Potter und die Hotelbar
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Von news.de-Redakteurin Anne Meyer-Gatermann
Artikel vom 26.12.2009
Eine Dekade, in der sich ganze Heere abmetzelten, kleine Fische verloren gingen, Zauberlehrlinge mit Bösewichten fochten - news.de wagt einen Blick zurück auf zehn Jahre Filmgeschichte.
Kinder, wie die Zeit vergeht. Aber mal im Ernst: Die Kinoabende plätschern so vor sich hin und schon sind zehn Jahre vergangen - da kann auch mal ein Omaspruch herausrutschen. Wer hätte gedacht, dass Being John Malkovich schon ein Jahrzehnt auf dem Buckel hat? Fühlt es sich nicht an, als hätten wir erst gestern in der Popcorntüte gekramt, während Malkovich durch das halbe Stockwerk kroch? Auch auf die Gefahr hin, sich furchtbar alt zu fühlen, lohnt ein Blick zurück auf das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts.
Die Nullerjahre werden in 007-Einheiten gegliedert – die James-Bond-Filme sind verlässliche Rituale, an denen man sich durch die Jahre hangeln kann: Stirb an einem anderen Tag (2002), Casino Royale (2006) und Ein Quantum Trost (2008). Zum Anfang des Jahrzehnts, mit Stirb an einem anderen Tag, klingt die Pierce-Brosnan-Ära noch aus, seit vier Jahren sind wir im Daniel-Craig-Zeitalter angekommen, an das sich viele erst gewöhnen mussten: Ein Schwall der Kritik und Hähme bricht über Craig herein, als bekannt wurde, dass er den Bond spielen soll. Daniel Craig sei einfach zu ungehobelt für die Rolle des smarten Geheimagenten. Mit Craig wird Bond blond und brutal.
Großformatiges Gemetzel gab es ohnehin eine Menge: Ganze Heere schlagen sich im noch blutjungen Millennium spektakulär die Köpfe ein – ob im Herr der Ringe oder bei Star Wars. Kampfsportstreifen wie Tiger and Dragon (2000) oder House of the Flying Daggers (2004) zeigen die ästhetische Seite der Gewalt: Leichtfüßig tänzeln die Kämpfer über Bambushaine und zelebrieren ausgetüftelte Kampfchoreografien. Quentin Tarantino springt mit seinen Kill-Bill-Episoden (2003 und 2004) auf diesen Zug auf und schwelgt in Blutfontänen. Die Coen-Brüder schicken in No Country for Old Men (2007) einen psychopathischen Killer ins Feld mit dem sie eine kühle und bürokratische Mordlust zelebrieren.
Kulleraugen trösten über den Alltag
Die Nullerjahre sind aber auch das Jahrzehnt, in dem Erwachsene wieder in Zeichentrickfilme gehen. Erst verschämt und entschuldigend, bis alle Dämme brechen und der Vorfreude auf den neuen Ice Age-Film unverfroren gefrönt wird. Niedliche Tiere mit großen Augen trösten über den Erwachsenen-Alltag hinweg und helfen die Nachrichten von Terroranschlägen und Klimakatastrophen zu verdauen. Ratatouille schlägt gleich zwei Fliegen mit einer Klappe, weil der Film auch noch die wallende Kocheuphorie bedient. Nachdem ganze Generationen von Goldfischen dank des Films Findet Nemo mittels Klospülung ausgelöscht werden, weil kleine Nemo-Fans ihnen die Freiheit schenken wollen, hat Wall-E Nebenwirkungen, von denen Eltern nicht einmal zu träumen wagten: Nach dem Vorbild des glubschäugigen Roboters räumen die Knirpse mit Begeisterung ihre Zimmer auf.
Nicht zur Nachahmung empfohlen ist allerdings der Erwachsenen-Zeichentrickfilm Corpse Bride von Tim Burton: Darin vermählt sich Victor versehentlich mit einer Toten. Was im Film zu einer lustigen Party im Jenseits wird, hat für viele Trickfilmzeichner Maßstäbe gesetzt. Die hatten in den letzten zehn Jahren ohnehin eine aufregende Zeit: Die 3D-Technik hat eine völlig neue Ära des Zeichentrickfilm eingeläutet. Disneys Weihnachtsgeschichte oder Avatar machen den Traum der beseelten Kreatur greifbar: Der Atem kondensiert, Schweißperlen seilen sich ab, die Mimik ist lebendig wie nie.
