«Brigitte» erstmals ohne Profi-Models
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Models mit runden Formen oder Falten sind in der neuen Ausgabe der Zeitschrift Brigitte kein Tabu mehr. Die Zeitschrift lässt im neuen Jahr ihre Mode von Laufsteg-unerfahrenen Frauen und Männern präsentieren. Doch auch Kritik wird laut - allen voran von Karl Lagerfeld.
In der Ausgabe Nr. 2, die am 2. Januar erscheint, fiel die Wahl unter anderem auf Schauspielerinnen und Studentinnen, eine Lehrerin und eine Verkäuferin sowie Gastronomen. Mit diesem Wechsel reagierte die Zeitschrift auf die Diskussion um zu magere Models auf internationalen Laufstegen. Mode, Kosmetik und Fitnessprogramme sollten von Frauen verkörpert werden, «die mitten im Leben stehen», hatten die Chefredakteure Andreas Lebert und Brigitte Huber im Herbst angekündigt. «Wir machen ein Blatt für Frauen, wie sie sind, und nicht wie andere sie gerne hätten», sagte Lebert.
Prominente aus Politik, Wirtschaft und Kultur unterstützen das Vorhaben. «Ich finde die Aktion klasse, denn Schönheit ist keine Frage der Figur, sondern der Ausstrahlung», sagte die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, die Bischöfin Margot Käßmann. «Die wahre Welt ist voller toller Frauen. Höchste Zeit, dass die Modewelt sie entdeckt», meinte der Schriftsteller Frank Schätzing.
Tagesschau-Sprecherin Judith Rakers meinte: «Es ist gut und überfällig, dass sich eine Frauenzeitschrift so deutlich von allem Magerwahn distanziert. Und zwar nicht nur mit Worten, sondern mit Taten und einer grundsätzlichen Position.» Und Karen Heumann, Vorstand bei Jung von Matt, sagte: «Es ist furchtbar, dass man als normalgewichtige Frau nach den Standards der Mode-Industrie eigentlich schon zu dick ist.»
1500 Seiten jährlich sind für die Laien-Models reserviert, die für ihre Auftritte auch Honorar erhalten. Nur auf Fotostrecken der internationalen Modenschauen sollen noch Profi-Models im Magazin zu sehen sein. Die Arbeit mit nicht kameraerfahrenen Frauen bedeute mehr Zeit, mehr Aufwand, erläuterte Lebert. Doch auch rückläufige Zeitschriftenauflagen - die Brigitte beispielsweise verkaufte im 3. Quartal 2009 rund 720.000 Exemplare nach rund 757.000 im Vorjahreszeitraum - und die aktuelle Werbekrise zwingen die Medienmacher zu Innovationen in ihrer Branche.
Designer nicht mehr alleinige Trendsetter
Zu den Kritikern der Aktion gehört der Berliner Modedesigner Michael Michalsky, der auch in der neuen Brigitte-Ausgabe zu Wort kommt. «Viele Models sind nicht im konventionellen Sinne schön», sagt er. «Ihre Ausstrahlung, viel Übung und Bewegungstalent ergeben den richtigen Mix, den ein professionelles Model für den Erfolg braucht. Das ist harte Arbeit.»
Auch der Modemacher Karl Lagerfeld hatte sich nach der Ankündigung der neuen Kampagne kritisch geäußert: «Da sitzen die dicken Muttis mit Chipstüten vor dem Fernseher und sagen, dünne Models sind hässlich», sagte er dem Magazin Focus zufolge. Die Welt der schönen Kleider habe schließlich «mit Träumen und Illusionen zu tun». Runde Frauen wolle da niemand sehen.
juz/kat/news.de/dpa/ap
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