not least gibt ein neuer Harry Potter (18. November) sich als frühzeitiger Weihnachtsfilm die Ehre – bleibt abzuwarten, wie sich der gute alte Otto dann an der Kinokasse gegen die Zauberkonkurrenten schlagen wird.
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