Von Carsten Rave
Das Schwergewicht der Fernsehunterhaltung kommt ins Schwitzen. Wetten, dass ..? bekommt Konkurrenz von Deutschland sucht den Superstar und Das Supertalent. Auch Stefan Raab gräbt Gottschalk mit Schlag den Raab den Nachwuchs ab.
Thomas Gottschalk und sein ZDF-Flaggschiff Wetten, dass ..? waren über Jahre vergleichbar mit einem Pflichtspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft: Die Einschaltquoten lagen in beiden Fällen (wenn das Spiel genauso wie die Fernsehshow auch abends ausgestrahlt wurde) bei deutlich über zehn Millionen. Doch nicht wenige meinen, die Zeiten könnten bald vorbei sein, weil sich die Relationen allmählich zu ändern scheinen. Die Fernsehunterhaltung ist dabei, sich neu zu definieren. Die private Konkurrenz hat die Familie als Publikum entdeckt. Eine wenig verblüffende Erkenntnis, aber ein langer Prozess, der auch mit dem Älterwerden des Mediums Fernsehen zusammenhängt.
Konkurrenz erwächst Gottschalk vor allem aus den RTL-Formaten Deutschland sucht den Superstar und Das Supertalent. Hier sprechen die nackten Zahlen für sich. Die erste Staffel des Supertalents kam 2007 im Schnitt auf exakt fünf Millionen Zuschauer pro Sendung, die zweite 2008 schon auf 5,48 Millionen und die dritte vor dem Finale heute (20.15 Uhr) sogar auf 6,78 Millionen. Die vorletzte Ausgabe am 5. Dezember brachte es im direkten Vergleich gegen Wetten, dass ..? zwar nur auf 5,83 Millionen Zuschauer, aber Gottschalks Unterhaltungsklassiker blieb auch nur bei 8,99 Millionen hängen. Von seinen Herbst-Ausgaben lagen – trotz Michelle Hunzikers Verstärkung – zwei unter der magischen Zehn-Millionen-Zuschauer-Marke.
«Elektronisches Lauffeuer»
Dabei bilden nicht einmal die absoluten Zahlen das wichtigste Kriterium. Der Blick auf die Publikumsströme ist entscheidend. Bei den jüngeren Zuschauern bis 49 Jahren erzielte die laufende Supertalent-Staffel einen Marktanteil von 33,5 Prozent, Wetten, dass ..? erreichte trotz höheren Gesamtzuspruchs nur 27,6 Prozent. Beim unmittelbaren Aufeinandertreffen am 5. Dezember schaffte Gottschalk bei den jüngeren Zuschauern nur 23 Prozent, Das Supertalent 28,2 Prozent, bei den ganz jungen bis 29 Jahre sogar 36,3 Prozent. Fazit: Das ZDF spricht den Nachwuchs weniger an als RTL. Die Kölner haben es geschafft, mit den Castingshows ein neues «elektronisches Lagerfeuer» zu entfachen, auch wenn Chefjuror Dieter Bohlen ein deutlich widersprüchlicheres Image hat als der Sonnyboy Gottschalk – oder vielleicht gerade deswegen.
Ein Triumph also für den Marktführer RTL? Der Unterhaltungschef Tom Sänger analysiert die Situation ganz nüchtern: «Es gibt zwei Aspekte, die wir berücksichtigen müssen», sagt Sänger. «Über viele Jahre haben die anderen Sender, ob privat oder öffentlich-rechtlich, der Show Wetten, dass ..? nicht ihr normales Programm entgegengesetzt, sondern nur Ausweichprogramme gesendet. Das hat sich jetzt geändert. Zum anderen schalten die jüngeren Zuschauer Reihen wie Das Supertalent und Deutschland sucht den Superstar ein, weil sie von der ganz anderen Dynamik der Shows gepackt werden.»
Nichts für flippige Leute
Doch nicht nur RTL macht dem alten Haudegen Gottschalk, der beim ZDF bis 2012 zugesagt hat, Dampf. Auch Stefan Raab spielt bei der sukzessiven Demontage des Denkmals Wetten, dass ..? eine gewisse Rolle. Der 43-jährige Pro7-Entertainer hat mit Schlag den Raab ein Spiel ohne Grenzen des neuen Jahrtausends geschaffen, das auch familienkompatibel ist und Wetten, dass ..? den Nachwuchs abgräbt, auch wenn es bislang den direkten Vergleich mit Gottschalk nicht gewagt hat. Heute kommt die sechste Ausgabe des Formats in diesem Jahr auf den Bildschirm. Bohlens und Raabs Shows verbindet zudem eines: Sie sprechen eine klare Sprache und sind auf den Punkt spannend. Gottschalks Plaudereien fallen oft zu langatmig aus – nichts für flippige junge Leute, die schnelle Dramaturgien brauchen.
Was den Kandidaten heute Abend winkt? Zwölf Mitspieler (von ursprünglich 37.000) bewerben sich im Finale um den Titel Das Supertalent und wollen so wie der Mundharmonikaspieler Michel Hirte um 100.000 Euro reicher werden. Neben Sängern sind unter anderem Hundedompteure, eine Panflötenspielerin und ein Feuerakrobat zu sehen. Mit 100.000 Euro würde sich Stefan Raabs Herausforderer nicht abspeisen lassen – im Jackpot der Show, bei der ein Kandidat in 15 Spielen nach Punkten besser als der Gastgeber abschneiden muss, liegt jetzt eine Million Euro.
amg/bla/news.de/dpa
Hier haben sich nur wenige zu Wort gemeldet,liegt wo daran,dass diesem Artikel auch keiner eine Beachtung schenkt.Ehrlich "Wetten dass..." habe ich in meinem Leben nur einmal ganz kurz gesehen und dann gleich umgeschalten.Jedoch möchte ich Schwarzwutz bepflichten:Was dort mit den Gebühren der Bürger, die ja zwangswiese bezahlt werden müssen gemacht wird, das ist der iegentliche Skandal.
jetzt antwortenKommentar melden"Wetten dass" bekommt also Konkurrenz. Eigentlich wäre das ein Grund zur Freude, schließlich war Gottschalk auch schin mal besser. Wenn ich aber sehe, wie diese Konkurrenz aussieht, dann lasse ich die "Glotze" lieber dunkel. Wer meinte, Gotschalk wäre an Seichtigkeit nicht mehr zu überbieten, der wird jetzt eines besseren belehrt. Was dort mit den Gebühren der Bürger, die ja zwangswiese bezahlt werden müssen gemacht wird, das ist der iegentliche Skandal. Panem et circenses, oder Berlisconi läßt grüßen.
jetzt antwortenKommentar meldenWären weniger Zuschauer "Promigeil", wäre die Sendung "Wetten dass..." schon lange ganz gestorben.... Ich könnte damit sehr gut leben.....
jetzt antwortenKommentar melden