Ein Jahrzehnt für die Katz'
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Von news.de-Redakteur Christian Vock
Artikel vom 27.12.2009
In einer Rückschau sehen die Dinge oft viel schöner aus als sie eigentlich waren. Doch beim vergangenen TV-Jahrzehnt muss man sich anstrengen, um es sich schön zu reden.
Was ist geblieben von den Nullerjahren, die sich schon mit der Namensgebung schwer taten? Rucola, den Älteren noch unter dem bodenständigeren Namen Rauke bekannt, erlebte eine Wiedergeburt. Statt eines Kaffees bestellte man sich einen «Iced Half-Décaf Almond Soy No-Whip Extra foamy Carameltopping Caffe Latte», am besten in einem selbstkreierten italo-amerikanischen Akzent bestellt und das Ganze noch «to go». Die Jugend nahm ihre iPod-Stöpsel nur aus den Ohren, um sich mit Alcopops ins Koma zu saufen. Wer etwas auf sich hielt, fuhr im SUV herum, während er beim Lauschen des Navigationssystems auch auf den letzten Rest selbständigen Denkens verzichtete. Und bei all dem hatte man das Fotohandy immer in Griffweite. Es hätte ja sein können, das man Brangelina über den Weg lief.
Sehen und gesehen werden
Überfluss ist das Wort des Jahrzehnts. Da nimmt es nicht Wunder, dass sich das Fernsehprogramm der vergangenen Dekade unserem Lebenswandel anglich. Oder war es umgekehrt? Wo man schon alles (gesehen) hat, liegt es nahe, dass man mal guckt, was bei den anderen so los ist. Die Mutter aller Spanner-Shows, Big Brother, ging 2000 in Deutschland an den Start. Seitdem rannte nahezu jeder Sender irgendwem den ganzen Tag mit der Kamera hinterher. Ob im Dschungel, der Alm oder der Burg, Voyeurismus war en vogue.
Die neue Lust am Exhibitionismus schwemmte eine ganz eigenartige Spezies an die Bildschirmoberfläche: die C-Promis. Man weiß nicht genau, was sie eigentlich machen und woher sie kommen, aber sie haben sich in Shows eingenistet, die sich Promi ärgere Dich nicht! heißen oder sie sitzen in Jurys, die genauso bedeutungslos sind wie das, über das sie urteilen sollen. Hier wird Prominenz mit Relevanz verwechselt.
Und wenn gar nichts mehr hilft, verschafft man sich die Aufmerksamkeit einfach selbst. Vielleicht ist es ein Ausdruck zunehmender Hilflosigkeit, vielleicht auch die 15 Minuten Ruhm, von denen man glaubt, sie stünden einem zu. Fakt ist, dass mit dem Zeitpunkt, als im Datum aus der 19 eine 20 wurde, Help-TV-Sendungen wie Pilze aus dem Boden schossen. Seitdem wurden Hotels getestet, Wohnungen eingerichtet, Schulden vernichtet und Keller entrümpelt. Ein Ende ist nicht in Sicht.
Kochen, bis der Kameramann kommt
Schmecken, Riechen, Probieren – eigentlich ist Kochen die ungeeignetste Tätigkeit, die man im Fernsehen übertragen kann. Nachdem Alfred Biolek uns jahrelang vor der Herdplatte einschlummern ließ, haben nun neue Helden die Arena betreten. Sie duellieren sich mit Hobbyköchen, retten Restaurants und köcheln in Rudelstärke bei Talkmastern.
In ihrem Geltungsdrang stehen die Laienvarianten aus der Einbauküchen-Fraktion den Profis in nichts nach. In Fünfer-Gruppen treten sie gegeneinander an und suchen mit überspieltem Dreiviertelwissen Selbstbestätigung, indem sie Sätze fallen lassen wie «Der Fruchtspiegel harmonisiert ganz hervorragend mit dem Mandelparfait.» Am Ende bekommt der Gastgeber dann trotzdem nur zwei von zehn Punkten, weil: «Ich mag halt keine Mandeln.»
Lass uns drüber reden
Ohnehin wurde in den vergangenen zehn Jahren unheimlich viel gesagt im deutschen Fernsehen, allen voran in Talkshows. In der seriös daher kommenden Variante, der politischen Talkshow, fiel vor allem die Dominanz der Frauen auf. Will, Bauer, Christiansen, Maischberger und Illner – wenn Politiker im Fernsehen sich selbst und den Zuschauer anödeten, schwang meist eine Frau den Taktstock. Daran, dass hinten meist nur Selbstdarstellung statt Erkenntnisgewinn heraus kam, änderte das leider nichts.
Ganz anders das Bild, wenn man vom politischen aufs seichte Parkett wechselt. Hier regierten die Herren aus der Fraktion Schwiegermutters Liebling. Ob sie sich nun Kerner, Pilawa, Lanz, oder Pflaume nennen, es kuschelte nur so durch die Programme. Am Ende stand auch hier oft nur Betroffenheitsgequassel oder Werbung für das neueste Promi-Produkt.
Die Casting-Kaste
Das vielleicht augenscheinlichste Attribut, das man dem vergangenen Fernsehjahrzehnt anheften kann, ist das Wort Castingshow. Noch nie zuvor wurde so offen und offensiv zusammengecastet. Wollte man früher vielleicht noch Pilot oder Feuerwehrmann werden, scheint das neue Shangri La der Teenies die Welt der Popstars oder Models zu sein. Dieter Bohlen und Heid Klum als Vorbilder für unsere Kinder – wollen wir das wirklich?
Natürlich ist das alles nur ein Ausschnitt. Natürlich gab es auch genug Lobenswertes im vergangenen Jahrzehnt zu sehen. Aber wenn wir ehrlich sind: Wir sind gelangweilt von uns selbst und erheben belanglosen Nonsens zu Gold und dessen Macher zu Helden. Und fast prophetisch steht in den Ziffern des vergangenen Jahrzehnts ganz zentral die 00. Eigentlich waren wir doch schon weiter.
amg/news.de
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Im Fernsehen wird gekocht, bis die Töpfe platzen. Sind wir doch ein Land der mehr ...
in dem kommentar merkt man deutlich wer wovon zuviel gesehen hat..........
jetzt antwortenKommentar meldenEkelhaft krass, wie dieser Artikel von Vorurteilen und nicht-hinterfragten, voreiligen Gedanken gespickt ist. Nein, nicht bloß gespickt: Er besteht nur aus solchen. Es schüttelt mich *woah*
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