Eine Blockbuster-Hysterie lösen gleich zu Anfang des Jahrzehnts Der Herr der Ringe aus: Der Dreiteiler ließ die Kassen 2001, 2002 und 2003 kräftig klingeln. Wie die Made im Speck macht sich der Zauberlehrling Harry Potter mit sechs Filmen - 2001, 2002, 2004, 2005, 2007 und 2009 – in den Nullerjahren mächtig breit. Plötzlich reden alle über blitzförmige Narben, das Gleis 9 ¾ und den fiesen Lord Voldemort. Und nicht zuletzt verhilft Johnny Depp mit Fluch der Karibik dem verstaubten Genre des Piratenfilms zu einem beeindruckenden Comeback.
Welle politisch engagierter Filme
Megaphon-Aktivist Michael Moore holt die Kinobesucher vom fliegenden Potter-Besen dann wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Mit Bowling for Columbine (2002), Fahrenheit 9/11 (2004), Sicko (2007) oder Kapitalismus: Eine Liebesgeschichte (2009) trampelt er Politikern und Industriellen auf die Lackschuhe. Moore tritt eine Welle des politisch engagierten Film los: Hollywood-Mammut Oliver Stone entdeckt seine Sympathie für den venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez und George Clooney macht mit Syriana die Ölindustrie nervös. Auch Filme wie City of God oder Slumdog Millionaire finden plötzlich ein breites Publikum.
Zum Anfang des neuen Jahrtausends, mit der Angst vor Terror in den Knochen, entdeckt auch der deutsche Film eine neue Ernsthaftigkeit und spielt wieder in der Oberliga mit. Das Leben der Anderen und Der Untergang werden mit Preisen überhäuft. Als in den 1990ern der neue deutsche Film gefeiert wurde, waren das Klamauk-Kaliber wie Der bewegte Mann oder Werner – Beinhart. Jetzt strömt das Publikum in Filme wie Der Baader-Meinhof-Komplex oder Das Parfum. Der Komödie bleiben die Deutschen mit Til Schweigers Keinohrhasen trotzdem treu und die Vorliebe für albernen Klamauk können sie so leicht auch nicht abschütteln, wie der beeindruckende Erfolg von Der Schuh des Manitu oder (T)Raumschiff Surprise von Michael «Bully» Herbig zeigt. Mit fast zwölf Millionen Besuchern ist Der Schuh des Manitu der erfolgreichste deutscher Film aller Zeiten.
So viel ist passiert. Zu viel, um alles hier angemessen zu würdigen: Ein Schock war der Tod des Schauspielers Heath Ledger und bittersüß schmecken seine großartigen Auftritte in den Filmen Brokeback Mountain oder The Dark Knight heute. Mit Bridget Jones. Schokolade zum Frühstück entdeckten wir, dass Hollywoodschönheiten moppelig und schlecht angezogen viel unterhaltsamer sind. Ach, und Borat ließ die Amerikaner ganz schön alt aussehen und dann gab es da ja noch den phantastischen Film Lost in Translation, der so gut in dieses Jahrzehnt passt: Eine Dekade, die sich anfühlt, wie eine Jet-Lag-Nacht an einer Hotelbar.
voc/news.de
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Schade wer das das Buch Gelesen hat ist der Film schlecht !
jetzt antwortenKommentar meldenMir fehlt ein wenig ein Rückblick auf die Entwicklung des Horrorfilms. Angefangen bei der Saw-Reihe über Hostel und Remakes wie The Hills Have Eyes und Last House On The Left; einer sadistischer als der andere. Ein Trend, der meiner Meinung nach politische und gesellschaftliche Hintergründe zu untersuchen anregt.
jetzt antwortenKommentar meldenHarry Potter war für mich das Kino- Großereignis der ersten Dekade dieses Jahrhunderts. Sicherlich werde ich auch Teil 7 im 10- ner- Jahrzehnt gucken. Wer weiß was uns das neue Jahrzehnt bringt. Ich denke, man kann gespannt darauf sein.
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